Weil sie sich gut fühlt

Kultur / 13.05.2015 • 18:39 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Bilder von Jeannette Frei vermitteln Beschwingtheit. Fotos. A. Grabher  
Bilder von Jeannette Frei vermitteln Beschwingtheit. Fotos. A. Grabher  

In der Galerie Arthouse demonstriert Jeannette Frei ihre Freude am Malen.

DORNBIRN. (VN-ag) Im Mai 1965 wurde die Single „I feel good“ von James Brown in Miami aufgenommen. Genau 50 Jahre später nimmt Jeannette Frei, Malerin mit Vorarlberger Wurzeln, den Titel und eben dieses Lebensgefühl zum Ausgangspunkt ihrer neuen Arbeiten, die in der Dornbirner Galerie Arthouse zu sehen sind.

Eine Art Tagebuch

Was passiert, wenn ich einen Monat lang, Tag für Tag, ein Bild male? Einfach so, ohne Vorhaben jeden Tag drauflos malen, schauen, was kommt, sich treiben lassen und genau das Bild malen, für das ich in der Stimmung bin, oder jenes eine, das ich schon immer einmal malen wollte? Diese Frage hat sich Jeannette Frei vor einiger Zeit gestellt. Entstanden ist eine Art Tagebuch ihres Schaffens. Darin Bilder wie Momentaufnahmen, die nicht so recht zueinander passen wollen.

Und doch verbindet sich für die Künstlerin mit jeder Darstellung eine eigene kleine Geschichte: das nach einem Festival verdreckte Paar Turnschuhe, die Enkelin, die so gerne Äpfel isst, und die sie noch nie gemalt hat, ein Porträt des Jazzgitarristen John Scofield nach einem rotstichigen Foto vom Konzert in Basel, das „Mohnfeld“, das ein halbes Jahr unfertig herumstand und jetzt vollendet wurde, die „Frau, aus dem Wasser steigend“ nach einem Lieblingswerk der Künstlerin von Rembrandt. Aber es gibt nicht nur die guten Maltage, sondern auch graue, dunkle, an denen das Licht nicht ausreicht. Dann werden die kleinen Dinge, die von Größerem erzählen, wichtig für die Künstlerin. Wie zwei Orangen, die zufällig da liegen und plötzlich zum Malanlass werden, oder eine Farbenschachtel oder der Blick aus dem Atelier ins Grün des verwilderten Gartens, das sich als Grundfarbe immer mehr in den Raum und die jüngsten Werke einschleicht. Das Ergebnis sind klassisch bis konventionell gemalte Motive, Landschaften, Menschen, Stillleben.

Immer wieder ist es aber das persönliche Erlebnis, das in expressiv-realistische, farbstarke Gemälde mündet. Dass damit auch ein kritisches Aufmerken und Ironie verbunden sein können, sieht man den Werken auf den ersten Blick vielleicht nicht an. Wie jenem berühmten Bergpanorama mit Schweizer Fahne, das die Hässlichkeit der Zersiedelung über das Postkartenidyll vergessen lässt. Wenn sie male, dann fühle sie sich gut und lebendig, sagt die Künstlerin, deren Arbeiten Ende Mai auch bei der Emsiana zu sehen sein werden. Und: „Ich male, weil ich malen muss. Weil ich das Leben schlecht aushalte ohne das.“ Über ihre neuen Arbeiten, in der Reihe, die keine ist, hat Jeannette Frei ihre Lust am Malen wiedergefunden. Das merkt man den Bildern an, die in frischer, verschwenderischer Farbigkeit frühlingshafte Leichtigkeit verströmen: „I feel good“: Das beschwingte Gefühl nimmt der Besucher aus der Ausstellung mit.

Die Bilder von Jeannette Frei vermitteln Beschwingtheit.  A. Grabher  
Die Bilder von Jeannette Frei vermitteln Beschwingtheit. A. Grabher  

Zur Person

Jeannette Frei

Geboren: 1953 in St.Gallen

Ausbildung: Staatliche Akademie der bildenden Künste in Stuttgart

Auszeichnungen: u.a. Alpirsbacher Kunstpreis, Badischer Kunst- und Kulturpreis, Österreichischer Grafikpreis

Laufbahn: Ausstellungen u.a. in Weil am Rhein, St.Gallen, Bregenz, Wr. Neustadt

Wohnort: Grenzach-Wyhlen/D

Geöffnet in der Galerie Arthouse, Dr.-Waibel-Straße 6, in Dornbirn, bis 6. Juni. Mo bis Fr, 9 bis 12, 14 bis 18 Uhr, Sa, 9 bis 12 Uhr.