Ahnung von Geld und Gedichten

Vorarlberg / 19.05.2015 • 18:54 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
„Junge für Junge“: Kevin Naglic (l.) und Fabian Braitsch wollen die Finanzbranche aufmischen. Foto: VN/Steuer
„Junge für Junge“: Kevin Naglic (l.) und Fabian Braitsch wollen die Finanzbranche aufmischen. Foto: VN/Steuer

Ein Wolfurter und ein Außerbrazer wollen Jugendliche auf das Leben vorbereiten.

Wolfurt, Bludenz. (VN-ger) Es war nur eine Kurznachricht, doch die hatte es in sich. „Ich bin fast 18 und habe keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann ‚ne Gedichtanalyse schreiben. In vier Sprachen“, klagte die 17-jährige Naina aus Köln Anfang des Jahres auf Twitter und sorgte damit für heftige Diskussionen. 

„Wenn es um Finanzen geht, dann haben die meisten keinen Plan“, sagen auch Kevin Naglic (22) aus Außerbraz und Fabian Braitsch (22) aus Wolfurt. „Es wird dir nirgends beigebracht, es wird nirgends darüber aufgeklärt.“ Geht es nach den beiden, soll sich das allerdings bald ändern: Getreu dem Motto „Junge für Junge“ wollen sie ab Herbst kostenlose Vorträge an Vorarlberger Schulen halten und den Jugendlichen dabei eine „finanzielle Intelligenz“ bzw. „Money Responsibility“ mit auf den Weg geben. „Einem Kollegen von mir haben sie mit 15 Jahren Versicherungen um 160 Euro pro Monat angedreht“, nennt Kevin ein Beispiel, wie man aufgrund von Unwissenheit ordentlich draufzahlen kann.

Geprüftes Konzept

Fabian Braitsch ist Ski-Freestyler und studiert an der TU München Wirtschaft. Kevin Naglic maturiert gerade an der HAK Bludenz im Ausbildungszweig Finanz- und Risikomanagement und schließt im September die Ausbildung zum Versicherungsagenten ab. Nebenbei arbeiten die jungen Männer als selbstständige Finanzberater. Für ihr geplantes Start-up-Unternehmen in Sachen „Finanzielle Intelligenz“ haben sie sich versierte Banker und Versicherer ins Boot geholt, die das Konzept auf Herz und Nieren prüfen und ihm die gewünschte Neutralität verleihen sollen. „Wir wollen auch andere Interessierte einbeziehen“, sprechen sie eine Einladung aus.

Gedanken machen

Was brauche ich? Was ist nett zu haben? Und was ist überflüssig? Ob Lohnsteuerausgleich, Kredite, Leasing, Versicherung, Sparen oder Altersvorsorge: „Die Leute sollen sich selber Gedanken machen und rechnen und nicht auf Banker, Versicherer oder Vermögensberater hören“, lautet eines der Ziele der 22-Jährigen.

Viele junge Leute würden sich viel zu früh verschulden, sei es durch Konsumkredite oder Leasing. „Fixkosten sind wie Fesseln. Die Jungen wollen so frei wie möglich sein, durch Schulden geben sie aber ihre Freiheit auf. In bar würde zum Beispiel niemand ein Auto für 30.000 Euro kaufen“, führt Fabian Braitsch aus. Auch welche Kosten mit einer Mietwohnung verbunden sind, sei den Jugendlichen vielfach nicht bewusst, der exponentielle Verlauf des Zinseszinses oft nur schwer vorstellbar. „Um finanziell die richtigen Entscheidungen treffen zu können, muss jeder wie ein Unternehmer denken und ein Unternehmer im eigenen Leben sein“, hoffen die beiden, das kaufmännische Denken in den Jugendlichen wecken zu können: „Umso besser wir untereinander tauschen, umso besser geht es uns allen.“ Beim Direktor der HAK Bludenz sind sie mit ihrem Konzept jedenfalls schon auf offene Ohren gestoßen. 

Bei Finanzen haben die meisten keinen Plan. 

Fabian Braitsch

Nähere Informationen zu den Vorträgen gibt es unter: money.resp@gmx.at