„Schuss ins eigene Knie“

Vorarlberg / 15.05.2015 • 19:22 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Experte Wolfgang Amann will Baugrund-käufer in Tourismusgemeinden zum Hauptwohnsitz verpflichten.

Schwarzach. (VN-mip) Wohnen wird immer teurer, da sind sich alle einig. Leistbares Wohnen gilt seit Jahren als sicheres Thema bei Wahlauseinandersetzungen. Die Lösungsansätze sind vielseitig: Manche wollen der Baugrundhortung den Kampf ansagen, andere den sozialen Wohnbau forcieren. Alpine Dörfer haben von Natur aus weniger bebaubare Fläche zur Verfügung.

Dass überproportional viele Zweitwohnsitze in Tourismusgemeinden zu finden sind, verschärft das Problem. Laut Wolfgang Amann vom Institut für Immobilien, Bauen und Wohnen (iibw) in Wien gibt es dafür eine Lösung: Die Verpflichtung zum Hauptwohnsitz.

Das Problem der Überzahl der Ferienwohnsitze sei zwar vor allem in Tirol zu erkennen, allerdings würde es auch in Vorarlberg immer größer. Denn: Die Bodenreserven in den Gemeinden werden langsam aufgebraucht. „So wird es für den Normalbürger immer schwieriger, ein Grundstück zu finden, wenn er nichts erbt“, erklärt Amann. Als Maßnahme schlägt er vor, Zuwanderer, die ein Grundstück kaufen, zu verpflichten, den Hauptwohnsitz in die betroffene Gemeinde zu verlegen.

Verdichtete Bauweise

Ein weiterer Vorschlag des Wohnbauexperten betrifft den sozialen Wohnbau. Gemeinden könnten Grundstücke nur mehr dann in Bauland umwidmen, wenn zum Beispiel ein Drittel der Wohnungen für gemeinnützige Wohnungen zur Verfügung steht. Auch ein Zwang zur verdichteten Bauweise könnte in solchen Baulandverträgen festgeschrieben werden. Amann nimmt die Gemeinden in die Pflicht: „Die Möglichkeit gibt es, man muss sie nur anwenden.“ Jedenfalls soll laut Amann etwas geschehen, denn „es ist ja ein Schuss ins eigene Knie, wenn sich der Polizist oder die Kindergärtnerin keine Wohnung mehr leisten können.“

Eine weitere Auswirkung der Zunahme von Ferienwohnungen – in diesem Fall Ferienhäusern – ist laut Amann die Zersiedelung der Gemeinden. „Ich war schockiert, als ich vor kurzem Damüls sah. Eine unvorstellbare Zersiedelung. Es ist nicht gut, wenn aus jedem Tenn ein Appartement wird.“ Langfristig habe dies massive negative Auswirkungen: „Die Natur und die Landwirtschaft werden immer weiter zurückgedrängt. Außerdem ist es schlecht für die Ortsgemeinschaft.“ Denn Vereine bräuchten Kompaktheit. Und für die Integration von Neuankömmlingen sind Vereine unerlässlich.

Das Instrument der Zweitwohnsitzabgabe bezeichnet Wolfgang Amann als nur
mittelmäßig wirksam. Die
betroffenen Gemeinden heben derzeit eine Abgabe von teilweise mehr als 1000 Euro pro Jahr und Zweitwohnung ein.

Eine negative Auswirkung ist die Zersiedelung der Gemeinden

Dr. Wolfgang Amann