Obama und Shakespeare in Oberbayern

Politik / 17.05.2015 • 22:32 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

US-Präsident Barack Obama freut sich schon auf Oberbayern. In drei Wochen findet auf Schloss Elmau bei Garmisch-Partenkirchen das nächste Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der sieben wichtigsten Industrienationen der Welt statt. Viele Menschen in Europa freuen sich weniger. Denn die Tagesordnung des Krisenpalavers rund um Ukraine, Islamo-Terroristen, den bösen Onkel in Moskau und US-Handelswünsche an den Rest der Welt verspricht wieder einmal ein Shakespeareskes Resultat: Viel Lärm um nichts. Denn das wirklich wichtige Thema, wie es die USA mit der Partnerschaft halten, wird einfach ausgeblendet. Weil die Washingtoner Regierung von Gleichberechtigung der Staatengemeinschaft wenig hält, sie die übrigen „Freunde und Verbündeten“ weiter als kuschende Befehlsempfänger behandelt und widerspruchslosen Gehorsam und Gefolgschaft verlangt.

Aktuelles Beispiel: Die US-Spionageorganisation NSA zwingt europäische Geheimdienste, eigene Bürger und Institutionen zu überwachen und auszuforschen, zugunsten des „großen Bruders“ umfassend Industriespionage in den (europäischen) Ländern zu betreiben, die Ergebnisse brühwarm an die amerikanischen Freunde weiterzuleiten, und das schändliche Treiben vor den eigenen Regierungen, Parlamenten und der Öffentlichkeit geheim zu halten. Und für den Fall, dass die europäischen Geheimdiensthandlanger, Regierungen oder Parlamente die erzwungenen Gesetzesbrüche zugeben oder sonstwie bekanntmachen, soll es offiziell angedrohte Hiebe geben: Dann wollen die amerikanischen Datenräuber eigene Geheimdiensterkenntnisse über mögliche Terrorplanungen in Europa zurückhalten.

Wie bitte? Das muss man Erpressung und kolonialen Hochmut nennen. Es hat mit gleichberechtigter Partnerschaft nichts zu tun und schreit nach europäischer Emanzipation mit Rückgrat. Etwa nach einem „So geht das aber nicht“ einer deutschen Kanzlerin, dem dann aber auch Taten folgen müssten. So nach der Art: So könnt ihr Amerikaner mit uns nicht umgehen. Lasst den Unsinn der Industriespionage und der Überwachung unserer eigenen Leute. Hört mit dem Erpressen auf, und benehmt euch endlich wie Partner und Freunde.

Das alles könnten die Gipfelstürmer dem Kollegen Obama bei der G7-Konferenz in Elmau mitteilen. Was aber leider und mit Sicherheit nicht passieren wird. Und falls der Amerikaner uneinsichtig bleibt, könnten die Europäer drohen: Dann machen wir eben auf Gleichberechtigung, wir schmeißen alle eure Spione raus, wir liefern euch nur noch Geheimdiensterkenntnisse zur Terrorabwehr und treiben bei euch Industriespionage wie ihr bei uns. Aber dazu sind europäische Gipfelstürmer mit Stockholm-Syndrom einfach nicht fähig. Und das ist mehr als schlimm.

Krisenpalaver um Ukraine, Islamo-Terroristen und den bösen Onkel in Moskau.

Peter W. Schroeder, Washington