2400 KMU in Vorarlberg stehen vor der Übergabe

Markt / 15.05.2015 • 18:33 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
KMU-Unternehmer des Jahres Manfred Ellensohn (l.) hat die Nachfolge geregelt. Seine drei Kinder Layla, Ernst und Edgar arbeiten im Unternehmen.
KMU-Unternehmer des Jahres Manfred Ellensohn (l.) hat die Nachfolge geregelt. Seine drei Kinder Layla, Ernst und Edgar arbeiten im Unternehmen.

Seit 2005 setzt die WKV Akzente durch Sensibilisierung, Information, Beratung und ein Partnernetzwerk.

Feldkirch. (VN) Laut neuester Studie der KMU-Forschung Austria stehen im Bundesland Vorarlberg in den Jahren 2014 bis 2023 etwa 2400 kleine und mittlere Unternehmen vor der Übergabe. Das sind 30 Prozent aller Vorarlberger kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), Ein-Personen-Unternehmen nicht mitgerechnet. Zwischen 12.000 und 24.000 Arbeitsplätze sind davon betroffen.

Neue Chefs gesucht

Überdurchschnittlich hoch ist der Anteil im Handel mit 31 Prozent sowie im Gewerbe und Handwerk mit 30 Prozent, gefolgt von der Tourismus- und Freizeitwirtschaft mit 26 Prozent.

Häufigster Grund für die Übergaben ist dabei mit 66 Prozent der altersbedingte Rückzug aus dem Unternehmen. War zwischen 1996 bis 2006 ein kontinuierlicher Rückgang der familieninternen Übergaben von 75 auf 50 Prozent zu verzeichnen, so halten sich familieninterne und familienexterne Übergaben seit dem Jahr 2006 die Waage.

Übergabetauglich

Zentrale Voraussetzung für den Fortbestand des Unternehmens ist dabei jedenfalls die betriebswirtschaftliche Übergabetauglichkeit. Laut früheren Studien waren neun Prozent der Unternehmen gar nicht übergabefähig, heute sind es nur mehr sechs Prozent.

Viele der zur Nachfolge anstehenden Unternehmen befinden sich in einer „Reifephase“. Oft ist diese durch rückläufige Innovations- und Investitionstätigkeit mit einer Verringerung der Wettbewerbsfähigkeit verbunden, was schlussendlich zu Problemen bei der Nachfolge führen kann.

Unternehmensübergaben werden zunehmend besser geplant, externe Hilfe wird häufiger beansprucht. Seit 1996 ist der Anteil der ÜbergeberInnen, die den Prozess planen, kontinuierlich von 28 auf 64 Prozent gestiegen. Häufig sind derartige Pläne allerdings informell und kurzfristig. Insbesondere bei Kleinstbetrieben fehlt es nach wie vor häufig an einer geeigneten Übergabeplanung.

Die Herausforderungen bei der Übergabe können vielschichtig sein. Stehen beim Übergeber das Finden eines geeigneten Nachfolgers,
die Unternehmensbewertung samt Erzielung eines angemessenen Verkaufspreises, steuerliche Belastungen und rechtliche Beschränkungen im Vordergrund, so sind es auf Übernehmerseite vor allem administrative Belastungen und rechtliche Unklarheiten, Investitionsbedarf nach der Nachfolge sowie kaufmännische/betriebswirtschaftliche Qualifikationen, die Probleme bereiten.

„Soft Facts“

Für den Erfolg sind dabei nicht nur die Zahlen, Daten, Fakten, sondern insbesondere auch sogenannte „Soft Facts“ von Bedeutung. Eine gute Beziehung zwischen Übergeber und Übernehmer fördert laut KMU-Studie den Erfolg einer Übergabe in jedem Fall. Aufgrund der vielschichtigen Herausforderungen und individueller Situationen gibt es kein einfaches, allgemeingültiges Rezept, wie die Übergabe erfolgreich gelingen kann.

Wichtig ist jedenfalls, und da sind sich sämtliche Experten und Unternehmer, die den Prozess erfolgreich gemeistert haben, einig, dass die Nachfolge mit einer ausreichenden Vorlaufzeit geplant werden sollte.

Seit dem Jahr 2005 setzt daher die Wirtschaftskammer wichtige Impulse durch Beratungsleistungen und ein Netzwerk an Partnern. „Mit Veranstaltungen wie etwa einem Nachfolgeinfoabend oder dem Nachfolgesprechtag soll es gelingen, für das Thema Nachfolge entsprechend zu sensibilisieren und Bewusstsein für eine frühzeitige Beschäftigung mit der Nachfolgeregelung zu schaffen“, erklärt Christoph Mathis, als Ansprechpartner für die Betriebsnachfolge in der Wirtschaftskammer Vorarlberg.

Infos für Nachfolge-Infoabend und -Sprechstunde unter 05522/305-457 oder www.wkv.at/events/unternehmensnachfolge