Südkorea verpflichtet Eltern zum Spionieren

Welt / 17.05.2015 • 22:39 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
In Südkorea müssen die Smartphoneaktivitäten von Minderjährigen nun per App überwacht werden.  Foto: AP
In Südkorea müssen die Smartphoneaktivitäten von Minderjährigen nun per App überwacht werden. Foto: AP

Südkorea schreibt Eltern die Onlineüberwachung ihrer Kinder mittels App vor.

seoul. Wenn Jugendliche in Südkorea ihr Smartphone nutzen, sind sie nie ganz für sich. Ihre Eltern können aus der Distanz jederzeit mitlesen und bei Bedarf auch eingreifen. Die Software dafür ist nicht nur legal, sondern neuerdings sogar gesetzlich vorgeschrieben.

Egal wo Lee Chang June gerade ist, er weiß genau, wann sich sein Sohn mal wieder mit Onlinespielen von den Hausaufgaben ablenken lässt. Wenn es ihm zu viel wird, kann er das Spiel einfach blockieren oder das Smartphone seines Sprösslings gleich komplett ausschalten. Das Programm, das ihm diese Kontrolle aus der Ferne ermöglicht, heißt „Smart Sheriff“. Die von der Regierung Südkoreas geförderte App soll Minderjährige vor Pornografie und anderen bedenklichen Inhalten im Internet schützen.

Halbe Million Downloads

Die Möglichkeiten gehen allerdings deutlich weiter. Neben „Smart Sheriff“ ist inzwischen ein gutes Dutzend weiterer Überwachungsprogramme auf dem südkoreanischen Markt. Eltern können auf diese Art sehen, wann und wie lange ihre Kinder welche Programme nutzen und auf welche Internetseiten sie zugreifen. Die Apps sind beliebt; die Zahl der Downloads liegt bereits bei insgesamt einer halben Million. Die Zahl dürfte weiter steigen.

Missbrauchsgefahr

Möglichkeiten, im Dienste des Jugendschutzes Internet-filter einzusetzen, gibt es in vielen Ländern. Dass sie per Gesetz zur Pflicht gemacht werden, ist aber neu, zumindest in der demokratischen Welt. Die Radikalität der neuen Regelung stößt auf scharfe Kritik, bei Datenschützern ebenso wie bei Experten für Internetsicherheit. Juristisch ist die Überwachung umstritten. Sicherheitsexperten warnen zudem vor der Gefahr des Missbrauchs. Die frei verfügbaren Programme könnten schließlich auch zu ganz anderen Zwecken auf fremden Smartphones installiert werden.