„Seit 2011 geht der Zuwachs an Normen deutlich zurück“

Markt / 17.05.2015 • 19:51 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Vorschläge, welche Baunormen eingespart werden können, sind in Prüfung. Symbolfoto: VN/Hartinger
Vorschläge, welche Baunormen eingespart werden können, sind in Prüfung. Symbolfoto: VN/Hartinger

„Austrian Standards“ reagiert auf Kritik und greift Vorarlberger Vorschläge auf.

Schwarzach. Als Elisabeth Stampfl-Blaha, Managing Director bei „Austrian Standards“, im vergangenen Jahr in Vorarlberg weilte, musste sie sich einiges anhören. Und sie hat gut zugehört, denn nun berichtet die Chefin des Österreichischen Normungsinstitutes, das sich 2009 den neuen Namen gegeben hat, davon, dass Vorschläge aus Vorarlberg auf fruchtbaren Boden fielen. „Wir greifen den Vorschlag des damaligen Spartenobmanns Industrie der Wirtschaftskammer Vorarlberg, Christoph Hinteregger, auf und schlagen vor, dass sich Unternehmen sparten- und innungsübergreifend überlegen, wie sie ein Normungsmanagement entwickeln können, um ihre Kräfte zu bündeln.“ So könnte auf dieser Ebene überlegt werden, wer die Interessen in nationalen, europäischen oder internationalen Komitees am besten vertreten könnte, welche Norm-Projekte man initiieren wolle und welche Stellungnahmen man bei Norm-Projekten in Bezug auf den Sinn, den sie haben sollen, abgeben wolle, so Stampfl-Blaha gegenüber den VN.

Der Einwand Hintereggers, „Experten müssen dorthin entsendet werden, wo die Musi spielt, also nach Europa“, hat die Normen-Managerin zur Recherche veranlasst. „Wir haben die aktuellen Zahlen erhoben: In 90 Prozent der Komitees bei ISO und in 85 Prozent der Komitees bei CEN sind österreichische Fachleute vertreten.“

Die von der Wirtschaft oft kritisierte „Normenflut“ sei ein Mythos: „Seit 2011 geht der Zuwachs an Normen deutlich zurück. Im letzten Jahr belief sich der Nettozuwachs an Ö-Normen auf lediglich 262 Stück“, relativiert Stampfl-Blaha. Dies deshalb, weil das europäische Normenwerk (90 Prozent der Normen sind europäischen und/oder internationalen Ursprungs) mittlerweile einen hohen Reifegrad erreicht habe. In neu hinzukommenden Normen werden zumeist neue Themenfelder geregelt. So wurde z. B. ein europäisches Norm-Projekt zur Sicherheit von E-Zigaretten angeregt. Aktuell sind es aber rund 24.000 Normen, die den  Stand der Technik für Produkte und Dienstleistungen in Österreich definieren.

„Ein Tausendstel“

Die fundamentalste Kritik musste und muss Austrian Standards von der Wirtschaftskammer Vorarlberg einstecken. Zu Unrecht, ist die Normungsexpertin überzeugt. „Dass Baunormen den Unternehmern 250.000 Euro kosten, wie die WKV behauptet hat, ist falsch. Die tatsächlichen Kosten liegen bei weniger als einem Tausendstel.“ Seit Jänner 2015 bietet Austrian Standards in Kooperation mit der Bundesinnung Bau ein bundesweit gültiges meinNormenPaket an: „Damit sind 200 Normen zum Pauschalpreis von 230 Euro erhältlich.“

Genormt werden soll nur dort, wo es für alle Sinn macht.

DDr. Elisabeth Stampfl-Blaha

Das ist die Norm

» „meinNormenRadar“ – mit Rechtsinformationssystem des Bundes, Vorschau auf Aktualisierungen, Möglichkeiten zur Stellungnahme.

» Europa-Normen-Info: www.austrian-standards.at/ueber-normen/komitees-kontakte/