Männer in die Volksschule, Frauen auf den Bau

Vorarlberg / 12.05.2015 • 20:08 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Zwei Bilder von Kindern der Volksschule Lauterach. Die Berufswünsche: Malerin (links) und Café-Besitzerin.  
Zwei Bilder von Kindern der Volksschule Lauterach. Die Berufswünsche: Malerin (links) und Café-Besitzerin.  

Eine Studie zeigt: Geschlechterrollen schon in der Volksschule gefestigt.

Bregenz. Die Notärztin, der Kindergärtner, die Bauarbeiterin, der Balletttänzer, die Fußballerin, der Friseur: Es sind Bilder wie diese, die Sozial-Landesrätin Katharina Wiesflecker (Grüne) zukünftig sehen will. Dazu müssen allerdings schon im Kindergartenalter Berufswünsche unterstützt werden. Denn eine noch von ihrer Vorgängerin Greti Schmid (ÖVP) in Auftrag gegebene Studie mit dem Titel „Was ich einmal werden möchte“ zeigt: Berufswünsche werden schon sehr früh Geschlechterrollen angepasst. Das Land will nun Gegenmaßnahmen ergreifen, auch Bundesgelder werden eingesetzt.

336 Kinderzeichnungen

Unter Federführung der Hohenemser Expertin Eva Häfele wurden in den Jahren 2012 bis 2014 zahlreiche Interviews mit Fachleuten aus Kindergärten, Volksschulen und anderen Bildungsstätten geführt. Ebenso standen Experten aus dem Bereich der Berufsorientierung zur Seite. Anschließend füllten rund 80 Eltern einen Fragebogen aus und Kinder wurden aufgefordert, ihre Berufswünsche auf Papier zu bringen. 336 solcher Zeichnungen wertete das Team aus, 260 von Volksschulkindern, 76 von Kindern aus Kindergärten.

Der meistgezeichnete Beruf war Polizist. 34 Mal fand dieser Job den Weg aufs Papier. 29 der Maler waren Jungs, fünf waren Mädchen. Unter den 14 Lehrern fanden sich hingegen elf Mädchen, von 13 Friseuren war nur einer männlich.

Selbes Bild bei den zwölf Tierärzten, elf davon waren weiblich. Dafür fanden sich bei den Profifußballern ausschließlich Jungs. Rennfahrer (acht Zeichnungen), Bauern und Baggerfahrer (jeweils sechs Zeichnungen) sind ebenfalls nur von Buben gezeichnet worden. Reiterinnen (acht), Kindergärtnerinnen und Sängerinnen (jeweils sechs) sind dagegen ausschließlich von Mädchen gewünschte Berufe.

Mehr Lehrer gesucht

Häfele sieht zudem einen Trend bestätigt: „Je jünger die Kinder sind, desto offener sind sie Berufsbildern gegenüber. Mit der Zeit werden diese jedoch enger gefasst.“ Speziell dem Männermangel im pädagogischen Bereich will Landesrätin Wiesflecker nun den Kampf ansagen. Der Bund stellt nämlich speziell für diesen Bereich Gelder zur Verfügung. Ein erstes, mit 20.000 Euro budgetiertes Projekt soll junge Männer für den Posten als Kindergärtner oder Lehrer begeistern.

Des Weiteren will Wiesflecker Berufsprojekte wie „Schaffar-Tag“ und „WIF-Zack Lauterach“ ausbauen. Um junge Menschen an ihre Wunschberufe heranführen zu können, soll zudem die Zusammenarbeit mit lokalen Unternehmen gesucht werden. Für Landestatthalter Karlheinz Rüdisser birgt diese genderpolitische Maßnahme noch einen zweiten nicht unwesentlichen Vorteil: „So können wir Fachkräfte, speziell im technischen Bereich, ausbilden und damit den Wirtschaftsstandort sichern.“

Die Studie ist Teil eines Forschungsprojekts zur Chancengleichheit im Erwerbsleben, das 2012 gestartet wurde. Insgesamt besteht das Projekt aus neun Teilen, die sich aus Workshops, Konzepten, Coachings und Studien zusammensetzen.