„Geflügelte“ Dose Red Bull prallte auf das falsche Ziel

Vorarlberg / 19.05.2015 • 22:40 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Die Qual der Wahl: Wut und Promille eskalierten in Unterländer Tankstelle.

Bregenz. Hätte sich der Kunde doch nur gleich richtig entschieden: Stattdessen griff er im Tankstellenshop ständig zur falschen Fischdose und strapazierte damit nicht nur die Geduld der Kassiererin, sondern auch die Nerven wartender Kunden. Unter ihnen ausgerechnet ein 23-jähriger Maurer, der von Natur aus kein friedliebender Mensch zu sein scheint. Bereits sechs Vorstrafen wegen Körperverletzung sprechen eine eigene Sprache. Zudem hatte er einen beachtlichen Promillegehalt im Blut. Zu allem Überfluss wartete noch eine Taxifahrerin auf ihn, die ihn gerade zur Tankstelle chauffiert hatte.

Und Zeit ist Geld. Schließlich platzte dem Maurer der Kragen. Zornig griff er den entscheidungsschwachen Fischkäufer an, wurde jedoch von ihm zurückgestoßen und prallte gegen ein Regal. Dadurch noch wütender geworden, griff der 23-Jährige zu einer Red-Bull-Dose, verlieh ihr buchstäblich Flügel und schleuderte sie gegen seinen Widersacher.

Doch das Geschoss verfehlte diesen knapp, um dann ausgerechnet an der Schulter der 31-jährigen Taxifahrerin zu landen. Monate danach sagt die Frau als Opfer und Zeugin vor dem Bregenzer Bezirksrichter Christian Röthlin aus, erzählt ihm dabei von ihrer Schulter, die eine Woche lang schmerzte, und von Schlafproblemen. Der Richter spricht ihr ein Teilschmerzensgeld von 150 Euro zu.

Der Beschuldigte selbst ist sich seines Vorstrafenregisters bewusst. Er gesteht „Schuld in allen Punkten“ ein. Auf die Frage Röthlins, ob er sich denn schon eine Gewalttherapie überlegt habe, entgegnet er: „Jetzt schon …“.

„So besoffen wie er“

Recht stark alkoholisiert war bei dem Vorfall in der Tankstelle aber auch sein Kontrahent, ein 25-jähriger Konstrukteur. Obwohl damals vom Beschuldigten angegriffen, macht er als Opfer keine Forderungen geltend. „Ich war so besoffen wie er“, begründet er, und: „Ich weiß eigentlich so gut wie gar nichts mehr.“ Ob er sich denn zur Gewissheit die Videoaufzeichnung ansehen möchte, wird er vom Richter gefragt. „Nein, schließlich war ich ja dabei“, kommt als Antwort. Der Maurer wird wegen versuchter und zugleich fahrlässiger Körperverletzung zu 240 Tagsätzen von jeweils neun Euro verurteilt, er nimmt die Entscheidung sofort an.

Es ist nur eine Strafe mehr von vielen, die er bereits berappen

musste. Worauf ihm der Richter noch zu bedenken gibt: „Für dieses Geld könnten Sie andere Sachen haben. Zum Beispiel mal in den Urlaub fahren.“