Kein „Zeitgeist-Preis“

Markt / 13.05.2015 • 20:05 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Matthias Ammann, Jochen Specht, Johannes Ortner, Herbert Brunner und Siegfried Fritz mit der Trophäe KH
Matthias Ammann, Jochen Specht, Johannes Ortner, Herbert Brunner und Siegfried Fritz mit der Trophäe KH

140 Projekte wurden für den elften Vorarlberger Holzbaupreis eingereicht.

Gernot Schweigkofler

Dornbirn. 140 Eingaben gab es für die elfte Auflage des Vorarlberger Holzbaupreises, der unter dem Motto „Gewinnen mit Holz“ steht. Der Slogan wurde gewählt, um auf die positiven Effekte des Baustoffs Holz hinzuweisen. Nicht nur die CO2 Bilanz, sondern auch die heimische Wirtschaft profitiert stark von Holz, ist Herbert Brunner, Obmann des Vereins holzbau_kunst überzeugt.

Bei den Projekten gibt es Verschiebungen. Die Einreichungen bei Einfamilienhäusern nehmen ab. Dafür steigt die Zahl an Sanierungen und Erweiterungen bestehender Wohnhäuser mit dem Werkstoff Holz. Deshalb wurde für das Pressegespräch auch kein Holzneubau, sondern die Erweiterung eines bestehenden Gebäudes als Veranstaltungsort gewählt. Hoch über dem Rheintal hat Architekt Jochen Specht ein kleines „architektonisch wertloses“ Haus aus den 60er-Jahren mit einem modernen Holzbau umbaut, und die alten Mauern ins neue Haus integriert. Das Haus Hohlen ist eine von 22 Eingaben im Bereich Sanierung/ Bestandserweiterung.
Auffällig sind auch die vielen Einreichungen von Projekten außerhalb des Landes: Insgesamt 38 Bauten wurden eingereicht, die Vorarlberger Holzbauunternehmen im Ausland (oder in anderen Regionen Österreichs) umgesetzt haben: Die Kategorie hat damit die Einfamilienhäuser überholt.
Laut Holzbau_kunst-Geschäftsführer Matthias Ammann zeigte sich die Jury einmal mehr begeistert von der Qualität der eingereichten Objekte. Ein Jurymitglied habe betont, dass Vorarlberg nach wie vor eine Ausnahmeerscheinung in Sachen Holzbau sei und man als Jurymitglied in dieser Hinsicht noch dazulernen könne.

Förderimpuls notwendig

Es wurde aber nicht nur gelobt. Besonders Johannes Ortner, Vorstand der Raiffeisenlandesbank Vorarlberg, wies auf eine Schieflage hin, die in den letzten Jahren entstanden sei. Im Bereich des mehrgeschoßigen Wohnbaus gerate man gegenüber anderen Regionen in Rückstand. Für den Banker ist die Ursache klar: Bei einer kurzfristigen Kostenrechnung schneide der Holzbau schlechter ab, weshalb kaum Wohnanlagen in dieser Bauweise errichtet werden. Das sei bedauerlich, vor allem weil bei der ökologischen Gesamtrechnung der Holzbau am besten abschneide. Wer genauer rechne, würde außerdem feststellen, dass in vielen Fällen Holzbau langfristig am günstigsten käme. Ortner fordert deshalb einen Förderimpuls vonseiten des Landes. Gerade im Hinblick auf das Erreichen des Ziels der Energieautonomie 2050 käme dem Holzbau eine wichtige Rolle zu, ist er überzeugt.

Verleihung am 17. Juli

34 Objekte hat die internationale Jury besichtigt. Beurteilt wird dabei nicht allein die architektonische Qualität; auch die Qualität des Holzbaus und die Ökologie sind gleichberechtigte Parameter, denn man wolle keinen „Zeitgeist-Preis“ ausloben, sondern Trends darstellen. Spannend ist, dass die Jury teilweise Kategorien infrage gestellt hat und Gebäude umkategorisierte. So entstanden neue Preise und Auszeichnungen. Die Sieger stehen bereits fest, allerdings wird das Geheimnis erst am 17. Juli gelüftet. Dann findet die elfte Verleihung des Holzbaupreises in der Poolbar Feldkirch statt.

Eingereichte Objekte

Wohnbau Einfamilienhaus: 36

Wohnbau Mehrfamilienhaus: 5

Gewerbebau: 12

Öffentlicher Bau: 10

Sanierung/Bestandserweiterung: 22

Holzmischbauweise: 11

Projekte außer Landes: 38

Nicht im Wettbewerb: 6

Gesamt: 140