Ferienorte sorgen sich um Zukunft

Vorarlberg / 19.05.2015 • 19:49 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Die klassischen Zweitwohnsitze seien nicht das Problem, sagt Stefan Bischof. Vielmehr sei die falsche Nutzung der gewidmeten Immobilien problematisch. „Wohnungen werden gekauft, eine versprochene Vermietung nur vorgetäuscht.“ Die Gemeinde sei mit Investorenprojekten konfrontiert, wo die Absichten nicht klar abschätzbar sind.Stefan Bischof
Die klassischen Zweitwohnsitze seien nicht das Problem, sagt Stefan Bischof. Vielmehr sei die falsche Nutzung der gewidmeten Immobilien problematisch. „Wohnungen werden gekauft, eine versprochene Vermietung nur vorgetäuscht.“ Die Gemeinde sei mit Investorenprojekten konfrontiert, wo die Absichten nicht klar abschätzbar sind.
Stefan Bischof

Viele Bürgermeister sehen Ferienwohnungen als existenzgefährdende Bedrohung.

Schwarzach. „Zweitwohnungen sind kalte Betten. Sie verbrauchen die Ressourcen der Tourismuswirtschaft und den Lebensraum der Menschen, ohne zu deren Erhalt etwas beizutragen.“ Das sagt der Lecher Bürgermeister Ludwig Muxel. Seine Gemeinde sei besonders davon betroffen. Lech versuche, kalte Betten in jeder Form zurückzudrängen. So wie Muxel sieht es die Mehrheit der Bürgermeister in den wichtigsten Tourismusgemeinden des Landes. Das zeigt eine aktuelle Umfrage der VN. „Unsere Landschaft soll nicht mit Objekten verbaut werden, die nur zwei bis drei Wochen im Jahr genutzt werden“, pflichtet der Mittelberger Bürgermeister Andi Haid seinem Lecher Kollegen bei. Für Herbert Bitschnau, Bürgermeister in Tschagguns, sind die Ferienwohnungen und Ferienhäuser eine Gefahr für die Arbeitsplätze im Tourismus. Es fehle eine entsprechende Wertschöpfung.

Das Raumplanungsgesetz regelt die Widmung von Ferienimmobilien. Die Rahmenbedingungen haben sich verschärft. Viele Gemeinden legen die Gesetze restriktiv aus, stehen neuen Projekten ablehnend gegenüber. Andere sehen aber auch Chancen. „Wenn die Wohnungen in eine Vermietung gehen, sind sie im Idealfall nicht leer und damit auch nicht kalt“, sagt etwa der Bürgermeister in Fontanella, Werner Konzett. Auch in einigen anderen Gemeinden sehen die Verantwortlichen durch entsprechende Nutzung von Ferienimmobilien Potenziale.

„Bei uns gibt es derzeit 145 Zweitwohnsitze, die größtenteils in den 60er- und 70er-Jahren entstanden sind. Allfällige weitere Anfragen erhalten eine Absage“, so Bgm. Martin Vallaster, dem keine Pläne bekannt sind. „Zusätzliche kalte Betten würden auch für unsere Gemeinde ein Problem darstellen und liegen damit nicht in unserem Interesse.“Martin Vallaster
„Bei uns gibt es derzeit 145 Zweitwohnsitze, die größtenteils in den 60er- und 70er-Jahren entstanden sind. Allfällige weitere Anfragen erhalten eine Absage“, so Bgm. Martin Vallaster, dem keine Pläne bekannt sind. „Zusätzliche kalte Betten würden auch für unsere Gemeinde ein Problem darstellen und liegen damit nicht in unserem Interesse.“
Martin Vallaster
„Der Kauf von Wohnungen zu Ferienzwecken bewirkt einen Anstieg der Grundstücks- und Wohnungspreise. Damit wird Bauen und Wohnen für junge Einheimische kaum mehr leistbar“, sagt Bgm. Walter Beer. 31 Zweitwohnsitze gibt es in seiner Gemeinde. Zudem seien weitere Ferienimmobilien (Investorenwohnungen mit Vermietungspflicht) geplant.Walter Beer
„Der Kauf von Wohnungen zu Ferienzwecken bewirkt einen Anstieg der Grundstücks- und Wohnungspreise. Damit wird Bauen und Wohnen für junge Einheimische kaum mehr leistbar“, sagt Bgm. Walter Beer. 31 Zweitwohnsitze gibt es in seiner Gemeinde. Zudem seien weitere Ferienimmobilien (Investorenwohnungen mit Vermietungspflicht) geplant.
