Konkurrenz von Osten

Markt / 18.05.2015 • 18:54 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Roman Zech: „Mit Qualität kann man punkten, ansonsten ist der Produktionsstandort für Fensterbauer uninteressant geworden.“
Roman Zech: „Mit Qualität kann man punkten, ansonsten ist der Produktionsstandort für Fensterbauer uninteressant geworden.“

Roman Zech sieht den Produktionsstandort für Fensterbauer mit hohem Handarbeits­anteil skeptisch.

Götzis. (VN) Die Schweiz hat sich in den vergangenen Jahren zum mit Abstand wichtigsten Absatzmarkt für den Fensterhersteller Zech aus Götzis gemausert. Man habe in den vergangenen vier Jahren bei den Eidgenossen ein Umsatzwachstum von über zwölf Prozent zuwege gebracht. Mittlerweile erziele Zech Fenster gut 60 Prozent des gesamten Geschäftsvolumens im Nachbarland, erklärt der geschäftsführende Gesellschafter Roman Zech. Der Grund dafür sei das Augenmerk der Schweizer auf höchste Funktionalität, ansprechendes Design und beste Qualität. „Damit können wir als Hersteller mit Produktionsstandorten im Hochlohnland Vorarlberg noch punkten. Ansonsten ist dieser Produktionsstandort für Fensterbauer mit einem hohen Handarbeitsanteil völlig uninteressant geworden.“

Fenster aus Polen

Roman Zech verdeutlicht dies am Beispiel der Kunststofffenster-Produktion, mit der das Unternehmen rund ein Viertel des Umsatzes erzielt. „Hier geht es fast nur noch um den Preis, da ist ein Vorarlberger Hersteller nicht mehr konkurrenzfähig.“ Zu kämpfen habe die Branche derzeit insbesondere mit „für uns unerreichbar günstig“ hergestellten Kunststofffenstern aus Polen. „Die um 50 Prozent oder noch mehr günstigeren Fenster werden in Polen hergestellt. Dann reisen polnische Bautrupps im Wohnwagen an, bauen die Fenster binnen ein paar Tagen ein und sind dann wieder weg. Die Wertschöpfung für die Region ist gleich null.“ Er habe nichts gegen internationale Konkurrenz, „aber es sollte keine Wohnbauförderung für Bauvorhaben oder Bauteile geben, die in der Region keinerlei Wertschöpfung hinterlassen“. Das gelte insbesondere für Wohnbauträger, die polnische Fenster oftmals im großen Stil einbauen lassen.

Deshalb hat die Firmengruppe Zech Fenster sämtliche Investitionen im Kunststofffenster-Werk Götzis gestoppt. Zudem sei man auf der Suche nach strategischen Kooperationsmöglichkeiten, um auf die neue Marktsituation zu reagieren und die Arbeitsplätze im Land halten zu können. Denn auch bei den Holzfenstern mache sich zunehmend die preislich deutlich günstigere Konkurrenz aus Osteuropa bemerkbar.

Umsatz halten als Ziel

Im Geschäftsjahr 2014 erzielte die Firmengruppe Zech Fenster einen Umsatz von 24 Millionen Euro, ein Plus von rund vier Millionen Euro oder 20 Prozent. Dies hänge insbesondere mit einem Großauftrag im Vorjahr zusammen. Die Ertragssituation bezeichnet Roman Zech als positiv, aber aufgrund der Marktsituation als nicht wirklich zufriedenstellend. Für heuer sei man schon zufrieden, wenn man das Umsatzniveau von 2014 halten könne. „Die Erträge werden sicherlich geringer ausfallen.“

Zwei Dämpfer, wenn man so will, hat das Unternehmen nach Angaben von Zech zuletzt in Deutschland und China erhalten. In Deutschland habe man vor drei Jahren mit dem Aufbau einer eigenen Vertriebsgesellschaft begonnen, die sich in Lindau befindet. „Da haben wir viel Lehrgeld bezahlt. Wir waren mit unzuverlässigem Personal konfrontiert, das viel versprochen, aber wenig gehalten hat.“ Deshalb werde der deutsche Markt nunmehr wieder hauptsächlich von Götzis aus betreut. In China plane Zech Fenster den Rückzug aus dem 2004 gestarteten Joint Venture zur Herstellung von Kunststofffenstern für den dortigen Markt. Das chinesische Unternehmen mit derzeit noch Ein-Drittel-Beteiligung von Zech beschäftigt rund 60 Mitarbeiter. „Die Erwartungen haben sich leider nicht erfüllt. Ich gehe davon aus, dass wir das heuer oder 2016 beenden und unsere Anteile an die chinesischen Partner verkaufen werden.“

Werke zusammenlegen

Bis spätestens 2020 will Zech mit dem Bau eines neuen Produktionswerkes im Raum Götzis-Kummenberg beginnen, wo dann die beiden bestehenden Werke Götzis (Holzfenster) und Dornbirn (Fenstertechnik) zusammengezogen werden sollen. Dafür sei man auf der Suche nach einem rund 25.000 Quadratmeter großen Grundstück.

Zech Gruppe

» Umsatz 2014: 24 Millionen Euro
(+ 20 Prozent)

» 200 Mitarbeiter (ohne China)

» Produktionsstandorte: Götzis, Dornbirn, Ludesch

» geschäftsführender Gesellschafter: Roman Zech

» Vertriebsstandorte in Tübach (CH) und Lindau (D)