Wettlauf mit der Quote hat wieder begonnen

Politik / 20.05.2015 • 22:27 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Ob mit dem Boot, per Lkw, per Pkw oder zu Fuß: Flüchtlinge nehmen unglaubliche Wege auf sich, um nach Europa zu gelangen. Foto: Reuters
Ob mit dem Boot, per Lkw, per Pkw oder zu Fuß: Flüchtlinge nehmen unglaubliche Wege auf sich, um nach Europa zu gelangen. Foto: Reuters

Asylquote soll bis Juli erfüllt sein. Wohnungsproblem für anerkannte Flüchtlinge.

Schwarzach. Umgeben von Einfamilienhäusern, mit Blick auf umliegende Wälder, liegt das Seminarhaus Lichtquell in Thüringerberg. Es steht zum Verkauf. Ein Investor hat einen Plan: Er will es der Caritas langfristig vermieten, damit diese 25 Flüchtlinge unterbringen und betreuen kann. Im Jänner traf sich der zuständige Makler mit Bürgermeister Wilhelm Müller, Vizebürgermeister Bertram Janz und Martin Fellacher von der Caritas, um Details zu klären. Anschließend wurde die Gemeindevertetung in einer außerordentlichen Sitzung informiert. Im Protokoll vom 29. Jänner 2015 ist Folgendes festgeschrieben: „In der längeren Diskussion in der Gemeindevertretung zeigte sich, dass man aus humanitären Gründen verpflichtet sei, einen Beitrag zur Unterbringung der Flüchtlinge zu leisten. Die Konzentration auf ein Haus (…) wird nicht positiv gesehen.“

Der Caritas geht es derzeit in zahlreichen Gemeinden ähnlich. Verhandlungen laufen vielerorts, denn Quartiere werden dringend benötigt. Vorarlberg ist wieder Schlusslicht, was die zugesagte Quote zur Aufnahme von Flüchtlingen betrifft. Nicht nur, dass Quartiere für die Erstaufnahme fehlen, auch Wohnungen für anerkannte Flüchtlinge sind rar. Doch Martin Fellacher ist sich sicher: „Das Potenzial, die Quote zu erfüllen, ist da.“ Sicherheitslandesrat Erich Schwärzler (ÖVP) ist guter Dinge, bis Anfang Juli wieder 100 Prozent zu erreichen. Zeltstädte sind aber nicht geplant, und Container sind vom Tisch. Laut Fellacher könnten befestigte Holzbauten entstehen.

Das Problem in Zahlen: Knapp über 1400 Asylwerber befinden sich aktuell in Vorarlberg, das sind 89 Prozent der zugesagten rund 1600. Vorarlberg hat mit Bund und Ländern vereinbart, 4,4 Prozent aller Asylwerber unterzubringen. Da diese Zahl derzeit mit 250 Anträgen pro Tag stetig höher wird (siehe Interview unten) steigt auch der Platzbedarf. Derzeit betreut die Caritas Flüchtlinge in 47 Gemeinden, dazu kommen noch weitere, die nicht in deren Obhut sind. Die Zahl der Kommunen könnte bald steigen, wie Fellacher erklärt: „Derzeit verhandeln wir.“ Der Kooperationswille sei allerdings unterschiedlich. Harald Köhlmeier, Bürgermeister von Hard und Obmann des Gemeindeverbandes, bekräftigt aber: „Die Gemeinden sind sich ihrer humanitären Verantwortung bewusst und der Wille ist da, im Rahmen der Möglichkeiten zu helfen.“ Soll heißen: „In verträglichem Maß und, wenn möglich, nicht in Zelten.“ Erich Schwärzler vertritt denselben Standpunkt: „Ich hoffe, wir brauchen keine Zeltstädte. Auch bei Zelten muss irgendjemand zustimmen.“ Zum Problem der fehlenden Quartiere gesellt sich ein zweites: der Vorarlberger Wohnungsmarkt.

500 Wohnungen benötigt

„Wir sind in einer Doppelschere“, erklärt Schwärzler: „Einerseits kommen täglich neue Flüchtlinge, andererseits haben wir keine freien Wohnungen für anerkannte Flüchtlinge, damit der Platz in den Quartieren wieder frei wird.“ Vorarlberger Wohnungen sind in der Regel sehr gut ausgestattet, was sie dementsprechend teuer macht. „Mit sehr hohen Mieten“, wie Michael Natter von der Caritas-Wohnungshilfe beschreibt. Mit Stichtag 28. Februar waren Natter 121 solcher Fälle bekannt: 80 Einzelpersonen und 41 Familien. „Wir werden dieses Jahr weitere 500 Wohnungen brauchen“, ist sich Natter sicher.

In Thüringerberg ist das Projekt indes noch nicht vom Tisch, wie Bürgermeister Müller bestätigt: „Erst am vergangenen Freitag gab es wieder Gespräche. Wir sind allerdings eher an kurzfristigen Mietverträgen interessiert.“ In den zuständigen Landesgremien hält man sich bezüglich der Gemeinden, mit denen Verhandlungen laufen, bedeckt. Zu groß ist die Angst, dass sie abspringen.

Sie haben eine freie Wohnung, die sie anerkannten Flüchtlingen vermieten würden? Bitte bei wohnungen@caritas.at oder 05522/200-1222 melden.