Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Vom Umgang im Bregenzerwald

Kultur / 15.05.2015 • 18:59 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Wenn man früher, als ich noch jung war, im Bregenzerwald von einem „Umgang“ gesprochen hat, dann war üblicherweise ein kirchlicher Anlass, nämlich eine Prozession, gemeint, ein „Umgang über die Felder“ etwa, so wie wir das vereinzelt auch wieder am vergangenen Feiertag bei der sogenannten Öschprozession erleben konnten. Von solchem Umgang abgeleitet ist wohl auch das neueste Projekt von Bregenzerwald Tourismus. Im „Umgang Bregenzerwald“ werden Wege durch dreizehn Dörfer vorgeschlagen, auf denen man viel über die Talschaft erfahren kann. Und nicht zuletzt meint man mit dem „Umgang“ wohl auch den Umgang, die Wertschätzung mit den bzw. der Sachen.

Für die Wege braucht man aber keine Landkarte – das wäre den Wäldern wohl zu einfach. Man folgt vielmehr schlanken Säulen aus rostigem Eisen, entworfen vom Bregenzerwälder Architekt Georg Bechter. Wenn man auf diesen Säulen einen Knopf drückt und durch ein Guckloch schaut, dann geht einem buchstäblich ein Licht auf. Es erscheint eine Zeichnung mit meist einem Gebäude oder einem Objekt, vor dem man sich gerade befindet. In einem kurzen Text wird dann eine Frage zu dem, was man da sieht, gestellt. Manche können diese Frage wohl aus dem Stegreif beantworten, die meisten aber werden sich wohl des „Umgang Bregenzerwald“-Folders bedienen, in dem man nicht nur die Antwort, sondern noch mehr Wissenswertes findet. Und wenn jemand noch mehr wissen will, wenn er etwas über Tradition ebenso wie Moderne im Wald, über Sprache, Dichtung, Architektur, über Handwerk oder Gasthäuser oder sogar über die Art des Denkens der Wälderinnen und Wälder wissen will, dann kann er das besonders schön gemachte Buch „Umgang Bregenzerwald“ des Tourismusverbandes zur Hand nehmen und sich einerseits informieren und andererseits auch unterhalten.

„Umgang Bregenzerwald“ ist, so meine ich, ein besonders intelligentes touristisches Produkt, weil es schlicht dazu anhält, sich mit der Region zu beschäftigen. Übrigens nicht nur die Gäste, meist sind es auch Einheimische, die nicht immer ganz sicher wissen, weshalb das eine so und das andere so ist. Hier gibt es Hilfestellung in bester Form. Und dazu noch die Anregung, durch die dreizehn Dörfer zu gehen und so einen erheblichen Teil des Bregenzerwaldes kennenzulernen. Ich jedenfalls habe damit schon einen erheblichen Teil meines Sommerprogramms gefunden.

Für die Wege braucht man aber keine Landkarte. Man folgt vielmehr schlanken Säulen aus rostigem Eisen.

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.