Große Würfe im kleinen Format fordern Nähe

Kultur / 15.05.2015 • 22:07 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Alexandra Wacker, die gut und gerne im großen Fomat zu Hause ist, zeigt ausschnitthafte Köpfe.  Fotos: A. Grabher  
Alexandra Wacker, die gut und gerne im großen Fomat zu Hause ist, zeigt ausschnitthafte Köpfe. Fotos: A. Grabher  

Die durchaus groß konzipierte Galerie c.art stellt „small pieces“ in den Mittelpunkt der Betrachtung.

DORNBIRN. (VN-ag) Jenseits von Größer, Schneller und Höher eines von Superlativen gesättigten Kunstmarktes gibt es sie noch, die kleinen, feinen Dinge in der Kunst. Um eben diese „small pieces“ dreht sich die aktuelle Ausstellung in der Dornbirner Galerie c.art. Und siehe da, nach einem Rundgang gewinnt man den Eindruck, nicht nur viel, sondern durchaus Großes gesehen zu haben.

Daumenpolster

Das Ausstellungsprinzip ist rasch beschrieben: Allen gezeigten Arbeiten gemeinsam ist das kleine Format, wobei „klein“ auch wieder relativ ist und in der Schau selbst keine Beschränkung, im Sinne einer maximalen Größe, erfährt. So reicht das Spektrum, das Zeichnung, Druckgrafik, Malerei, Foto, Objekt und Skulptur von internationalen, österreichischen und Vorarlberger Künstlern umfasst, von einem „Daumenpolster“ in Zement über die archaisch geformten, giftgrünen Venusfiguren von Gottfried Bechtold, die die rosa Blume an der richtigen Stelle haben, bis hin zu „normalformatigen“ Blättern oder Gemälden, etwa eines Helmut Fetz oder des spanischen Künstlers Manuel Losada, der bunte Paisleys und geometrische Formen zu Mustern mixt.

Besagtes „Daumenpolster“ stammt vom 1979 in Bregenz geborenen Mathias Garnitschnig, hat seinen Namen vom Fingerabdruck des Künstlers bei der Herstellung der Zement-Unikate und lässt im Kontext der Ausstellung natürlich auch an die Geschichte vom Däumling denken.

Vom Wurm-Schüler Garnitschnig sind auch filigran-reduzierte, hintersinnige Zeichnungen und Köpfe ohne Gesichter zu sehen, die die selbst gestellte Aufgabe „Porträt“ hinterfragen.

Bleischuhe

Ebenfalls stilisierte Porträts, ausschnitthafte Köpfe, zeigt mit der bekannten Vorarlbergerin Alexandra Wacker eine Malerin, die ansonsten gut und gerne im großen Format zu Hause ist.

Neben der bunten Pillen-„Placebo“-Welt von Dana Wyse, für die es keine Verschreibungspflicht gibt, konstatiert die Lustenauer Künstlerin Silke Hagen, in deren bezaubernden kleinen Objekten Fotografie unter textilem Überzug verschleiert wird, trocken: „Jetzt muss ich in den Birkenwald, denn meine Pillen wirken bald.“ Gegenüber Hagen, die die Sehnsüchte unserer Zeit thematisiert, liegt das Kalkül von Geometrie und mathematischen Reihen den Arbeiten von Hubert Lampert zugrunde, der mit einem frühen Stahlwürfel vertreten ist. Mit seiner extravaganten Ästhetik und einer Leichtigkeit, die nur eine optische Täuschung sein kann, besticht ein Paar Bleischuhe des österreichischen Bildhauers Alfred Haberpointner, der ansonsten vor allem für seine Materialexperimente in Holz bekannt ist.

Und auch Markus Hofer, ebenfalls Bildhauer, sorgt für Irritationen und Wahrnehmungsverschiebungen, indem er das als alltäglich Gesetzte subtil aushebelt. Farbe ist bei Hofer Material und Skulptur zugleich, er lässt sie aus völlig zweckfrei an der Wand angebrachten Wasserhähnen und Steckdosen rinnen und zu großen Tropfen erstarren.

Postkartenmotive

Farbstreifen mit einem materialhaften Eigenleben außerhalb des eigentlichen Bildobjekts liefert der französische Künstler Cédric Teisseire in seinen „sweet pillows“, und auch die auf horizontalen und vertikalen Strukturen vielschichtig aufgebauten Arbeiten aus der Serie „manifolds“ der Dornbirnerin Miriam Prantl weisen über die Bildränder in den Raum hinaus.

Reduziert, konkret-konstruktiv die Werke von Gottfried Honegger, einer klaren Geometrie unterstellt auch die Acrylobjekte von Mikael Fagerlund, während aus Herbert Hamaks Arbeiten das wachsartig gebundene Pigment sanft schimmert.

Petitessen, die keine sind

Mit gefundenem Material wie Landkarten oder den Innenhüllen von LPs arbeiten Michael Kos oder Georg Gaigl, wohingegen der Fotograf Gerhard Klocker mit „Venedig – Lido – 14. April 2011“ mit seiner eigenwilligen Interpretation von Postkartenmotiven aufwartet.

Eine schöne Auswahl aus diversen Fotoserien wie „Crash“ oder „Lost in Paradise“ stammt von David Murray, dessen Inszenierungen sich um Konsum und Kitsch, um Schein und Sein drehen. Dass kleinteilig sehr unterhaltsam ist, und auch im kleinen Format große Würfe möglich sind, beweist die Schau „small pieces“ mit ihrer Vielzahl von Positionen. Die Petitessen, die keine sind, fordern Nähe und damit jene Aufmerksamkeit im Detail, die ihnen auch ihre Schöpfer angedeihen haben lassen.

Bleischuhe des Bildhauers Alfred Haberpointner.  
Bleischuhe des Bildhauers Alfred Haberpointner.  
David Murrays Inszenierungen drehen sich um Konsum und Kitsch, um Schein und Sein.
David Murrays Inszenierungen drehen sich um Konsum und Kitsch, um Schein und Sein.
Silke Hagen beweist bezaubernd trockenen Humor.  
Silke Hagen beweist bezaubernd trockenen Humor.  

Die Ausstellung ist in der Galerie c.art, Marktstraße 45 in Dornbirn, bis 20. Juni geöffnet, Di bis Fr, 9 bis 12 und 15 bis 18 Uhr, Sa, 10 bis 12 Uhr.