„Versuche, Kritik anzunehmen“

Vorarlberg / 19.05.2015 • 19:26 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
„Ich kann manchmal sogar über mich selbst herzhaft lachen“: Bürgermeisterin Moosbrugger-Petter. Fotos: MK
„Ich kann manchmal sogar über mich selbst herzhaft lachen“: Bürgermeisterin Moosbrugger-Petter. Fotos: MK

Bürokauffrau Bianca Moosbrugger-Petter sitzt im Bürgermeistersessel von Reuthe.

Reuthe. Der Blick durch die parteipolitische Brille scheint den zwölf Gemeindevertretern fremd, sachpolitische Entscheidungen sollen im Vordergrund stehen. Moosbrugger-Petter hat eigentlich „nur“ mit ihrem Vorgänger Arno Scharler den Platz getauscht: Weil die Mutter eines Sohnes bei der Mehrheitswahl von den Bürgern nach vorne gewählt wurde, zog Scharler die Konsequenzen, fungiert jetzt als Mitglied des Gemeindevorstands und überließ das Amt des Nebenerwerbsbürgermeisters der Bürokauffrau. In ihrem Hauptberuf arbeitet die begeisterte Musikantin bei der Gemeindeinformatik in Dornbirn als EDV-Betreuerin.

Frau Bürgermeister, eine Grundsatzfrage: Sind Frauenquoten wichtig?

Moosbrugger-Petter: Ja, ich finde es wichtig, dass Frauen in Politik und Wirtschaft mit dabei sind. Sie bringen eine andere Sichtweise ein, die für eine Mischung sorgt, die gut tut. Das meine ich generell und nicht nur in der Funktion einer Bürgermeisterin.

Darf man als Bürgermeisterin auch einmal Schwächen eingestehen?

Moosbrugger-Petter: Das darf und soll man sehr wohl. Es ist menschlich und wichtig, dass man Fehler eingestehen kann.

Wie reagieren Sie auf persönliche Kritik?

Moosbrugger-Petter: Kritik hört man nicht gern, das liegt in der Natur der Sache. Persönlich versuche ich, Kritik anzunehmen und nicht auf Konfrontationskurs zu gehen. Es gibt auch Kritik, die zurecht erfolgt und somit lehrreich ist.

Worüber können Sie herzlich lachen?

Moosbrugger-Petter: Eigentlich über fast alles, manchmal sogar über mich selbst.

Wann und wo gelingt es Ihnen am besten, abzuschalten und neue Kraft zu tanken?

Moosbrugger-Petter: In meinen eigenen vier Wänden, im Kreise meiner Familie. Dort kann ich neue Kraft schöpfen und richtig abschalten.

Wie wurden Sie von Ihren ehemaligen Lehrpersonen eingeschätzt?

Moosbrugger-Petter: Ich war zwar keine Oberstreberin, habe aber immer als fleißige und gute Schülerin gegolten. Entsprechend positiv sind auch die Noten ausgefallen.

Welches Thema werden Sie in Reuthe zuerst angehen?

Moosbrugger-Petter: Ich werde mich gemeinsam mit allen Gemeindevertretern im Rahmen einer Klausur an einen Tisch setzen und dabei die Zukunft von Reuthe thematisieren. Dabei geht es nicht nur um Strategien, es sollen vor allem auch finanzielle Dinge und geplante Investitionen erörtert und in der Folge in einer mittelfristigen Finanzplanung festgeschrieben werden. Als strukturelles Manko und Wermutstropfen im Hinblick auf das Sozialgefüge im Dorf betrachte ich das Fehlen eines Wirtshauses als Treffpunkt.

Wie sieht es mit den Finanzen aus? Haben Sie noch frei verfügbare Mittel?

Moosbrugger-Petter: Wir verfügen über einen sehr gesunden Finanzhaushalt, können dank florierender Betriebe auch Rücklagen bilden und stehen finanziell gut da.

Was wünschen Sie sich, dass man Ihnen nachsagt, wenn Sie nicht mehr Gemeindechefin sind?

Moosbrugger-Petter: Dass es mir gelungen ist, Reuthe weiter nach vorne zu bringen.

Sind Sie mit Ihrem Bezug zufrieden und wie viel bleibt Ihnen monatlich netto?

Moosbrugger-Petter: Ich bin zufrieden mit meinem Bezug, mir bleiben monatlich rund 2400 Euro netto.

Kurz gesagt . . .

Absolute Mehrheit: bei uns nicht der Fall, weil Mehrheitswahlrecht

Freunderlwirtschaft: geht gar nicht

Lebensglück: Familie und Freunde

Politikverdrossenheit: kann ich teils verstehen; aber nur wer informiert ist, kann auch etwas bewirken

Parteifreund: Reuthe ist parteifrei, aber generell ist ein Freund ein Freund, egal welche Parteizugehörigkeit

Freizeit: wichtige Zeit, um neue Energie zu tanken

Erstwähler: Mitgestalter der Zukunft

Lebensqualität: jeden Tag mit einem Lächeln aufzustehen, ohne Angst und Sorgen wie derzeit in anderen Gebieten der Erde

Netzwerke: für mich nicht mehr wegzudenken

Lebensabend: möchte ich auf jeden Fall hier in Reuthe verbringen

Zahlen zu Reuthe

» Gemeindegröße: 10,2 km2

» Einwohner: 672;
631 HWS, 41 NWS

» Jahresbudget: 1,6 Mio

» Pro-Kopf-Verschuldung: 827 Euro

» Betriebe: 29

» Beschäftigte: 499

Zur Person

Bianca Moosbrugger-Petter

Geboren: 18. Juli 1977

Familie: verheiratet, 1 Sohn

Erlernter Beruf: Bürokauffrau

Hobby: Musikverein

Lebensmotto: Leben und leben lassen