Bregenz begibt sich auf Kulturhauptstadtkurs

Kultur / 20.05.2015 • 21:15 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Zum Fragenkatalog zählt, inwieweit die Region Bodensee einbezogen wird. Foto: VN/Paulitsch
Zum Fragenkatalog zählt, inwieweit die Region Bodensee einbezogen wird. Foto: VN/Paulitsch

Ob und wie die Landeshauptstadt um den Titel Europäische Kulturhauptstadt 2024 wirbt, ist ein Thema.

Bregenz. (VN-cd) Wollen wir Kulturhauptstadt sein? Können wir es sein? Und brauchen wir’s? Diese Fragen will Markus Linhart, Bürgermeister der Vorarlberger Landeshauptstadt, in den nächsten Monaten unter Einbindung der Bevölkerung geklärt haben. Nachdem das Thema Europäische Kulturhauptstadt in Bregenz immer wieder zumindest informell unter Kulturschaffenden und -verantwortlichen diskutiert wurde, legte Linhart gestern vor Medienvertretern die Fakten auf den Tisch. Diese stellen sich so dar, dass bis Anfang nächsten Jahres geklärt sein soll, ob und wie sich die Landeshauptstadt um den Titel bewirbt.

Die maßgeblichen Personen, die sich ab sofort mit den wesentlichen Punkten beschäftigen, sind neben dem Bürgermeister Stadtamtsdirektor Klaus Feurstein, Kulturamtsleiter Wolfgang Fetz, Stadtmarketing-Geschäftsführer Christoph Thoma und Michael Diem, der kaufmännische Direktor der Bregenzer Festspiele.

Drei Jahre Vorlaufzeit

Die Vergabe des Kulturhauptstadt-Titels mit damit einhergehenden Veranstaltungen, Aktionen und strukturellen Maßnahmen geht auf eine Initiative der damaligen griechischen Kulturministerin Melina Mercouri zurück, die erstmals 1985 realisiert wurde, als Athen den Titel erhielt. Nachdem Österreich im Jahr 2003 und 2009 mit Graz und Linz bereits zwei Mal zum Zug kam, ist der Staat 2024 wieder an der Reihe. Die Ernennung erfolgt über eine Jury, die bereits im Jahr 2019 die Entscheidung fällen wird. Im Grunde genommen hat Bregenz nur noch gut drei Jahre Zeit, um eine Bewerbung auszuarbeiten. Einer der Mitbewerber wird voraussichtlich Dornbirn sein.

Mit Wald, See oder Fluss

Nach den Impulsen in den letzten Jahren habe es Bregenz verdient, sich mit der Bewerbung ernsthaft zu beschäftigen, verlieh Linhart dem Vorhaben Nachdruck. Eine Prognose wollte er nicht abgeben. Man wird, wie es gestern hieß, Kontakt mit der Bevölkerung, mit Unternehmern, mit Partnern beim Land und in der Region aufnehmen. Sollte man letztendlich zu einem negativen Ergebnis kommen und keine Bewerbung einreichen, so könne man zumindest die dabei gewonnenen Erkenntnisse positiv verwerten. Derart kommentiert auch Oliver Scheytt das Vorbereitungsprozedere. Der ehemalige Kulturdezernent und Geschäftsführer von „Ruhr 2010“, einer Kulturhauptstadt-Region, die vom einstigen Titel immer noch zehrt, betonte im Hinblick auf Bregenz nicht nur das Begriffspaar Kultur-Natur, sondern rät auch zur Einbeziehung eines weiten Umfelds. Man könne sich in Richtung Bodensee, in Richtung Bregenzerwald oder in Richtung Rhein orientieren, sich also mit verschiedenen Orten (auch in Deutschland oder der Schweiz) zusammentun. Noch nicht zu definieren ist der Kostenfaktor. Scheytt rät, ihn vorerst nicht zu betonen. Seine Nebenbemerkung: „In Brüssel liegt viel Geld.“

Bregenz hat es verdient, sich ernsthaft damit zu beschäftigen.

Bgm. Markus Linhart