Pfingsten wird ein unterkühltes Fest

Vorarlberg / 20.05.2015 • 20:59 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Radfreak Luke hat kein Problem mit dem Schnee am Arlberg.
Radfreak Luke hat kein Problem mit dem Schnee am Arlberg.

Niederschläge vom Mittwoch fielen weniger intensiv aus als befürchtet. Es bleibt unbeständig.

Bregenz. (VN-hk) „Nur auf potenzielle Gefahren wies die Wetterwarnung hin, nicht auf wirkliche. So kam es dann auch.“ Günter Scheibenreif (52), Wettertechniker der ZAMG Außenstelle Bregenz, muss deshalb auch keine besorgniserregende Meldung machen. „Den Niederschlagsrekord hatte Laterns mit 45 Millimeter Regen, in Brand gab’s 41 Millimeter. Sonst waren es durchschnittlich 20 Millimeter, die herunterkamen.“ Scheibenreif spricht über den Mittwoch. Ein Tief hat Vorarlberg zwar im Griff, aber niemand muss Angst haben.

Es bleibt kühl

Von einem Wetter, wie man es sich zu Pfingsten wünscht, sind wir jedoch sehr weit entfernt. Es bleibt nämlich weiterhin kühl und regnerisch, nur ganz langsam kommt auch das Wort „heiter“ auf den Wettermodellen wieder vor. „Die Temperaur steigt maximal um ein Grad pro Tag. Erst von Pfingstsonntag auf Pfingstmontag wird das Thermometer wieder einen Sprung auf 20 Grad machen“, prophezeit Scheibenreif.

In puncto Niederschläge dürfte das Schlimmste bereits vorbei sein. Die regenfreien Phasen werden mehr, ab Samstag im Laufe des Tages sollte es dann endgültig trocken bleiben.

Angesichts der Wettervoraussagen waren am Mittwoch Experten der Abteilung Wasserwirtschaft des Landes unterwegs. Sie überprüften die Pegelstände diverser Gewässer in Vorarlberg. „Das ist eine reine Vorsichtsmaßnahme“, erklärt Reinhard Eberle (46), der am Mittwoch Dienst hatte und durch das Land zog. „Wir registrierten nirgendwo besorgniserregende Situationen. Es hatten zwar alle Gewässer mehr Wasser als gewöhnlich, ganz besonders der Rhein. Aber: Wir waren weit weg von einer brenzligen Lage.“ Als Beispiel führt Eberle den Wasserstand der Bregenzerach bei Kennelbach an. „Dort registrierten wir am Mittwoch eine Höhe von 210 Zentimetern. Aber erst bei 250 Zentimetern ist die Vorwarnstufe erreicht.“

Erleichtert wurde die Situation zudem durch den Schneefall, den es in der Nacht auf Mittwoch bis auf 1200 Meter gab. „Der Schnee bleibt ja eine gewisse Zeit liegen und wird erst später zu Wasser. Daher bedeutet er zunächst einmal keine Gefahr“, erklärt Experte Eberle.

Für Bauern noch kein Problem

Auch in der Landwirtschaft macht man sich aufgrund der regnerischen Tage derzeit noch keine Sorgen. Harald Rammel (47), in der Vorarlberger Landwirtschaftskammer für Gemüsebau verantwortlich: „Solche Regentage gibt es im Frühjahr immer wieder. Wenn es nicht schlimmer wird, kommt die Landwirtschaft damit gut zurecht. Mir sind bisher noch keine Schäden gemeldet worden.“

Rammel gewinnt dem Regenwetter sogar positive Seiten ab: „Es herrscht derzeit richtiges Wachswetter. Dafür ist auch der Regen zuständig.“ Gut für die Gemüsebauern. Die Felder sind großteils bestellt. Das heißt: Man kann die Pflanzen auf dem Feld wachsen lassen und muss derzeit nicht zwingend mit Maschinen durch die nassen Äcker fahren.

Gefährliches Hochgebirge

Abgeraten wird von Experten derzeit jedoch von Wanderungen und Touren im Vorarlberger Hochgebirge. Aufgrund des niederschlagsreichen, nasskalten Wetters sei die Gefahr von Lawinenabgängen und von Steinschlag gegeben, heißt es in einer Aussendung der Landeswarnzentrale.

Es gab einen beträchtlichen Neuschneezuwachs. Die Bindung zur Altschneedecke wird von den Fachleuten als nicht allzu gut beschrieben. Speziell oberhalb von 2000 Metern stieg die Lawinengefahr deutlich an, und das besonders im Norden des Landes, aber auch im Verwall, der Silvretta und im Rätikon. Für Wanderer heißt es: bitte warten.

Erst von Sonntag auf Montag macht das Thermometer wieder einen deutlichen Sprung.

Günter Scheibenreif