Die Belohnung hintan gestellt

Sport / 17.05.2015 • 21:47 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Altacher Jubeltraube und ein „Überflieger“, Louis-Clement Ngwat-Mahop, im Anflug. Am Ende wurde ein Sieg über Fastmeister Salzburg knapp verpasst. Fotos: gepa/3
Altacher Jubeltraube und ein „Überflieger“, Louis-Clement Ngwat-Mahop, im Anflug. Am Ende wurde ein Sieg über Fastmeister Salzburg knapp verpasst. Fotos: gepa/3

Cashpoint Altach krönt starken Auftritt gegen RB Salzburg nur mit einem Punkt (2:2).

Altach. Der Trainer sprach von einem „sehr guten Bundesligaspiel“, Doppeltorschütze Hannes Aigner von einem „lässigen Match“. Bitter allein, dass sich Cashpoint SCR Altach im fünften Saisonduell (Liga und Cup) mit den Bullen aus Salzburg nicht mit einem Sieg belohnte. Den Ausgleich zum 2:2-Enstand kassierte die Elf von Damir Canadi nämlich in Überzahl, nach einer Standardsituation. Ein Freistoßball von Marcel Sabitzer fand via Aufsetzer den Weg ins Tor (87.). „Ich habe den Ball zu spät gesehen“, sollte Torhüter Martin Kobras nach Schlusspfiff die Situation beschreiben, wohlwissend, dass er den Gegentreffer auf die eigene Kappe nehmen musste. Dabei hatte er nicht nur bis zu diesem Zeitpunkt eine ganz starke Leistung gezeigt und auch in der Nachspielzeit gegen den eingewechselten Takumi Minamino noch den einen Punkt festgehalten (91.).

Aigner „man of the match“

Der Mann des Spiels aber war ein anderer, nämlich Altachs Hannes Aigner. Zwei Treffer, ein weiteres Tor aufgrund einer Fehlentscheidung (Abseits) nicht gegeben (45.), daneben „beackerte“ der Kapitän die gegnerische Hintermannschaft und trieb seine Mitspieler lautstark an. Dass die Altacher die Partie praktisch mit 0:1 begonnen hatten, trug zudem zum Spannungsgehalt der 90 Minuten bei. Ganze 25 Sekunden waren gespielt, da zappelte der Ball nach einer Direktabnahme von Valon Berisha schon im SCRA-Tornetz. Nach dem Anspiel hatten die Altacher ganz einfach auf Salzburg-Verteidiger Benno Schmitz vergessen. Dessen ideale Flanke sollte zum bislang schnellsten Gegentreffer der Altacher in der Bundesliga führen. „Ich bin jetzt 15 Jahre im Trainergeschäft, aber das ist mir noch nie passiert. Auch nicht im Amateurbereich“, konnte Coach Damir Canadi sogar ein wenig darüber schmunzeln.

Gut zehn Minuten brauchte Altach, um den Schock zu verdauen. Aber selbst in dieser kritischen Phase wurde die Ordnung nie verloren, blieb man dem eigenen Spielplan treu und kämpfte sich mehr und mehr in die Partie. Eine Energieleistung von Louis-Clement Ngwat-Mahop sollte schließlich die Initialzündung für eine fast perfekte Aufholjagd werden. Dass Aigner (34) den Ball am Ende des Spielzuges nicht unter Kontrolle brachte, sollte vorerst noch Glück für Salzburg bedeuten, denn in weiterer Folge schlug der Torjäger gleich doppelt zu – und stockte sein Tore-Saisonkonto auf zwölf auf. Damit durfte sich der Routinier zu einer neuen persönlichen Bundesliga-Rekordmarke gratulieren lassen.

Ausgangspunkt des ersten Aigner-Tores war eine missglückte Kopfball-Rückgabe von Salzburgs Ramalho, der damit Torhüter Peter Gulasci zu einer Parade zwang. Den folgenden Eckball wuchtete Aigner am Fünfereck per Kopf in die Maschen (28.). Die Hausherren kontrollierten zu diesem Zeitpunkt bereits das Geschehen auf dem Spielfeld, dank einer perfekten Raumaufteilung, eines großen Laufpensums und guten Kombinationspiels.