Walter Beer
In Bürserberg spricht Bgm. Fridolin Plaickner von 139 Zweitwohnsitzimmobilien, die „keine Probleme darstellen“. Viele Familien würden ihre Ferienwohnungen und Ferienhäuser regelmäßig nutzen. Auch Vereine und Firmen seien Mieter solcher Immobilien, und so werde durch viele wechselnde Gäste das Dorfleben durchaus belebt.Fridolin Plaickner
In Bürserberg spricht Bgm. Fridolin Plaickner von 139 Zweitwohnsitzimmobilien, die „keine Probleme darstellen“. Viele Familien würden ihre Ferienwohnungen und Ferienhäuser regelmäßig nutzen. Auch Vereine und Firmen seien Mieter solcher Immobilien, und so werde durch viele wechselnde Gäste das Dorfleben durchaus belebt.
Fridolin Plaickner
„Ferienwohnungen sind bisher im Ort verteilt“, sagt Bgm. Andreas Simma über die rund 65 Zweitwohnsitz-immobilien. Damit habe man nicht das Problem von zeitweise verlassenen Ortsteilen. Bei zu vielen „kalten Betten“ sieht Simma Infrastrukturprobleme. In Au ist aus Sicht der Gemeinde höchstens der Ersatz bestehender Gebäude möglich.Andreas Simma
„Ferienwohnungen sind bisher im Ort verteilt“, sagt Bgm. Andreas Simma über die rund 65 Zweitwohnsitz-immobilien. Damit habe man nicht das Problem von zeitweise verlassenen Ortsteilen. Bei zu vielen „kalten Betten“ sieht Simma Infrastrukturprobleme. In Au ist aus Sicht der Gemeinde höchstens der Ersatz bestehender Gebäude möglich.
Andreas Simma
„Derzeit stellen die wenigen kalten Betten noch kein Problem für die Gemeinde dar. Wir haben rechtzeitig Richtlinien erstellt, um den Auswuchs zu verhindern“, so Bgm. Herbert Schwarzmann über die 30 Zweitwohnsitze zu Ferienzwecken. Anhängige Ansuchen seien negativ beurteilt worden und würden nach dem neuen Raumplanungsgesetz abgewickelt.Herbert Schwarzmann
„Derzeit stellen die wenigen kalten Betten noch kein Problem für die Gemeinde dar. Wir haben rechtzeitig Richtlinien erstellt, um den Auswuchs zu verhindern“, so Bgm. Herbert Schwarzmann über die 30 Zweitwohnsitze zu Ferienzwecken. Anhängige Ansuchen seien negativ beurteilt worden und würden nach dem neuen Raumplanungsgesetz abgewickelt.
Herbert Schwarzmann
„Wir wollen ein Bettenangebot an ständig wechselnde Feriengäste. Unsere Landschaft soll nicht mit Objekten verbaut werden, die nur zwei bis drei Wochen im Jahr genutzt werden“, spricht Andi Haid Klartext. Die bestehenden Zweitwohnsitze würden kein Problem darstellen. Bei neuen Vorhaben sei die restriktive Haltung der Gemeinde bekannt.Andi Haid
„Wir wollen ein Bettenangebot an ständig wechselnde Feriengäste. Unsere Landschaft soll nicht mit Objekten verbaut werden, die nur zwei bis drei Wochen im Jahr genutzt werden“, spricht Andi Haid Klartext. Die bestehenden Zweitwohnsitze würden kein Problem darstellen. Bei neuen Vorhaben sei die restriktive Haltung der Gemeinde bekannt.
Andi Haid
„Kalte Betten sind für den österreichischen Tourismus in den Alpenregionen eine existenzgefährdende Falle. Es mag sein, dass es den einen oder anderen kurzfristigen Vorteil aus den Freizeitwohnsitzen geben kann. Entwicklungspolitisch sind diese Formen des Tourismus tödlich“, sagt Bgm. Ludwig Muxel, in dessen Gemeinde es 500 genehmigte Ferienwohnungen gibt.Ludwig Muxel
„Kalte Betten sind für den österreichischen Tourismus in den Alpenregionen eine existenzgefährdende Falle. Es mag sein, dass es den einen oder anderen kurzfristigen Vorteil aus den Freizeitwohnsitzen geben kann. Entwicklungspolitisch sind diese Formen des Tourismus tödlich“, sagt Bgm. Ludwig Muxel, in dessen Gemeinde es 500 genehmigte Ferienwohnungen gibt.
