Conchita und die Alpen

Menschen / 13.05.2015 • 21:49 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
„Ich hoffe, dass man beim Song Contest 2015 herzlich lachen kann“, sagt ESC-Gesamtleiter Edgar Böhm. Foto: APA
„Ich hoffe, dass man beim Song Contest 2015 herzlich lachen kann“, sagt ESC-Gesamtleiter Edgar Böhm. Foto: APA

Wien. Edgar Böhm – hauptberuflich ORF-Unterhaltungschef – ist seit einem Jahr als Executive Producer für den Eurovision Song Contest in Wien zuständig. Kurz vor der heißen Phase des Events sprach der 61-Jährige mit der APA über seinen verantwortungsvollen Job und darüber, wie man Alpen und Conchita Wurst verbindet.

Ein Jahr Arbeit liegt hinter Ihnen und jetzt rollt der Song- Contest-Tross an. Haben Sie noch Zeit zum Luftholen?

Böhm: Wenn man etwas so lange plant, es sich schließlich mit Leben erfüllt und man hört, dass es gut ankommt, dann ist das natürlich eine große Erleichterung. Ich genieße es.

Nun finden sich im ESC-Kosmos viele Supervisors, Stagedirectors, Showproducer und Sie als Executive Producer. Was konkret ist Ihre Aufgabe?

Böhm: Ich bin gegenüber European Broadcasting Union (EBU) der Ansprechpartner für den operativen Bereich. Der Executive Producer der EBU hat einen Executive Producer des Gastgeberlandes gegenüber, bei dem alles zusammenläuft und der versucht, sich einen Überblick in dieser riesigen Produktion zu verschaffen, der koordiniert und für die Kommunikation verantwortlich ist. Ich versuche, die Dinge beisammen und die Budgets zu halten.

Im Rahmen der Show gibt es die üblichen Österreich-Klischeebilder von den Philharmonikern bis hin zu den Alpen. Warum haben Sie nicht die Chance nach dem Sieg von Conchita Wurst genutzt, das schräge, moderne Österreich zu präsentieren?

Böhm: Wir wollen eine Brücke schlagen zwischen der Tradition – das ist die Klassik in Österreich – und der Moderne. Wir werden beweisen, dass das zusammengehört. Nichts kann modern sein, was nicht auf etwas Altem beruht. Wenn wir die Brücke schlagen zwischen Philharmonikern und Life Ball, Alpenbildern und Conchita, spannen wir einen Bogen, der sich sehr modern präsentiert, aber sich nicht selbst verleugnet. Wir sind ein Alpenland – also warum sollen wir nicht die Alpen zeigen? Wie wir sie zeigen, ist die Frage. Das Motto „Building Bridges“ bezieht sich auch auf unser Konzept.

Welche Rolle kommt der Ironie beim Showkonzept zu?

Böhm: Wir werden das Ganze mit einem lachenden Auge über die Bühne bringen. Wir wollen mit etwas Ironie in die Geschichte zurückschauen und uns nicht staatstragend präsentieren, sondern als freundliches Land, das Humor hat. Ich hoffe, dass man auch beim ESC 2015 herzlich lachen kann.

Sie kehren bald in Ihr altes Ich als ORF-Unterhaltungschef zurück: Mit Frust oder Freude?

Böhm: Ich habe das Jahr unglaublich genossen. Das ist wie bei einem Wettkampf, auf den man trainiert hat, und bei dem man gut im Rennen liegt. Ich freue mich aber auch sehr, wenn ich wieder in meine Unterhaltungsheimat zurückkomme – aber dieses Jahr ist unvergesslich.