„Die Höhe ist nicht alles“

Wetter / 20.05.2015 • 18:24 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Bevor Martin Burger nach Vorarlberg kam, war er auch in Oberösterreich bei der Bergrettung aktiv.  Foto: Bergrettung Vorarlberg  
Bevor Martin Burger nach Vorarlberg kam, war er auch in Oberösterreich bei der Bergrettung aktiv. Foto: Bergrettung Vorarlberg  

Die Bergrettung Vorarlberg hat vor Kurzem einen neuen Leiter bekommen.

feldkirch. (VN-sis) Die Fußstapfen, in die Martin Burger tritt, sind alles andere als klein. Sein Vorgänger Gebhard Barbisch war immerhin 15 Jahre lang Landesleiter der Vorarlberger Bergrettung. Doch auch der gebürtige Oberösterreicher bringt mit seinen 38 Jahren bereits einiges an Erfahrung mit. In seiner Heimat, dem kleinen Bergdorf Hinterstoder, war er seit 1996 Mitglied der Bergrettung. 2003 kam er nach Vorarlberg und trat bald darauf der Ortsstelle Rankweil bei, wo er sowohl den Alpin- als auch den Canyoning­ausbildner erwarb. Vor gut zwei Jahren übernahm er die Aufgabe des Geschäftsstellenleiters des Vorarlberger Bergrettungsdienstes. Am 9. Mai wurde er schließlich im Rahmen der diesjährigen Landesversammlung zum neuen Landesleiter gewählt.

Faszination Berge

An seinen ersten Einsatz in Vorarlberg kann sich Martin Burger noch gut erinnern. Ein autistischer Bub war im Sommer 2003 bei einer Bergwanderung mit seinem Vater plötzlich verschwunden. Obwohl Burger zu diesem Zeitpunkt noch nicht Mitglied der Bergrettung war, machte er sich sofort auf den Weg zur Gurtisspitze, um bei der Suche zu helfen. „Das Wetter an diesem Tag war nicht besonders gut. Ich habe mich spontan ins Auto gesetzt und bin losgefahren“, erinnert sich der 38-Jährige. Mit den Worten „Ich bin ebenfalls Bergretter, könnt ihr noch wen gebrauchen?“, habe er den Einsatzkräften vor Ort seine Hilfe angeboten. Dieses Erlebnis habe ihn schließlich dazu angespornt, sich in Vorarlberg so rasch wie möglich einer Ortsstelle der Bergrettung anzuschließen. Heute, knapp zwölf Jahre später, ist Martin Burger als Landesleiter sozusagen das Aushängeschild der Vorarlberger Bergrettung, die aktuell rund 1260 Mitglieder zählt. „Ich vertrete zum einen die Bergrettung nach außen, zum anderen habe ich innerhalb des Vereins die Aufgabe, verschiedene Entscheidungen zu treffen“, erklärt er.

Als Spross einer Bergsteigerfamilie zog es Burger schon immer ins Gebirge. Den höchsten Berg seiner Wahlheimat Vorarlberg, den Piz Buin, hat der begeisterte Alpinsportler ebenfalls bereits erklommen. Die Höhe der Berge sei für ihn jedoch eher nebensächlich. „Jedes Bergerlebnis ist etwas Besonderes. Es geht vielmehr darum, dieses Erlebnis bewusst wahrzunehmen und sich an der Natur zu erfreuen“, betont der Bergretter. „Dabei kann man neue Energie tanken“, ergänzt er. Wie in allen Bereichen des Lebens, so sei auch beim Wandern ein gewisses Maß an Eigenverantwortung Pflicht. „In den Bergen kann das Wetter sehr schnell umschlagen, dessen muss man sich einfach bewusst sein und seine Ausrüstung dementsprechend anpassen“, erklärt der Fachmann. Im vergangenen Jahr wurden die Mitarbeiter der Vorarlberger Bergrettung zu 632 Einsätzen gerufen. Dass die Eigenverantwortung bei vielen Menschen immer mehr sinkt, möchte Martin Burger so jedoch nicht bestätigen: „Die Leute begeben sich nicht bewusst in Gefahr. Oft überwiegt in dem Moment einfach die Freude. Man hat im Prinzip ein Blackout und denkt nicht mehr an die Gefahren.“

Andere Prioritäten

Derzeit ist die größte Freude des 38-Jährigen jedoch nicht das Bergsteigen, sondern sein Nachwuchs. „Mein Sohn ist zehn Monate alt. Da muss man die Prioritäten natürlich etwas anders setzen“, sagt Burger mit einem stolzen Lächeln. Etwas Höhenluft durfte aber auch der Kleine bereits schnuppern: Auf dem Pfänder sei er zum Beispiel schon gewesen.

Jedes Berg­erlebnis ist für mich etwas ganz Besonderes.

Martin Burger

Zur Person

Martin Burger

ist seit 2003 Mitglied der Vorarlberger Bergrettung.

Geboren: 26. September 1976 in Kirchdorf (OÖ)

Ausbildung: Studium internationale Wirtschaftswissenschaften

Wohnort: Bregenz