Ärztemangel hält nicht nur die Politik auf Trab

Vorarlberg / 18.05.2015 • 20:05 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Debatte um Rückgänge bei der Zahl an Landärzten. VGKK setzt(e) bereits Maßnahmen.

Dornbirn. (VN-tw) Die Lust, eine Landarztpraxis eröffnen zu können, hält sich offenbar immer mehr in Grenzen. Jüngstes Beispiel dafür liefert der hintere Bregenzerwald. Während in der Gemeinde Schoppernau beispielsweise ab Juli eine Medizinerpraxis leer steht und zuvor in Mell­au eine Praxis ihre Pforten schloss, verweisen drei noch verbliebene Ärzte im Gemeindeblatt auf „eine prekäre Situation“.

Notruf als „Alternative“

Darüber hinaus warnen die Mediziner in ihrem zweiseitigen Inserat davor, dass die ärztliche Bereitschaft in der bisherigen Form nicht mehr länger aufrecht erhalten könne.

Außerhalb der Ordinationszeiten solle die betroffene Bevölkerung die Ambulanzen in den Krankenhäusern aufsuchen. Und bei lebensbedrohlichen Siutationen müsse die Notrufnummer 144 gewählt werden. In Schoppernau handelt es sich quasi um einen natürlichen Abgang: Der langjährige Gemeinde- und VGKK-Arzt geht nämlich in Pension. In der Gemeinde hat man sich bislang offenbar erfolglos um einen Nachfolger bemüht. Es habe lediglich Gespräche mit Interessenten gegeben, mehr nicht, bedauert Bürgermeister Walter Beer.

Können Mellauer aufatmen?

In Mellau scheinen sich die Bemühungen der Gemeinde offenbar bereits geohnt zu haben. Eine in der Gemeinde lebende Medizinerin habe sich bereit erklärt eine Praxis zu eröffnen. Was jedoch noch fehlt, sind entsprechende Räumlichkeiten. Dies bestätigt Manfred Brunner als Obmann der VGKK in Dornbirn. Er geht davon aus, dass die Ärztin ihre Praxis 2016 eröffnen wird. „Wir unterstützen die Gemeinden bei der Suche nach Ärzten. Das gilt auch für Schoppernau.“ Dort könnte es allerdings schwieriger werden, einen interessierten Mediziner zu finden, schätzt Brunner.

Die VGKK habe mit Aktionen wie beispielsweise einer Novelle bei den Ärztenhonoraren bereits auf die Gegebenheiten reagiert.

Gespräche mit Ärztekammer

Darüber hinaus würden Gespräche mit der Ärztekammer über „zusätzliche Abgeltungen laufen“. Und zwar für den Fall, dass beim Ausfall eines Landarztes in der Region verbleibende Mediziner dazu bereit seien, dessen Aufgaben zu übernehmen. Auch über „Job-Sharing-Modelle“ werde bereits nachgedacht und mit Vertretern der Ärztekammer verhandelt, erklärt der VGKK-Obmann. Derzeit sei man im Begriff, „gemeinsam an einem Tisch ein solches auszuarbeiten“. In dasselbe Horn stößt Gesundheitslandesrat Christian Bernhard (VP). Die medizinische Versorgung in ländlichen Regionen sei wichtig, es müsse aber auch „transparent und völlig offen auch über neue Modelle nachgedacht werden“.

„Ausgewogenheit ist gefragt“

Das Ganze liege zwar nicht im unmittelbaren Kompetenzbereich des Landes, das Land habe aber naturgemäß „großes Interesse an einer Ausgewogenheit zwischen niedergelassenen Ärzten und den Krankenhäusern“, betonte Bernhard im VN-Gespräch. Dass aber auch beim Land über Ärztestrukturen im ländlichen Raum nachgedacht wird, lässt er durchblicken: „Ich glaube, dass das, was wir uns unter dem niedergelassenen Bereich vorstellen, sich in Zukunft etwas anders darstellen wird.“

Kinz (FP) übt Kritik am Land

„Der Ärztemangel stellt eine Gefährdung der medizinischen Versorgung dar. Die aktuellen Probleme im hinteren Bregenzerwald werden keine Einzelfälle bleiben, und es wird auch die Aufgabe des Landes sein, unterstützend tätig zu werden“, kritisiert Hubert Kinz als Gesundheitssprecher der Freiheitlichen. „Wir haben wiederholt auf die sich nicht zuletzt aufgrund anstehender Ärzte-Pensionierungen abzeichnende Problematik hingewiesen.“ Leider finde man oft keine Bewerber für offene Stellen. Dies habe auch mit „hinderlichen Rahmenbedingungen wie der Apothekerregelung zu tun“, meint Kinz und fordert eine Änderung, die vorsehe, dass in Gemeinden mit Apotheken praktische Ärzte keine Hausapotheke betreiben dürfen. „Dies stellt gerade im ländlichen Bereich eine wichtige Einnahmequelle für Ärzte dar. Wir sind für eine Sonderreglung und fordern eine Lockerung der Regelung für Landärzte.“

Wir werden in diesem Bereich nicht umhinkommen, neue Versorgungsmodelle zu erarbeiten.

LR Christian Bernhard

Wir haben bereits mit mehreren Aktionen auf die derzeitige Situation im Ärztebereich reagiert.

Manfred Brunner, VGKK-Obmann