Zwischen Hoffnung und Verzweiflung schwebt die Existenzvernichtung

Markt / 12.05.2015 • 22:19 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Prof. Friedrich Schneider, Johannes-Kepler-Universität Linz.
Prof. Friedrich Schneider, Johannes-Kepler-Universität Linz.

Touristiker wollen von Politik klare Positionierung. Experten sehen Schaden für Branche.

Schwarzach. Mit dem Start ihres Bundesparteitags gestern, Dienstag, kündigte die ÖVP einen „Evolutionsprozess“ an. Ob es diesen auch für den Tourismus geben wird, ist unklar. Fest steht aber, die Vorarlberger Touristiker fordern endlich eine klare Positionierung der Regierung zu den geplanten Belastungen bei der Steuerreform. Man habe zwar bereits mehrere konstruktive Verbesserungsvorschläge eingebracht, allerdings seitens der Regierung seit Wochen nichts mehr gehört, kritisiert Tourismus-Spartenobmann Hans-Peter Metzler. Die Branche wisse derzeit nicht, wo sie stehe. Metzler fordert daher Klarheit. „Der Tourismus wird nicht klein beigeben“, lässt er über die Entschlossenheit der Branche keine Zweifel offen. Die Existenz vieler Familienbetriebe stehe auf dem Spiel. Deshalb werde man gegebenenfalls nächste Schritte und Reaktionen setzen.

Verbesserungsvorschläge
gibt es seitens der Branche genügend. Zum einen ist da die vielfach kritisierte Mehrwertsteuererhöhung von zehn auf 13 Prozent auf Hotelnächtigungen. Metzler fordert die Beibehaltung des derzeitigen Steuersatzes. Sollte die Regierung gegen alle Warnungen diesen doch erhöhen, müsse es eine Festlegung eines angemessenen Speisenanteils für Frühstück, Halb- und Vollpension geben, der dem ermäßigten Mehrwertsteuersatz von zehn Prozent unterliege.

Übergaben erleichtern

Bei einer Betriebsübergabe innerhalb der Familie fordert Metzler einen entsprechenden Freibetrag und eine Reduzierung des Steuersatzes, damit keine Verteuerung der Betriebsübergabe zu befürchten sei. Zudem müsse die Regierung die jetzt von 33 auf 40 Jahre verlängerte Abschreibung so korrigieren, dass sie maximal auf die Gebäudehülle angewendet werden darf. Die Abschreibung auf alle anderen Investitionen müsse der realistischen Lebensdauer entsprechen.

Damit sollen die Hausaufgaben für die Regierung allerdings noch nicht erledigt sein. Die Touristiker verlangen auch konkrete Maßnahmen zur Entbürokratisierung und Deregulierung. Darüber soll ein ständiger Ausschuss entscheiden. Erster Schwerpunkt: Der Rückbau der ­Allergenverordnung.

Unterstützung für die Forderungen bekommen die Touristiker derweil von Experten. Für den Linzer Universitätsprofessor Friedrich Schneider steht eines fest: Eine Mehrwertsteuererhöhung verschlechtert die Ertragssituation jener Betriebe, die eine Preiserhöhung nicht weitergeben können, massiv. Und das seien viele. So werde die Rentabilität der Hotelbetriebe deutlich geringer. „Es wird also finanziell eine schwierige Zeit für die Branche“, sagt Schneider im VN-Gespräch. Wie groß der Schaden tatsächlich sei, sei kurzfristig zwar nicht sichtbar. Langfristig müssten aber einige Betriebe wohl zusperren. Entweder weil es sich nicht mehr lohne oder weil sie keinen Nachfolger mehr finden. Eine Mehrwertsteuererhöhung sei also letztlich kein gutes Zeichen für die Branche. Gebe es dennoch eine Belastung, brauche die Regierung einen langfristigen Plan zur Entlastung. Beispielsweise durch eine Lohnnebenkostensenkung.

Tourismus abgestürzt

Auch das World Economic Forum hat unlängst bestätigt, wie sehr eine Mehrwertsteuererhöhung der Branche schadet. Es hat Österreich im internationalen Ranking der wettbewerbsfähigsten Tourismusdestinationen gegenüber 2013 massiv zurückgestuft. Die Branche ist von Platz 3 auf Platz 12 abgestürzt.

Tourismus-Spartenobmann Hans-Peter Metzler.  Fotos: VN
Tourismus-Spartenobmann Hans-Peter Metzler. Fotos: VN