Kuh „Lore“ nicht vorsätzlich gequält: Freispruch für Bauer

Vorarlberg / 13.05.2015 • 22:53 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
VN-Bericht vom 31. Jänner 2015.
VN-Bericht vom 31. Jänner 2015.

Gerichtliche Verfolgung wegen Tierquälerei fand für Bregenzer­wälder ein Ende.

Bregenz. Herausziehen des Kalbes aus dem trächtigen Muttertier mit einem Seilzug, festgestellte hochgradige Verrenkungen, ein Beckenbruch sowie der Verdacht, die Kuh „Lore“ mit einem spitzen Gegenstand totgeschlagen zu haben: Solche Verdachtsmomente belasteten einen 48-jährigen Bregenzerwälder Landwirt in einem Verhandlungsmarathon am Bezirksgericht Bregenz (die Vorarlberger Nachrichten berichteten). Befragungen von Zeugen und amtstierärztliche Gutachten folgten.

Vom Tierarzt entlastet

Mittwochvormittag, es ist der letzte Verhandlungstermin, erscheint auch der letzte Zeuge, ein 51-jähriger deutscher Diplomveterinärmediziner.

Er war es, der das verendende Tier im vergangenen Oktober über ein Wochenende hinweg untersucht, behandelt und ihm Infusionen verabreicht hatte. Er war es auch, der dem Milchbauern vorschlug, die Kuh von der engen Stallbox auf die Weide zu schaffen. Dass der Beschuldigte dies mit Gurten und einem Frontlader bewerkstelligt hat, gehöre in solchen Fällen zu den üblichen Methoden, sagt der Zeuge.

Von den später festgestellten massiven Verletzungen sei dem Tiermediziner damals nichts aufgefallen, versichert derselbe vor Richter Christian Röthlin. Die Frakturen könnten auch beim späteren Verladen und Transport des Kadavers entstanden sein.

Und dann die Sache mit dem „spitzen Gegenstand“, mit dem der Kopf des Muttertiers zertrümmert worden sein soll. Der Beschuldigte hatte immer wieder beteuert, die Kuh sei von einem Jäger erschossen worden.

Patronensplitter im Kopf

Tatsächlich liegt dem Gericht eine Mitteilung des Landeskriminalamtes vor, nach der im untersuchten Kopf des Kadavers Splitter von Patronen eines Kleinkalibergewehrs festgestellt worden sind. Richter Röthlin geht deshalb schlussendlich von einer schmerzlosen Tötung des Tieres aus und betont gleichzeitig, dass der anfängliche Vorwurf der vorsätzlichen Tierquälerei nicht mit der im Strafrecht erforderlichen Sicherheit festgestellt werden kann. Sein Urteil lautet also Freispruch, der Bezirksanwalt gab noch keine Erklärung ab.