Déjà-vu-Erlebnis

Fast zu einer Kopie der Startminute kam es nach Wiederanpfiff. Gerade einmal 20 Sekunden waren gespielt, als Naby Keita ideal auf Valentino Lazaro spielte, dessen Schuss aber von Kobras entschärft wurde. Es folgten hart umkämpfte Minuten und zwei strittige Strafraumszenen. So gab es keinen Elfmeter, als Schmitz die Hand draußen hatte und einen Flankenball von Ngwat-Mahop blockierte. Als zu nahe am Mann bewertete SR Manuel Schüttengruber die Aktion (54.). Nur wenig später entschied er auf Strafstoß – und lag falsch (73.). Zwar war es zwischen Patrick Seeger, der sich den Ball wunderbar mitgenommen hatte, und Martin Hinteregger zu einer Berührung gekommen, doch Altachs Spieler hatte das Bein des Salzburgers getroffen. „Ich habe bewusst das Tempo rausgenommen und wollte schießen“, analysierte Seeger die Szene und meinte: „Jeder Schiedsrichter gibt den Elfer nicht, auch wenn ein Kontakt da war.“ Den Strafstoß verwertete Aigner zum 2:1. Am Ende sollte es nicht zum Sieg reichen. „Natürlich ist es im ersten Moment bitter. Wenn man sieht, wie wir zurückgekommen sind, wie jeder für jeden da ist, dann darf man stolz sein. Uns geht jedenfalls die Luft nicht aus“, sagte Seeger. In die gleiche Kerbe schlug auch Kobras: „Klar hätten wir lieber gewonnen. Aber wichtiger ist die Leistung und die war sehr gut.“ Das bestätigte auch Aigner: „Wir haben sehr schnell sehr gut reagiert. Das zeigt den Charakter dieser Mannschaft.“

Martin Hinteregger ist beim „Elferfoul“ schon vorne.
Martin Hinteregger ist beim „Elferfoul“ schon vorne.
SR Manuel Schüttengruber zeigt Rot gegen Hinteregger.
SR Manuel Schüttengruber zeigt Rot gegen Hinteregger.
Ein Musterbeispiel an Wille: SCRA-Torjäger Hannes Aigner, der sich besonders darüber freute, dass der Funke auf das Publikum übergesprungen ist. Foto: gepa
Ein Musterbeispiel an Wille: SCRA-Torjäger Hannes Aigner, der sich besonders darüber freute, dass der Funke auf das Publikum übergesprungen ist. Foto: gepa

Fußball – tipico Bundesliga 2014/15

33. Spieltag

Cashpoint SCR Altach – FC RB Salzburg 2:2 (1:1)

Cashpoint Arena, 6017 Zuschauer, SR Schüttengruber (Oö)

Torfolge: 1. 0:1 Berisha, 28. 1:1 Aigner (Kopfball), 75. 2:1 Aigner (Foulelfmeter), 87. 2:2 Sabitzer (Freistoß)

Gelbe Karten: 51. Bodul (Altach/Unsportlichkeit), 70. Ortiz (Altach/SR-Kritik), 80. Seeger (Altach/Foulspiel)

Rote Karte: 74. Hinteregger (Salzburg/Torraub)

Cashpoint SCR Altach (4-4-2): Kobras/3; Lienhart/3, Ortiz/2, Zwischenbrugger/2, Zech/2; Ngwat-Mahop/2 (88. Riverola/0), Jäger/3, Roth/3, Tajouri/2 (82. Schreiner/0); Bodul/3 (64. Seeger/0), Aigner/1

FC RB Salzburg (4-4-2): Gulasci/3; Schmitz/3, Ilsanker/3, Hinteregger/3, Ulmer/3; Lazaro/3 (68. Minamino/0), Ramalho/3, Keita/2, Berisha/2; Djuricin/4 (68. Quaschner/0), Sabitzer/2

Notenschlüssel: Nach dem Schulnotensystem, von 1 (sehr) bis 5 (nicht genügend). 0 = zu kurz eingesetzt