Was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?

Vorarlberg / 13.05.2015 • 17:22 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

So fragten zwei Männer nach der Himmelfahrt Jesu die Jünger und Jüngerinnen. (Apg 2,10f). Aber nicht nur sie, sondern auch uns.

Vertröstungen

Der Vorwurf, dass die Religionen die Menschen auf ein besseres Jenseits vertrösten, damit sie das Jammertal dieses Lebens leichter ertragen, ist nicht neu. Haben nicht auch die Sklaven Amerikas ihre Spirituals gesungen als Trostlieder: Jetzt geht es uns schlecht, aber dann, wenn der Herr einst wiederkommt, dann werden wir dabei sein und Halleluja singen, tanzen und fröhlich sein, dann wird alles gut!?

Aber angenommen, es gäbe gar keinen Himmel? Selbst wenn man das glaubt (Es bleibt immer ein Glaube!), wäre das Leben nicht leichter, weil jede und jeder dafür kämpfen muss, wenigstens hier auf Erden ein Stück Paradies zu haben. Damit wird das Leben letztlich zu einem brutalen Kämpfen gegeneinander, weil wir immer Hungerleider des Glücks sein werden (F. Kafka). In dieser Welt bleibt alles ein Stück zu klein (K. Tucholsky.) Paulus zieht daraus die richtige Konsequenz: „Wenn Tote nicht auferweckt werden, dann lasst uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot.“

Nicht „droben“

In meiner früheren Pfarre lag auf dem Seitenaltar ein Fürbittbuch, in das die Leute ihre Anliegen eintragen konnten. In den Tagen um Christi Himmelfahrt schrieb jemand – der Schrift nach war es ein Jugendlicher – hinein: „Jetzt bist du also droben, Jesus. Ist es dort schön? Hier unten nicht!“ Jesus ist nicht „aufgefahren“ wie bei einem Raketenstart, sondern diese Geschichte besagt, das Gott ihn zu sich heimgeholt hat. Wenn schon, dann ist Jesus „drinnen“, geborgen in seinem Vater-Gott, oder dem zärtlichen Mutter-Gott, hineingenommen in den geheimnisvollen Gott, mit dem er sein Leben lang zutiefst verbunden war, sogar sterbend am Kreuz: „Vater, in deine Hände . . .“ Wenn schon, dann ist er aber gleichzeitig „draußen“, bei denen, die ausgegrenzt, verlacht, abgeschoben werden. Er ist zudem „drunten“ bei allen, die am Boden oder unten durch sind, ebenso bei den tausenden Leichen der Afrikaner im Mittelmeer, die in einer letzten Verzweiflung geflüchtet sind mit dem Gedanken: Entweder schaffe ich es, oder ich gehe zugrunde, ganz wörtlich! Jesus ist auch „drüben“ bei den Nachbarn, Verwandten oder Bekannten, mit denen es nicht immer leicht zu leben ist.

Die Blickrichtung ändern

In einem scharfkritischen Gedicht sagt Thoma Rother: „Glotzt nicht beim Loben immer nach oben. / Schaut mal zur Seite, dann seht ihr die Pleite!“ Natürlich geht in allen Bereichen so manches daneben, bleiben die Zustände der Welt ungerecht und unbefriedigend. Gerade deshalb sind wir, als Christenmenschen ganz besonders, beauftragt und gefordert, den Himmel des guten Lebens herunter- zuholen in unsere Welt und unser Leben. Wir sollen nach den Worten Jesu Licht sein, Orientierungs- und Hoffnungslichter anzünden in allen dunklen Situationen, sollen das frischhaltende Salz der Erde sein gegen die Fäulnis der Unmenschlichkeiten, sollen auch ganz besonders Friedenstäter werden in unserer friedlosen Zeit. Wer die Mitmenschen und das Leid dieser Welt übersieht, wird Gott nicht in den Blick bekommen. Manche meinen, es würde genügen, wenn wir in unserem Tode Gott die Hände hinhalten und sagen können: „Lieber Gott, schau her, ich habe ganz saubere Hände, ich habe nichts Böses getan!“ Dann wird er wohl sagen: „Es wäre mir lieber, du hättest schmutzige Hände, weil du hineingelangt hast in den Dreck aller Armut und Unmenschlichkeit.“

Es gibt doch den Himmel

Das Fest Christi Himmelfahrt lenkt unseren Blick auf die Erde und schenkt uns zugleich den Trost, dass wir nicht allein am Werk sind. „Ich bleibe bei euch, alle Tage, bis ans Ende der Welt“, sagt Jesus (Mt 28,20).

„Ich wirke in euch durch meinen Geist, ermutige und stärke euch. Ich möchte euch begeistern für die Liebe, die allein zählt und bleibt!“ Ich mache tagtäglich neue kleine Himmelserfahrungen, ehrlich! Da und dort, wo Menschen einander wertschätzend, respektvoll, liebenswürdig und hilfsbereit begegnen.

Elmar Simma,
Caritasseelsorger, Feldkirch