100 Euro bis Barcelona und zurück

Vorarlberg / 15.05.2015 • 21:17 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Schlafplatz im Zelt, das Essen aus der Dose.
Der Schlafplatz im Zelt, das Essen aus der Dose.

Drei Schüler der HAK Bludenz haben aus ihrem Maturaprojekt ein Erlebnis gemacht.

Bludenz. (VN-ger) Der rohe Klang von John Lennons Mundharmonika soll es gewesen sein, der den Produzenten George Henry Martin elektrisierte und 1962 die Weltkarriere der Beatles einleitete. Mit „Love me do“ auf den Lippen starteten auch Christian Tschann (19) aus Schruns, Armin Wittwer-Tschohl (19) aus Tschagguns und Kevin Naglic (22) aus Außerbraz im August des Vorjahrs eine Reise der anderen Art.

Aber von vorne: Im Rahmen eines Maturaprojekts in den Fächern Finanz- und Risikomanagement sowie Kultur- und Sozialmanagement hatten sich die Schüler der HAK Bludenz das Ziel gesetzt, in zwei Wochen von Bludenz nach Barcelona zu reisen. „Wir wollten komplett etwas anderes machen“, erinnert sich Kevin Naglic. Ihr Startkapital: 100 Euro pro Person. Mit einem 30 Kilo schweren Rucksack samt Zelt und Fertignahrung ausgestattet, ging es für das Trio zunächst per  Zug nach Zürich. „Frankreich hat eine Jugendarbeitslosigkeit von 25 Prozent, Spanien von über 50 Prozent. In der Schweiz sahen wir die größten Chancen, an Geld zu kommen“, erläutern die Maturanten ihren Plan.

Plan B

Die Grundidee, mit Musik die Reise zu finanzieren, mussten die drei allerdings am ersten Tag wieder verwerfen. Kaum hatten die Schüler ihre Mundharmonika angesetzt, schob auch schon ein Profi sein Klavier samt Mikrophon an der Limmat vor. „Da war uns klar: Das wird nichts.“ Ein Plan B für die Geldbeschaffung musste her. „Wir haben dann den ganzen Tag Leute angequatscht und gefragt, ob sie Arbeit hätten“, erzählt Christian Tschann. Die Rettung kam nach drei Stunden in Gestalt eines älteren Herrn namens Walter, der ihnen einen Job in einer Gärtnerei in Männedorf organisierte. Genächtigt wurde auf einem Zeltplatz, für eineinhalb Tage Arbeit gab’s 150 Franken pro Person und ein Zugticket zurück nach Zürich. Was folgte, war eine kurze Nacht am Bahnhof („Um vier Uhr wurden wir rausgeworfen“), zwei weitere mitten in einem Hundepark sowie dreieinhalb Tage Gemüse und Lager putzen bei einem Cateringservice in der Schaffhauserstraße.

Auf nach Montpellier

Um 200 Franken pro Person reicher, ergatterten die Abenteurer über die App BlaBlaCar eine Mitfahrgelegenheit nach Genf. Nach einer weiteren Nacht am Bahnhof und einem Zwischenstopp in Lyon lautete das nächste Ziel Montpellier. „Wir haben jedes Hotel abgeklappert, im Hôtel d‘Angleterre konnten wir nach langen Verhandlungen auf Französisch um 30 Euro pro Person übernachten – das erste Mal auf der Reise in einem Bett.“ Als die Oberländer nach zwölf Tagen schließlich in Barcelona ankamen, reichte das Geld sogar noch für ein Flugticket zurück nach Zürich. „Am Ende hatten wir sogar 70 Euro übrig.“

Für Christian, Armin und Kevin war ihr Maturaprojekt ein unvergessliches Erlebnis und eine Erfahrung fürs Leben, sagen sie. „Wenn man so ein Projekt starten möchte, dann sollte man sich genau überlegen, mit wem man das macht. Denn wenn man ins Streiten kommt, dann ist das Projekt zum Scheitern verurteilt“, empfiehlt Kevin.

Eine der größten Herausforderungen auf der Reise? „Wir haben nie gewusst, wie der Tage endet.“  Fotos: privat  
Eine der größten Herausforderungen auf der Reise? „Wir haben nie gewusst, wie der Tage endet.“ Fotos: privat  

Infos

Wenn einer eine Reise tut, dann hat er was zu erzählen… Vor dem Start gilt es jedoch Vorbereitungen zu treffen.

» Tipps rund um die Planung der Reise, Länder- und Städteinfos, günstige Unterkunftsmöglichkeiten und vieles mehr finden Jugendliche auf www.aha.or.at/reisen

» Stefan und Verena bereisten mit dem Interrail-Ticket Europa, Johannes war in Irland und Schweden unterwegs. Ihre Erfahrungen sowie weitere Reiseberichte gibt es auf www.aha.or.at/reiseberichte.