Perfekte Illusion nach der Brust-OP

Gesund / 15.05.2015 • 11:48 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Plastische Chirurgen holen Promi-Tätowierer aus Los Angeles an Grazer Uniklinikum. 

Graz. Nach einer Brustkrebs-Operation ist für viele Frauen der Wiederaufbau der Brust wichtig für ihr Selbstwertgefühl. Dazu gehört auch die Nachbildung der Brustwarzen. Wurden diese bisher auf chirurgischem Weg mit körpereigenem Gewebe rekonstruiert, setzen Plastische Chirurgen am Grazer LKH-Universitätsklinikum nun auf Tattoos.

Zu seinem Berufsalltag gehört es, Drachen, Tiger und Adler unter die Haut zu stechen: Dem vor über 20 Jahren aus der Steiermark in die USA ausgewanderten Tätowierer Mario Barth haben sich schon Promis wie Sylvester Stallone, Pamela Anderson oder Lenny Kravitz unter die Nadel gelegt. Seit rund fünf Jahren setzt er seine Kunstfertigkeit auch bei ehemaligen Brustkrebspatientinnen ein, um der rekonstruierten Brust den letzten Schliff zu geben. Mit verschiedenen Brauntönen versucht er, die Illusion einer echten Brustwarze wiederherzustellen.

90 Prozent

Früh genug erkannt, lässt sich Brustkrebs zwar gut bekämpfen, aber oft um den Preis einer Brustamputation. Von den 90 Brustrekonstruktionen pro Jahr, die an der Klinischen Abteilung für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie am Klinikum durchgeführt werden, sei bei mehr als 90 Prozent auch das Wiederherstellen der Brustwarzen erforderlich, schilderte Abteilungsleiter Lars-Peter Kamolz.

Der Brustwarzenhof könne mit Teilen der gesunden Brustwarze oder mit einem Hauttransplantat aus der Leiste, wo die Hautfarbe dunkler ist, rekonstruiert werden. „In manchen Fällen muss man etwas abseits der normalen Wege gehen, um ein befriedigendes Ergebnis zu erzielen – und da kommt dann die Tätowierung zum Einsatz“, sagt Kamolz. Rund eine Stunde benötigt der Tätowierer, der laut eigenen Angaben in seinem Studio in Las Vegas in den vergangenen fünf Jahren mehr als 5000 Brustwarzen-Tattoos angefertigt hat.

„Die Ergebnisse, die Barth erzielt, wären aus unseren Händen nicht möglich“, meint der Grazer Plastische Chirurg Thomas Rappl. Derzeit werde die Brustwarzentätowierung kostenlos im Rahmen einer Studie angeboten. Geplant sei, den Auslandssteirer alle sechs Wochen an das Universitätsklinikum zu holen.