Millionen fließen in Nachhilfe

Vorarlberg / 20.05.2015 • 21:26 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

6,5 Millionen Euro allein in Vorarlberg; jeder Fünfte nimmt Nachhilfe in Anspruch.

Feldkirch. (VN-sas) Und wieder führt eine Eltern-Befragung vom Institut für empirische Sozialforschung (IFES) vor Augen, dass der Bedarf an Nachhilfe ungebrochen hoch ist – auch in Vorarlberg. Laut Umfrage gab ein Fünftel der Eltern an, für den Nachwuchs bezahlte Nachhilfe in Anspruch zu nehmen – dieser Wert veränderte sich im Vergleich zum vergangenen Schuljahr nicht.

Rund die Hälfte der befragten Eltern ist durch bezahlte Nachhilfe stark oder spürbar belastet. „Ein Alarmzeichen, weit über schulische Belange hinaus“, findet Gerhard Ouschan, Leiter des Bildungsbereiches der Arbeiterkammer Vorarlberg, kritische Worte. Denn wenn berücksichtigt werde, dass selbst 13 Prozent der Schüler aus Familien mit einem Haushaltsnettoeinkommen von 1600 Euro netto oder weniger bezahlte Nachhilfe in Anspruch nahmen, „wird sehr deutlich, welche Belastung dies für diese Familien bedeutet“.

Zweiter Platz bundesweit

Der Umfrage zufolge beläuft sich die Gesamtbelastung für Nachhilfe für die davon betroffenen Haushalte im Land pro Schuljahr durchschnittlich auf 844 Euro. Mit dieser Summe steht Vorarlberg nach Wien – in der Bundeshauptstadt werden pro Schuljahr im Schnitt 882 Euro ausgegeben – auf dem unrühmlichen zweiten Platz. Insgesamt geben die Eltern bis Ende des laufenden Schuljahrs in Vorarlberg 6,5 Millionen Euro für Nachhilfe aus. Österreichweit sind es 119 Millionen Euro.

Bemerkenswert sei, so Ouschan, die Zunahme von bezahlter Nachhilfe von Schülern der AHS-Unterstufe in den vergangenen drei Jahren. Während es im Jahr 2013 noch elf Prozent der Schüler waren, so seien es im aktuellen Schuljahr 18 Prozent.

„Fünfer“ verhindern

Generell gelte übrigens: Für 29 Prozent der Schulkinder wird Nachhilfe für eine Nachprüfung organisiert – oder dafür, um eine negative Note zu verhindern. Dieser Wert hat sich im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozent erhöht, weiß Ouschan. Und Mathematik sei nach wie vor jenes Fach, für das im Durchschnitt am häufigsten Nachhilfe organisiert werden muss. Bemerkenswert sei auch, dass der Befragung zufolge jeder zweite Elternteil auch über die Nachhilfe hinaus mit seinen Kindern lernen und die Hausübungen kontrollieren muss. Viele Eltern würden sich nicht nur fachlich schwer tun, dies zu bewältigen, sondern sich dadurch auch „zeitlich sehr belastet“ fühlen.

Forderungen der AK

Die AK Vorarlberg hat ein „Forderungs-Paket“ zusammengestellt: So will Ouschan nicht nur die „Sicherstellung des Ausbaus von Ganztagsschulen mit verschränktem Unterricht unter strenger Qualitätskontrolle“ gewährleistet wissen, sondern auch die Information der Eltern, was unter verschränkter Ganztagsklasse zu verstehen ist. Mit erster Forderung einher gehe auch der Ausbau qualitativ hochwertiger Förderangebote an den Schulen. Denn: „Das Nachhilfe-Monitoring zeigt ganz klar, dass Nachhilfe durch die Ganztagsschule eingedämmt werden kann.“

Auch fordert Ouschan neben der Aufwertung der frühen Bildungsjahre eine Neuausrichtung der Schulfinanzierung unter Berücksichtigung der Entwicklung einer qualitativen, ergebnisorientierten Schulautonomie.

„Eine indexbasierte

Mittelverteilung soll sicherstellen, dass alle Kinder die gleichen Chancen erhalten – unabhängig vom sozialen Status der Familie.“

Nachhilfe im Land

» Insgesamt geben die Vorarlberger Eltern bis Ende des laufenden Schuljahres 6,5 Millionen Euro für Nachhilfe aus. Im Schnitt sind das 884 Euro.

» In 78 Prozent der Fälle bringt Nachhilfe den gewünschten Erfolg. Interessanterweise ist die unbezahlte Nachhilfe mit 86 Prozent aber erfolgreicher als die bezahlte Nachhilfe (73 Prozent).

» Mathematik ist jenes Fach, für das am häufigsten Nachhilfe gegeben werden muss (63 Prozent).