Christian Adam

Kommentar

Christian Adam

Selbstkritik als wichtige Tugend

Sport / 17.05.2015 • 21:47 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Martin Hinteregger und Manuel Schüttengruber werden wohl keine Freunde mehr. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass der 31-jährige FIFA-Schiedsrichter den ÖFB-Teamspieler im Dress von Salzburg in dieser Saison schon zum dritten Mal des Platzes verwiesen hat. Gleich zwei Mal – Pokal (0:4) und Meisterschaft (2:2) – passierte es in der Altacher Cashpoint Arena. Beide Male unberechtigterweise. Nach dem Cupspiel hatte Altachs Hannes Aigner einen Faustschlag des 22-Jährigen gegen seine Person verneint und auch Patrick Seeger sprach keinesfalls von einem klaren Elferfoul. Allein der Unparteiische zeigte sich selbst nach Spielschluss und Zeitlupenstudium uneinsichtig.

Selbstkritik scheint für einige der heimischen Schiedsrichter somit weiter keine erstrebenswerte Tugend zu sein. Dabei wird der Begriff doch allgemein als eine wichtige Charaktereigenschaft bezeichnet, die Personen befähigt, Gutes zu verwirklichen.

Ein kleiner Blick über den Tellerrand hinaus hätte genügt, um die Fehlentscheidung von Herrn Schüttengruber in einem anderen Licht erscheinen zu lassen. Fehler passieren nun einmal, Fehler auch einzugestehen, zeugt von Größe. Deshalb Hut ab vor der Reaktion von Martin Kobras. Denn Altachs Torhüter hatte aufgrund des haltbaren Gegentors zum 2:2-Endstand sicher schon schönere Momente nach dem Schlusspfiff erlebt. Der 28-Jährige aber fand auch ohne Zeitlupenhilfe klare Worte: „Sicher nicht unhaltbar.“ Selbstkritik ist deshalb keineswegs selbstzerstörerisch, sondern setzt vielmehr Selbstbewusstsein voraus. Auch in dieser Hinsicht sind Spieler und Mannschaft in Altach gewachsen.

christian.adam@vorarlbergernachrichten.at, 05572/501-211