Die Hightechspinner

Markt / 20.05.2015 • 19:13 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Kurt Haselwander hat 2010 gemeinsam mit seinem Kollegen Gerhard Hübinger das Steuer übernommen. Fotos: tm-hechenberger

Kurt Haselwander hat 2010 gemeinsam mit seinem Kollegen Gerhard Hübinger das Steuer übernommen. Fotos: tm-hechenberger

Mit Hightechfasern und aktivem Umweltschutz katapultiert Schoeller die Textilindustrie in neue Höhen.

Hard. (tmh) Die 1897 in Bregenz gegründete Kammgarnspinnerei Schoeller war eines der großen Flaggschiffe der Armada Vorarlberger Textilbetriebe, die über fast 100 Jahre die Wirtschaft im Lande entscheidend prägten.

Anfang der 80er-Jahre zeigten sich am Horizont der Spinner, Weber und Wirker erste Gewitterwolken: Die Konkurrenz aus Südosteuropa und Asien flutete den Markt mit Billigware und erzeugte letztlich einen Dauerorkan, dem bis in die 90er-Jahre ein Großteil der Vorarlberger Textilbetriebe zum Opfer gefallen sind.

Bei der Schoeller Spinnereigruppe kam die entscheidende Wende im Jahr 2010: Kurt Haselwander und Gerhard Hübinger übernahmen durch ein „Management-Buy-out“ das Ruder. Sie gaben einen neuen Kurs vor: Man konzentrierte sich auf Innovationen im Bereich von Hightechgarnen und Umweltschutz.

Sämtliche Produktionsprozesse wurden optimiert, und auch beim Einkauf des Rohmaterials kommen nur noch Produzenten zum Zug, die entsprechende Kriterien erfüllen.

Kurswechsel: Nachhaltigkeit

Die neuen Kapitäne haben außerdem ein Forschungsprojekt gestartet, dem nach einigen Jahren intensiver Arbeit ein durchschlagender Erfolg beschieden war: Um Wolle waschbar zu machen, gab es bis dato nur Verfahren, bei denen Chlor zum Einsatz kommt. Schoeller ist weltweit das einzige Textilunternehmen, das mit dem in Hard entwickelten EXP-Verfahren ohne diese umweltschädliche Chemikalie auskommt.

Neben internationalen Preisen beschert das der Harder „Spinning Group“ noch heute fast täglich Anfragen von weltweit agierenden Kunden, die ihre Erzeugnisse ebenfalls chlorfrei ausrüsten lassen wollen.

„Umweltschutz wird immer mehr zu einem wichtigen Kriterium“, freut sich Haselwander. Mit dem Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch mit 1127 Todesopfern im April 2013 sind auch die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen, mit denen Konzerne bisher ungeschoren den entscheidenden Preisvorteil herausholten, ein Thema.

Auch hier gehört Schoeller weltweit zu den Vorzeigebetrieben. „Der fast familiäre Umgang mit den Mitarbeitern hat bei uns eine Tradition, an der wir immer festhalten werden“, versichert Haselwander. Schon sein Opa und sein Vater waren jeweils 40 Jahre bei Schoeller, er selbst durfte auch als Kind ab und zu mit in die Fabrik. So ist mit Schoeller eine Verbundenheit entstanden, die ihn auch in schweren Zeiten an Bord hielt. Der Umgang mit Textilien, feinen Fasern, Garnen und schönen Farben begeistert ihn und die gesamte Schoeller-Crew ungebrochen.