Vom Schicksal des Bargelds

Markt / 18.05.2015 • 22:17 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Das Bargeld abzuschaffen ist derzeit in Österreich kein Thema. In anderen Staaten gibt es bereits Beschränkungen.
Das Bargeld abzuschaffen ist derzeit in Österreich kein Thema. In anderen Staaten gibt es bereits Beschränkungen.

Europaweite Diskussion um Abschaffung des Bargelds, in Österreich noch kein Thema.

Schwarzach. (VN-reh) In vielen Ländern Europas wird diskutiert. Topökonomen sprechen sich für die Abschaffung des Bargelds aus. Das scheint auf den ersten Blick zwar skurril, Vorboten gibt es in Europa aber bereits. In Dänemark beispielsweise müssen Tankstellen, Restaurants und kleine Geschäfte kein Bargeld mehr akzeptieren. Auch in Frankreich darf man ab September nur noch maximal 1000 Euro in bar bezahlen. In Italien ist das bereits Usus.

Gegen illegale Geschäfte

Der deutsche Wirtschaftsweise Peter Bofinger spricht bezüglich Bargeld von einem „Anachronismus“, also von etwas, das nicht mehr zeitgemäß ist. Falle das Bargeld weg, könnten die Märkte für Schwarzarbeit und Drogen ausgetrocknet werden, ist er überzeugt. Auch der Harvard-Professor Ken Rogoff plädiert dafür, Bargeld als Zahlungsmittel allmählich auslaufen zu lassen. Als erster Schritt sollen nur noch die kleineren Banknotenstückelungen herausgegeben werden. „Ein sehr großer Anteil der negativen Begleiterscheinung der
Bargeld-

nutzung

hängt mit den großen Scheinen

zusammen. Wenn man aufhört, diese auszugeben, dann hat man schon sehr viel erreicht.“

Aber nicht nur der Kampf gegen illegale Aktivitäten ist der Grund, wieso über eine Abschaffung

des Bargelds diskutiert wird. Dazu kommen auch geldpolitische Überlegungen. „Wenn die Geldhalter auf zinsloses Bargeld ausweichen können, dann kann die Zentralbank den Leitzins nicht allzu weit unter null senken, selbst wenn das sinnvoll wäre, um eine lahmende Wirtschaft wieder in Gang zu bringen“, sagt Ken Rogoff.

Das bestätigte auch der Vorstand der Schoellerbank Invest, Christian Fegg, im Gespräch mit den VN. Zinsen in einem höheren negativen Bereich wären von Zentralbanken nur durchsetzbar, wenn den Menschen die Möglichkeit genommen würde, Bargeld zu horten. Damit gebe es starke Antriebsfedern, die für die Abschaffung des Bargelds sprechen. Denn rutschen die Zinsen zu tief ins Minus, steigt für Verbraucher und Unternehmen der Anreiz, Geld nicht mehr auf ihr Konto zu stellen, sondern in Münzen und Geldscheinen zu horten. Das bedeutet: Bargeld begrenzt die Möglichkeiten einer Notenbank, in Krisenzeiten die Wirtschaft durch Negativzinsen – also superbilliges Geld – anzuschieben.

Persönliche Freiheit wichtig

Für Vorarlbergs Bankensprecher Wilfried Hopfner sind dies Entwicklungen, die ernst zu nehmen und zu beobachten sind. Bargeld abzuschaffen sei in Österreich derzeit kein Thema von Diskussionen. Es gebe aber, so Hopfner, eine aktuelle Studie der Wirtschaftsuniversität Wien, die darauf verweist, dass das Zahlen mit Barem die Volkswirtschaft viel Geld kostet. Denn die Österreicher mögen Bargeld und wickeln 89 Prozent ihrer Zahlungen damit ab. Das koste die Volkswirtschaft jährlich 1,2 Mrd. Euro. Eine verstärkte Nutzung von Karten brächte eine jährliche Einsparung von 150 bis 300 Mill. Euro, so die Studie. Wilfried Hopfner ist dennoch der Meinung, dass der Kunde seine persönliche Freiheit behalten und somit selbst entscheiden solle, welche Zahlungsmethode er nutzt. Es gebe zwar durch die technischen Veränderungen mehr Bezahlmöglichkeiten, das heiße aber nicht, dass Bargeld abgelöst werden solle.

Für Sparer hätte die Abschaffung von Bargeld natürlich Konsequenzen. Mit Blick auf die Geldpolitik wird argumentiert, eine Abschaffung des Bargelds diene in erster Linie dazu, den Notenbanken ihren extrem lockeren Krisenkurs zu erleichtern. Eine Folge von sehr niedrigen Zinsen oder gar negativen Zinsen ist nämlich, dass Sparer belastet und Kreditnehmer entlastet werden. Mit der Abschaffung des Bargelds würde den Sparern die Möglichkeit genommen, einer Entwertung ihrer Guthaben auszuweichen.

Übrigens: Die österreichische Politik hat auf die aktuellen Diskussionen bereits reagiert. Im neuen Grundsatzprogramm der ÖVP ist die Bekenntnis zum Bargeld festgeschrieben. „Wenn das Bargeld abgeschafft wird, ist es mit der Freiheit der Bürger vorbei“, appelliert Staatssekretär Harald Mahrer.