„Nicht alles anbieten, sondern spezialisieren“

Markt / 15.05.2015 • 19:34 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Mathias Simma fing bei Kaufmann Bausysteme als Hilfsarbeiter an und ist heute Geschäftsführer. Das Unternehmen hat sich auf Module spezialisiert, die fixfertig zur Baustelle geliefert werden. Fotos: VN/Hartinger
Mathias Simma fing bei Kaufmann Bausysteme als Hilfsarbeiter an und ist heute Geschäftsführer. Das Unternehmen hat sich auf Module spezialisiert, die fixfertig zur Baustelle geliefert werden. Fotos: VN/Hartinger

Reuthe. Mathias Simma leitet die Geschicke bei Kaufmann Bausysteme und stemmt mit seinem Team Großprojekte von Frankfurt bis Mailand. Im Interview spricht er über die Wirtschaftlichkeit von Holz, und wieso jeder eine Nische braucht.

Sie haben gerade den Österreich-Pavillon auf der Expo Mailand fertiggestellt. Welche Bedeutung haben solche Prestigeprojekte?

Simma: Solch ein Projekt ist natürlich sehr interessant. Einerseits, weil es ein Prestigeobjekt ist, und andererseits, weil es immer mit hohen Herausforderungen verbunden ist. Beim Expo-Pavillon war es die Terminsituation. Der Zeitrahmen war nur fünf Monate, also ein relativ kurzfristiger Termin. Zum Glück hatten wir aber einen zuverlässigen Netzwerkpartner, der viel organisiert hat.

Sie bauen Wohnanlagen, sind spezialisiert auf Modulbau und Hochregale aus Holz. Welche Grenzen hat Holz bezüglich seiner Dimensionen?

Simma: Aktuell bauen wir eine Wohnanlage in Graz mit sechs Geschoßen. Wir haben schon Hochregallager mit 32 Metern Höhe gebaut. Die Frage ist aber nicht, wie hoch man mit Holz bauen kann, sondern wie lange es wirtschaftlich ist. Derzeit gehen wir beim Hochregallager von einer Höhe bis zu 30 bis 32 Metern aus.

Ihr Aktionsradius reicht weit über die Grenzen. Ist Vorarlberg noch zu klein dimensioniert, was Bauen mit Holz anlangt?

Simma: Salzburg ist immer noch ein Vorreiter, die aktuelle OIB-Richtlinie wird dort noch nicht 100-prozentig umgesetzt. Dadurch konnten wir das Seniorenheim Hallein bauen mit zwei Geschoßen in Beton und zwei Geschoßen in Holz. Letztlich sind die Richtlinien und Normen entscheidend. Ich denke, jeder Planer und Bauherr muss sich neue Wege suchen, die auch in Vorarlberg einen mehrgeschoßigen Wohnbau zulassen. Man darf hier nicht nur der Politik oder Behörden die Schuld geben. Es gibt immer Möglichkeiten. Da muss sich schon auch der Holzbau wenden. Es gibt beispielsweise im Brandschutz viele Möglichkeiten, bei denen man Kompensationsmaßnahmen machen kann, zum Beispiel andere Fluchtwegslängen.

Sie bauen aber nicht nur mit Holz, sondern verwenden auch andere Materialien. Hat das wirtschaftliche Gründe?

Simma: Ja und nein. Wir kommen aus dem Holzbau heraus, haben eine lange Geschichte. Nur sehen wir den Baustoff Holz in Verbindung mit Stahl oder Beton. Diese Kombination ist kongenial. Es wäre falsch, wenn man sich nur auf einen Baustoff konzentriert und die anderen ausklammert. Der Markt fordert das auch.

Was unterscheidet Ihre Bausysteme vom üblichen Holzbau?

Simma: Wir haben kein fixfertiges System, das umgesetzt wird, ob es der Markt will oder nicht. Wir sehen Bausysteme als Entwicklung an. Es gibt mehrere Systeme, die zusammen mit Architekten und Bauherren initiiert werden. Die Herausforderung an uns ist, wie kann man das so umsetzen, dass es wirtschaftlich ist. Wir haben aktuell unser Modulsystem, wir haben fürs Hochregallager zwei Systeme. Innovation ist daher bei uns sehr groß geschrieben. An jedem Tag, an dem wir nichts entwickeln, machen wir einen Rückschritt.

Kaufmann ist in Bereiche vorgedrungen, die eigentlich dem Stahlbau vorbehalten waren.

Simma: Wir waren kürzlich auf der Intralogistikmesse LogiMAT in Stuttgart und haben gleich am ersten Tag den Preis für die beste Messeneuheit bekommen. Da waren unsere Mitbewerber aus dem Stahlbereich oder auch Besucher natürlich überrascht, dass Holz der Werkstoff ist. Jetzt haben wir gerade unser erstes Kleinteilelager aus Dreischichtplatten mit 18 Metern Höhe in Liechtenstein gebaut. Es funktioniert und ist eine komplett neue Innovation. Wegen der Messe sind wir überhäuft worden mit Anfragen.

Welche Innovationen schweben Ihnen noch vor?

Simma: Derzeit arbeiten wir an der Weiterentwicklung des Modulbaus, weil dafür jetzt der Markt da ist. Speziell für vorgefertigte Zimmermodule. Wir haben auch aktuell einen Großauftrag aus Deutschland. Gerade im Bereich Brand- und Schallschutz wird es sicher Weiterentwicklungen geben. Zudem wird es ein System für Europaletten geben.

Dem Holzbau ging es wirtschaftlich schon besser. Woran liegt es?

Simma: Einerseits ist es die Preissituation im Holzbau, andererseits sind die Investitionen im Gewerbebau zurückhaltend. Wir erleben genau das Gegenteil. Wir werden heuer eine Umsatzsteigerung von 60 Prozent haben. Letztlich muss sich aber jeder, egal ob im Holzbau oder in anderen Bereichen, spezialisieren. Es ist an der Zeit, dass man nicht alles anbietet, sondern sich einen Spezialbereich sucht. Wir bieten schon auch den konventionellen Hallenbau an, aber mit Modulbau und Hochregallager haben wir Spezialgebiete, bei denen wir nicht jeden Zimmermann als Konkurrent haben.

Wir haben viele Anfragen und ein gutes Netzwerk an Partnern. So können wir Spitzen abdecken.

Dieses Seniorenheim wurde in Modulbauweise errichtet. Die Zeitersparnis betrug deshalb gut ein Jahr.
Dieses Seniorenheim wurde in Modulbauweise errichtet. Die Zeitersparnis betrug deshalb gut ein Jahr.

Kennzahlen

Kaufmann Bausysteme GmbH

» Geschäftsführung: Mathias Simma

» Gesellschafter: Anton Kaufmann (Anteil: 55 %), Christian Kaufmann (15 %), Mayr-Melnhof Kaufmann Holding GmbH (15 %), Mathias Simma (15 %)

» Mitarbeiter: 18

» Umsatz: 2014: 15 Mill. Euro, 2015 Prognose: 24 Mill. Euro

Zur Person

Mathias Simma

Geschäftsführer und 15-Prozent-Gesellschafter der Kaufmann Bausysteme GmbH in Reuthe

Geboren: 3.2.1979

Ausbildung: Volksschule, Hauptschule, Gymnasium

Laufbahn: Start bei Kaufmann Bausysteme als Hilfsarbeiter in der Fertigung; nebenberuflich Architekturstudium in Liechtenstein; Tätigkeit im Büro als Projektleiter; Baumeister- und Zimmermeister-Ausbildung; heute Geschäftsführer der Kaufmann Bausysteme

Familie: verlobt, eine Tochter