Christa Dietrich

Kommentar

Christa Dietrich

Der Griff zum Hauptstadttitel

Kultur / 13.05.2015 • 18:39 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Wer die Tristesse, die die belgische Stadt Mons heuer zur Eröffnung ihres Kulturhauptstadtjahres bot, auch deshalb bald verdauen konnte, weil man sich in der einstigen Borinage auch aufschlussreich darauf konzentrierte, dass Van Gogh ausgerechnet hier mit sich als Maler rang, sieht das Thema Kulturhauptstadt zwar noch kritischer als nach Erlebnissen in Marseille und Linz, hat es aber noch nicht ganz abgehakt. In Vorarlberg ist es ja nun richtig aktuell.

Winfried Nussbaummüller, dem Leiter der Kulturabteilung im Amt der Landesregierung, ist die Sache so wichtig, dass er den mit Kulturhauptstadt-Belangen vertrauten Manager Ulrich Fuchs als Referenten zur großen Kulturenquete im Februar lud. In Anwesenheit so ziemlich aller Veranstalter und maßgeblichen Kulturschaffenden gab er dem Land diesbezüglich eine Chance.

 

Nur wenige Tage zuvor ließ der Kulturtheoretiker Reinhard Kannonier verlauten, dass die Stadt Dornbirn den Mut haben solle, sich zu bewerben. Auf die Stadt, in der es neben einem schönen naturkundlichen Museum gerade einmal einen heruntergekommenen Konzertsaal gibt, auf die Stadt, in der der ambitionierte Kunstraum und der Spielboden immer wieder ums Überleben kämpfen, wäre man nicht so schnell gekommen.

Fest steht, dass man in Bregenz schon
länger Kulturhauptstadtgedanken hegt. Eine der laut gewordenen Ideen läuft darauf hinaus, sich gemeinsam mit der Bodenseeregion zu bewerben. Das wäre eine Möglichkeit, birgt aber das Problem, jenseits der Grenzen Partner zu finden, die am selben Strang ziehen.

Der Griff zum Hauptstadttitel wird jedenfalls konkret. Österreich hat für das Jahr 2024 den Fuß in der Tür. Und wenn das bedeutet, dass man sich in Vorarlberg ans für Kultur­interessierte profitable Herausputzen als Bewerber macht, so ist das schon einmal etwas Gutes.

christa.dietrich@vorarlbergernachrichten.at, 05572/501-225