Richtig „Nein“ sagen

Markt / 15.05.2015 • 11:50 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
„Nein“ sagen im Job fällt vielen Arbeitnehmern sehr schwer.
„Nein“ sagen im Job fällt vielen Arbeitnehmern sehr schwer.

„Nein“ richtig formulieren verlangt im Beruf eine Menge diplomatisches Geschick.

PERSÖNLICHKEIT. Es sind lediglich vier Buchstaben. Diese jedoch auszusprechen fällt gerade im Job ganz besonders schwer. Die Gründe, warum gerade das Nein bleischwer auf der Zunge liegen bleibt, ist die Angst, dass die Ablehnung einer Arbeit oder einer Erledigung als Schwäche ausgelegt werden könnte. Es ist jedoch umgekehrt. Vielmehr wird ein Nein auch als souverän empfunden und stärkt daher sogar die Position im Team. Experten sind sich zudem einig, dass Menschen, die in die Gefälligkeitsfalle tappen und zu allem Ja und Amen sagen, die Karriereleiter deutlich langsamer hinaufklettern. Doch Vorsicht: Diese Erkenntnis ist kein Freibrief, zu allem und immer Nein zu sagen. Denn die Lösung liegt oft auch in einem Kompromiss. Ein Beispiel: Ja, ich übernehme die zusätzliche Aufgabe, dafür darf ich am Freitag aber zwei Stunden früher nach Hause. Geschicktes Verhandeln stärkt auch das Ego, man fühlt sich nicht ausgenutzt und muss auch keine Angst haben, bei Kollegen als unkooperativ zu gelten. Was sich hier so einfach liest, ist im realen Arbeitsleben jedoch nur schwer umzusetzen. Nicht umsonst ergab eine Umfrage unter 1000 Arbeitnehmern, dass 81 Prozent zu oft Ja sagen und sich darüber auch noch selbst ärgern.

Nein zum Chef

Ganz besonders schwer fällt ein Nein gegenüber dem Chef. In den meisten Fällen geht es dabei laut Arbeiterkammer um Überstunden. Ein Tipp: Gut formuliert wird ein „Nein“ leichter akzeptiert. Verschaffen Sie sich Zeit, eine gute Begründung zu formulieren, etwa so: „Ich fühle mich im Moment überrumpelt. Geben Sie mir bitte zehn Minuten.“ Einfühlungsvermögen entschärft manche Situation – und manches Nein. „Es tut mir leid, dass Sie in Zeitstress sind. Dennoch kann ich heute nicht aushelfen, weil . . .“ wäre eine mögliche Antwort.

Tipps zum Nein-Sagen

» Alternativen anbieten: „Ich habe leider nicht die Zeit, mich mit an den Stand zu stellen. Aber ich könnte helfen, die Dekoration vorzubereiten.“

» Folgen verdeutlichen: „Danke, dass Sie mir so viel Vertrauen entgegenbringen. Aber ich habe bereits mehrere laufende Projekte, um die ich mich kümmern muss. Wenn ich diese Aufgabe zusätzlich übernehme, wird sich der Abgabetermin von Projekt X nach hinten verschieben müssen.“

» Dramatisieren: „Ich bin zurzeit enorm eingespannt, so dass ich diesem Projekt nicht die Aufmerksamkeit widmen kann, die es verdient hätte. Das würde dem Ergebnis schaden.“

» Spiegeln: „Ich kann dir da wirklich nicht helfen. Der Chef hat dir die Aufgabe und Verantwortung übertragen. Er hat sich sicher was dabei gedacht.“

» Konsequent bleiben: „Ich fühle mich geschmeichelt, aber die Wochenenden gehören meiner Familie.“