Volkspartei und „Gemeinsame Schule“

Leserbriefe / 15.05.2015 • 18:28 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Die folgende Begebenheit zeigt, dass die Begeisterung der Politik für die „Gemeinsame Schule“ vom Volk überhaupt nicht geteilt wird: Im Jahr 2004 erreichte die CDU, die deutsche Schwesterpartei der ÖVP, bei den Wahlen zum Hamburger Landtag die absolute Mehrheit. 2008 landete sie bei 42,6 % und schloss ein Bündnis mit den Grünen. Diese forderten als Koalitionsbedingung die „Gemeinsame Schule“. Die Forderung wurde ins Regierungsprogramm aufgenommen und von allen im Landtag vertretenen Parteien unterstützt. Genau dieselbe Konstellation finden wir ja auch in Vorarlberg. Wie aber ging es in Hamburg weiter? Im Volk regte sich Unmut. Weshalb sollte man das erfolgreiche differenzierte Schulsystem, das den unterschiedlichen Begabungen der Kinder Rechnung trägt, zerschlagen, weshalb bunte Vielfalt durch erzwun­gene Einheit ersetzen, weshalb unnötige Verunsicherung durch mutwillige Experimente schaffen? Eine Bürgerinitiative erzwang eine Volksabstimmung, bei der – ganz entgegen der Linie der Parteien – fast zwei Drittel des Volkes für das bestehende differenzierte Schulsystem mit dem achtjährigen Gymnasium votierten. Dieses ist seitdem von der Politik unangefochten, während die schwarz-grüne Koalition zerbrach. Bei den Neuwahlen 2011 stürzten die Schwarzen auf 21,9 % ab, im Frühjahr 2015 auf 16 %! Eine Nachwahlbefragung ergab, dass man nicht mehr wisse, wofür die CDU eigentlich stehe. Genau das weiß man bei der ÖVP auch nicht mehr.

Mag. Wilfried Hämmerle,
Martin-Kink-Straße 40,
Lustenau