Ludwig Muxel
„In der Vergangenheit wurde überwiegend die spezielle Ferienwohnungswidmung mit Vermietung an ständig wechselnde Gäste und einer zeitlich begrenzten Eigennutzung auf etwa 20 Jahre bewilligt“, so Bgm. Josef Lechthaler. Die Problematik „kalter Betten“ sei deshalb noch nicht gravierend. 250 Zweitwohnsitze gibt es. „In Galgenul ist ein Ferienresort mit 21 Objekten in Planung.“Josef Lechthaler
„In der Vergangenheit wurde überwiegend die spezielle Ferienwohnungswidmung mit Vermietung an ständig wechselnde Gäste und einer zeitlich begrenzten Eigennutzung auf etwa 20 Jahre bewilligt“, so Bgm. Josef Lechthaler. Die Problematik „kalter Betten“ sei deshalb noch nicht gravierend. 250 Zweitwohnsitze gibt es. „In Galgenul ist ein Ferienresort mit 21 Objekten in Planung.“
Josef Lechthaler
„Die Gemeinde stellt für Ferienobjekte wie für Hauptwohnsitze dieselbe Infrastruktur zur Verfügung. Es ist jedoch bildhaft gesprochen eine Einbahnstraße: Es kommt nichts oder nur ganz wenig zurück“, sagt Bgm. Helmut Blank. 30 Objekte zu Ferienzwecken gibt es in seiner Gemeinde. Pläne für neue Ferienimmo­bilien liegen, so Blank auf Anfrage, nicht vor.Helmut Blank
„Die Gemeinde stellt für Ferienobjekte wie für Hauptwohnsitze dieselbe Infrastruktur zur Verfügung. Es ist jedoch bildhaft gesprochen eine Einbahnstraße: Es kommt nichts oder nur ganz wenig zurück“, sagt Bgm. Helmut Blank. 30 Objekte zu Ferienzwecken gibt es in seiner Gemeinde. Pläne für neue Ferienimmo­bilien liegen, so Blank auf Anfrage, nicht vor.
Helmut Blank
„Kein Ort will kalte Betten“, so Bgm. Werner Konzett. Zwei Projekte seien geplant, wobei aber eine Vermietung vorgesehen sei und damit im Idealfall die Betten eben nicht leer bzw. kalt seien. Man brauche einen gewissen Spielraum, schließlich kämpfe man um jeden Gast. Der Ferienwohnungsanteil liege bei 20 Prozent, 25 Prozent sei die Obergrenze.Werner Konzett
„Kein Ort will kalte Betten“, so Bgm. Werner Konzett. Zwei Projekte seien geplant, wobei aber eine Vermietung vorgesehen sei und damit im Idealfall die Betten eben nicht leer bzw. kalt seien. Man brauche einen gewissen Spielraum, schließlich kämpfe man um jeden Gast. Der Ferienwohnungsanteil liege bei 20 Prozent, 25 Prozent sei die Obergrenze.
Werner Konzett
Grundsätzlich hält man in Klösterle wenig von Ferienwohnungswidmungen, so Bgm. Florian Morscher. Noch habe man kein Problem mit „kalten Betten“. Aber man schaue jedes Projekt ganz genau an und entscheide in der Gemeindevertretung. Im großen Stil werde sicher nicht gewidmet. „So einfach wie bisher wird es sicher nicht mehr gehen.“Florian Morscher
Grundsätzlich hält man in Klösterle wenig von Ferienwohnungswidmungen, so Bgm. Florian Morscher. Noch habe man kein Problem mit „kalten Betten“. Aber man schaue jedes Projekt ganz genau an und entscheide in der Gemeindevertretung. Im großen Stil werde sicher nicht gewidmet. „So einfach wie bisher wird es sicher nicht mehr gehen.“
Florian Morscher
„Kalte Betten sind für jede Tourismusgemeinde schlecht. Je mehr Zweitwohnsitze und Ferienwohnungen, desto mehr wird die Lebensqualität im Dorf zerstört“, so Bgm. Stefan Strolz. Aktuell seien zwar keine entsprechende Projekte geplant. Klassischen Zweitwohnsitzen stehe die Gemeinde aber sehr kritisch gegenüber.Stefan Strolz
„Kalte Betten sind für jede Tourismusgemeinde schlecht. Je mehr Zweitwohnsitze und Ferienwohnungen, desto mehr wird die Lebensqualität im Dorf zerstört“, so Bgm. Stefan Strolz. Aktuell seien zwar keine entsprechende Projekte geplant. Klassischen Zweitwohnsitzen stehe die Gemeinde aber sehr kritisch gegenüber.
