Wiederbelebung einer Streitkultur

Kultur / 19.05.2015 • 22:23 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Juan Carlos Diaz, Folkert Uhde, Hans-Joachim Gögl, Quirin Mühlberger und Edgar Eller.  Foto: Dietmar Mathis
Juan Carlos Diaz, Folkert Uhde, Hans-Joachim Gögl, Quirin Mühlberger und Edgar Eller. Foto: Dietmar Mathis

Die zweiten „Montforter Zwischentöne“ sind ohne Scheu vor dem Scheitern den Konflikten gewidmet.

Feldkirch. (VN-cd) Im Fokus stehen die Musikbeiträge, und zwar, obwohl man bei der gestrigen Programmpräsentation den Eindruck gewann, dass Folkert Uhde und Hans-Joachim Gögl, die Erfinder und Veranstalter der „Montforter Zwischentöne“, ihrem Publikum auch den hohen Wert des richtigen Streitens klarmachen wollen. Fünf Regeln, um den Karren an die Wand zu fahren, sind neben jenen fünf, die bei Beherzigung auch zu einer Versöhnung führen, auf einem Klappfolder angeführt, der in nächster Zeit Gasthaustische zieren soll. Nach dem Thema „Anfänge“, mit dem man zu Beginn des Jahres dem neu eröffneten Montforthaus entsprach, geht es im Juni und Juli in der Stadt, die das Landesgericht beherbergt, um den Konflikt.

Im Schwurgerichtssaal

Dass es die Musikschöpfer über die Jahrhunderte anspornte, wenn Menschen miteinander im Clinch liegen, wollen auch jene Studenten des Landeskonservatoriums darlegen, die den eigens ausgelobten Musikdramapreis „Hugo“ gewonnen haben. Die Truppe, die mit Badamsuren Gangaabazar aus der Mongolei (Piano), Juan Carlos Diaz aus Kolumbien (Flöte), Quirin Mühlberger aus Deutschland (Gitarre) und Raphael Brunner aus Lustenau (Akkordeon) so international wie nur möglich besetzt ist, beginnt bei der Erregung nach der Uraufführung von Strawinskys „Le Sacre du Prin­temps“ im Jahr 1913, landet in der Gegenwart und wird die komplette Auseinandersetzung im Schwurgerichtssaal austragen.

Die Rechtsprechung selbst wird ebenso gestreift. Für Vorarlberg bringt der Jurist Ekkehard Bechtold seine rhetorischen Fähigkeiten zur Wirkung. Mit der deutschen Richterin Anne-Ruth Moltmann-Willisch darf er mit einem schlagfertigen Gegenüber rechnen.

Kontrapunkt

Musikalisch wird der Streit, absolut logisch, auch über den Kontrapunkt thematisiert. Jordi Savall zählt zu den prominentesten Interpreten, J. S. Bach, Henry Purcell oder John Dowland sind die bekanntesten Komponisten. Klangliche Konflikte werden unter anderem unter freiem Himmel von Mitgliedern des Sinfonischen Blasorchesters ausgetragen. Dass man (bei aller Gefahr des Scheiterns aufgrund von Unbelehrbarkeit) inhaltlich in die Tiefe gehen möchte, bezeugen Auftritte des Konfliktforschers Friedrich Glasl und des Historikers Werner Dreier.

Wir wollen aufzeigen, in welchen Facetten Streit vorkommt.

Quirin Mühlberger

Die „Montforter Zwischentöne“ finden vom 1. bis 5. Juli statt. Premiere „Erheben Sie sich!“ im Schwurgerichtssaal am 3. Juni