Hier wird man jedenfalls sehtüchtig

Kultur / 18.05.2015 • 20:51 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Manfred Martin sucht Anschluss.  
Manfred Martin sucht Anschluss.  

90 Künstler aus 13 Ländern machen einen Schweizer Kurort zur Schaulust-Destination.

Christa Dietrich

Bad ragaz. „Blinder Passagier“ nennt Milan Spacek seine Skulptur. An ein Märchen fühlt sich der eine oder andere Passant erinnert, doch hoppla, bilden die Bremer Stadtmusikanten denn nicht ein Quartett? Wenn die Skulptur, die auf den ersten Blick wie eine lapidare Nachbildung der klassischen Illustration aussieht, aber schon in einem Schweizer Ort am Fuße hoher Berge und Almen steht, dann müssen Hahn, Katze, Hund und Esel freilich noch von einer Ziege ergänzt werden. Aus also mit lapidar, der Schweizer Künstler hat die Betrachter berührt. Nicht ganz so tiefgreifend, wie man es von seinen Skulpturengruppen mit gesellschaftskritischem Inhalt gewohnt ist, aber dennoch deutlich. Spaceks „Blinder Passagier“ (der selbstverständlich keinen Ton von sich gibt) kann überhaupt für die Ausrichtung der diesjährigen Triennale der Skulptur stehen. Man konfrontiert mit zeitgenössischen Positionen im Bereich der Bildhauerei, man will das Publikum, das für einige der Arbeiten tüchtig zu wandern hat, aber auch unterhalten.

Auf Kontakt aus

Das gelingt dem Deutschen Manfred Martin gleich einmal bestens. Im Ort verteilt platziert er seine bewusst grobschlächtig gezimmerten Figuren, die sich allein schon durch leichte Hinwendung zur Karikatur vom berühmten Stephan Balkenhol abgrenzen. Ob mit dem Bierhumpen in der Hand, dem stilvoll erhobenen Weinglas, der Blume oder gleich mit dem gebündelten Hab und Gut: Die Skulpturen sind auf Kontakt aus. Und wohl zufällig, aber durchaus passend liest man hinter einem der Zeitgenossen den Schriftzug „zu vermieten“.

Privat initiiert

Für kurze oder vor allem für längere Zeit erwerbbar dürften viele der Kunstwerke sein, die Triennale der Skulptur basiert auf einer privaten Initiative. Esther und Rolf Hohmeister machen sich bereits zum sechsten Mal für die Ausstellung stark, die seit gut einer Woche und noch bis 1. November Arbeiten von 90 Künstlern aus 13 Ländern vereint. Den Fokus auf Vielfalt, auf das Erlebnis, auf die Verbindung von Natur und Kunst zu legen, ist plausibel. Die Ausrichtung von „Bad Ragartz“, wie sich das Unternehmen in Bad Ragaz nennt, entspricht nicht einem strengen Konzept, gefragt ist, wie zuletzt im Sommer 2012, was das Metier hergibt. Das ist bei der Erdbeer-Frau von Kristina Fiand und Ernst Gross dann etwas dekorativer (aber durchaus qualitätsvoll), bei Mimmo Paladino selbstverständlich klassisch und bei H. R. Giger derart überirdisch, wie man es sich vom berühmten, vor ein paar Monaten verstorbenen Schweizer und Oscar-Preisträger eben erwartet. Schön, dass man den Mut hatte, seine Fantasy-Figuren gleich unter den Arkaden des Tourismus-Amtes zu postieren. Unweit stößt man auch auf den bekannten Österreicher Markus Hofer. Die giftgrüne Lackfarbe lässt er, schließlich sind wir am Land, gleich aus der Traktorschaufel rinnen. Christina Wendt bringt ihre Damen in luftiger Höhe in Sicherheit und bietet neben Robert Indermaur, dessen Skulpturen die Säulenhalle eines der Prachthotels genial ergänzen, etwas zum Schmunzeln und zum Nachdenken.

Grundsätzlich gilt: Ob Silvio Santini oder Hans Thomann (um zwei geläufige Namen aus den vielen herauszupicken), die überlegte Aufstellung erhöht den Wert des Ganzen.

Königliches von Sofia Vari.  
Königliches von Sofia Vari.  
Filigranes vom spanischen Eisenmann-Künstler Xavier Mascaro.  
Filigranes vom spanischen Eisenmann-Künstler Xavier Mascaro.  
Abgehoben und erdig: Figuren von H. R. Giger und Carin Grudda.  
Abgehoben und erdig: Figuren von H. R. Giger und Carin Grudda.  
 Spaziergang mit Mimmo Paladino.  
 Spaziergang mit Mimmo Paladino.  
Hinauf mit Christina Wendt.  
Hinauf mit Christina Wendt.  
Sonja Knapp mag große Katzen. Fotos: VN/Dietrich  
Sonja Knapp mag große Katzen. Fotos: VN/Dietrich  
„Traktor“ von Markus Hofer.  
Arbeit von Günther Schmidt-Klör.
Arbeit von Günther Schmidt-Klör.
Säulen von Robert Indermaur.  
Säulen von Robert Indermaur.  
Kristina Fiand & Ernst Gross: Man achte auf die Erdbeeren.  
Kristina Fiand & Ernst Gross: Man achte auf die Erdbeeren.  
Einer mehr: Milan Spacek.
Einer mehr: Milan Spacek.

Die Skulpturen-Triennale „Bad Ragartz“ im Ort und in den Parkanlagen von Bad Ragaz (CH) läuft noch bis 1. November.