Stefan Strolz
Brand habe vor fünf Jahren ein Siedlungsleitbild als Instrument gegen weitere kalte Betten erarbeitet, sagt Bgm. Michael Domig. Der Zweitwohnsitz-Anteil lag 2007 bei rund 19 Prozent. Die Obergrenze ist mit 20 Prozent definiert. Aktuelle Projektpläne gibt es. Diese müssten aber dem Leitbild und Entwicklungskonzept entsprechen.Michael Domig
Brand habe vor fünf Jahren ein Siedlungsleitbild als Instrument gegen weitere kalte Betten erarbeitet, sagt Bgm. Michael Domig. Der Zweitwohnsitz-Anteil lag 2007 bei rund 19 Prozent. Die Obergrenze ist mit 20 Prozent definiert. Aktuelle Projektpläne gibt es. Diese müssten aber dem Leitbild und Entwicklungskonzept entsprechen.
Michael Domig
Bgm. Armin Berchtold unterscheidet die 355 Zweitwohnsitze seiner Gemeinde in drei Kategorieren. Ein Drittel bezeichnet er als unproblematisch, weil die Bewohner häufig im Ort seien und für eine entsprechende Wertschöpfung sorgen. Ein Drittel sei selten im Ort, und auf ein Drittel, die kaum bis gar nicht kommen, könnte man verzichten.Armin Berchtold
Bgm. Armin Berchtold unterscheidet die 355 Zweitwohnsitze seiner Gemeinde in drei Kategorieren. Ein Drittel bezeichnet er als unproblematisch, weil die Bewohner häufig im Ort seien und für eine entsprechende Wertschöpfung sorgen. Ein Drittel sei selten im Ort, und auf ein Drittel, die kaum bis gar nicht kommen, könnte man verzichten.
Armin Berchtold
In Vandans sind laut Bgm. Burkhard Wachter 90 Ferien­immobilien genehmigt. Das entspreche neun Prozent der Wohnungen. Da von Zweitwohnsitzen keine positiven touristischen Impulse zu erwarten seien, würden entsprechende Anträge seit Jahren konsequent abgelehnt. Vandans sei in dieser Frage restriktiv wie kein anderer Ort im Montafon.Burkhard Wachter
In Vandans sind laut Bgm. Burkhard Wachter 90 Ferien­immobilien genehmigt. Das entspreche neun Prozent der Wohnungen. Da von Zweitwohnsitzen keine positiven touristischen Impulse zu erwarten seien, würden entsprechende Anträge seit Jahren konsequent abgelehnt. Vandans sei in dieser Frage restriktiv wie kein anderer Ort im Montafon.
Burkhard Wachter
„Ferienwohnungen, die den Großteil des Jahres leer stehen, bedeuten meist eine sinkende Gästefrequenz, weniger Wertschöpfung und am Ende des Tages auch weniger Arbeitsplätze im Tourismus“, so Bgm. Herbert Bitschnau. Innerhalb klar definierter, quantitativer Grenzen, sollte es dennoch Möglichkeiten geben. Im Ort werden 300 Zweitwohnsitze gezählt.Herbert Bitschnau
„Ferienwohnungen, die den Großteil des Jahres leer stehen, bedeuten meist eine sinkende Gästefrequenz, weniger Wertschöpfung und am Ende des Tages auch weniger Arbeitsplätze im Tourismus“, so Bgm. Herbert Bitschnau. Innerhalb klar definierter, quantitativer Grenzen, sollte es dennoch Möglichkeiten geben. Im Ort werden 300 Zweitwohnsitze gezählt.
Herbert Bitschnau
In Schruns liegt der Anteil an Zweitwohnsitzen bei 15 Prozent, so Bgm. Jürgen Kuster. „Wenn die Wohnungen ausgiebig genutzt werden, sind sie kein Problem. Allerdings zeigt die Erfahrung, dass das in den wenigsten Fällen so ist und die meiste Zeit des Jahres keine Nutzung vorliegt.“ Schruns habe sich zuletzt klar gegen Zweitwohnsitze ausgesprochen.Jürgen Kuster
In Schruns liegt der Anteil an Zweitwohnsitzen bei 15 Prozent, so Bgm. Jürgen Kuster. „Wenn die Wohnungen ausgiebig genutzt werden, sind sie kein Problem. Allerdings zeigt die Erfahrung, dass das in den wenigsten Fällen so ist und die meiste Zeit des Jahres keine Nutzung vorliegt.“ Schruns habe sich zuletzt klar gegen Zweitwohnsitze ausgesprochen.
Jürgen Kuster