Hochzeiten sind immer emotional

Kultur / 15.05.2015 • 20:10 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Lisa ZeidnerDie falsche BrautSuhrkamp Verlag335 Seiten
Lisa Zeidner
Die falsche Braut
Suhrkamp Verlag
335 Seiten

Beim Heiraten krachen meistens die Korken, die US-Autorin Lisa Zeidner dreht den Spieß um.

Romane. Schon auf den ersten Seiten geht die Autorin in ihrem Roman „Die falsche Braut“ mit vollem Elan zur Sache. Die junge Tess lädt in ihrem Geburtshaus zur Hochzeit. Ein Rattenschwanz der New Yorker Gesellschaft, Psychiater, Ärzte und einfach schöne Menschen finden sich ein. Dazu einige Schwarzafrikaner aus dem Tschad, denn ihr Zukünftiger hat einen schwarzen und einen weißen Elternteil.

Dazu kommen noch die Ex-Gattinnen ihres Vaters, inklusive Halbbrüder und Halbschwestern aus dieser nicht ganz ehetauglichen Familie. An sich schon Explosionsstoff genug, nistet sich in diese illustre Gesellschaft ausgerechnet die besagte Terroristin ein, im Brautkleid und mit schwarzen Springerstiefeln.

Hochzeit ohne Kitsch

Sehr geschickt agiert die Autorin, die zum einen der Terroristin genug Respekt verschafft, um einige Zeit das Haus verlassen zu können, ohne dass sich ein Hochzeitsgast wirklich trauen würde, einen realistischen Fluchtplan zu erarbeiten, zum anderen geraten die sehr unterschiedlichen Individuen aneinander. Sehr lustvoll führt sie die Protagonisten ein. Allen voran nimmt Lisa Zeidner die New Yorker Psychiater auf die Schippe. Anders als von Woody Allen gewohnt, lässt sie ihre Figuren nicht nur zappeln, sondern stellt sie im Grunde als Patient ihrer selbst dar. Dementsprechend wird auch Helen, die Mutter von Tess, ausgewählt, eine dezidierte „Nicht-Psychiaterin“, um nun als Sprecherin der Gruppe mit der Geiselnehmerin Kontakt aufzunehmen. Eine schwierige Aufgabe, denn die Motive der Terroristin bleiben lange vernebelt.

Sprachlich ist das Buch einwandfrei. Fast schade, dass doch noch die Polizei auftaucht, der Roman hätte auch ohne Außeneinwirkung mit der zündstoffgeladenen Grenzsituation fertigwerden können. Eines noch: Der Klappentext liest sich wie die Beschreibung eines Rosamunde-Pilcher-Romans, davon sollte man sich aber nicht abschrecken lassen.

Fred vom Jupiter

Leicht enttäuscht kann man von den Memoiren Andreas Doraus sein. Andreas Dorau ist der Mann, der vor rund 30 Jahren mit dem Hit „Fred vom Jupiter“ die Neue Deutsche Welle mitbegründete. Das Lied ist noch in seiner Schulzeit entstanden, die verzerrte Stimme sollte über sein juveniles Alter hinwegtäuschen. Danach absolvierte er in München ein Filmstudium, brachte beachtenswerte Experimentalfilme heraus, eben in der Zeit, als Bernd Eichinger München so sehr erstrahlen ließ, auch sonst war Dorau eigentlich immer ein bunter Fleck auf der deutschen Kulturlandkarte.

Andreas Doraus Erinnerungen sind sehr knapp gehalten, abgesehen davon schafft er es nicht, sich zu öffnen. Zurück bleibt ein gekränkter Prinz, mit ein paar interessanten Filmen und einem Hit, dem „Fred vom Jupiter“.

Andreas DorauÄrger mit der UnsterblichkeitGaliani Verlag185 Seiten
Andreas Dorau
Ärger mit der
Unsterblichkeit
Galiani Verlag
185 Seiten