Wohliges Zuhause mit Seele und Geschichte

Vorarlberg / 20.05.2015 • 19:36 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Räumliche Lebensqualität und Charme bis unters Dach.
Räumliche Lebensqualität und Charme bis unters Dach.

Im sanierten Bregenzerwälderhaus von Helmut Kohler steckt jede Menge Herzblut.

Andelsbuch. Es war zweifelsohne ein Abenteuer, auf das sich der 47-jährige Helmut Kohler mit der Sanierung seines Wälderhauses eingelassen hat. Auch wenn der Andelsbucher aufgrund seiner beruflichen Vergangenheit als Zimmerer den Aufwand ansatzweise abschätzen konnte: Wirklich im Detail durchkalkulieren lässt sich ein mehr als 250 Jahre altes Haus eben nicht.

„Wir haben schon zehn Jahre in diesem Haus gewohnt und hatten einen emotionalen Bezug dazu. Mir war daher von vornherein klar, dass ich etwas Besonderes daraus zaubern wollte“, erklärt der Bauherr die Entscheidung, das Elternhaus seines Vaters einer Sanierung zu unterziehen. „Ich finde es schade, dass alte Häuser zusehends aus unserer Landschaft verschwinden. Für mich kam ein Abriss des Hauses und somit ein Neubau nicht in Frage“, betont Helmut Kohler. Und auch vier Jahre nach Projektstart ist für den einstigen Weltenbummler klar: Es war die richtige Entscheidung.

In Eigenregie

Eine Entscheidung, die in den vergangenen Jahren kaum Freizeit zugelassen hat. Auch deshalb, weil der Bauherr sein Haus praktisch von der Planung an in Eigenregie saniert hat. „Ich habe alle Räume auf Papier gebracht und mit Hilfe eines Planungsbüros die Details ausgearbeitet“, erläutert der Bregenzerwälder. Als gelernter Zimmerer war auch das Know-how vorhanden, Raum für Raum die Bausubstanz auf ihre Qualität zu überprüfen. Im Anschluss ist es vor allem der Hilfe vieler guter Freunde zu verdanken, die im Rahmen von vielen Arbeitsstunden das traditionsreiche Bregenzerwälderhaus für das nächste Jahrhundert fit gemacht haben. Unter anderem dank einer komplett sanierten und mit zwölf Zentimeter neu isolierten Außenhülle, nach altem Vorbild nachgebauten Schiebefenstern, einer Erdwärme-Heizung und einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach.

Einzigartig: Nahezu jedes alte Brett hat eine neue Bestimmung gefunden. „Das damals verwendete Holz kann man heute nicht mehr nachkaufen. Ich wollte es bestmöglich wiederverwenden“, erzählt Kohler. Wie? Unter anderem in neuen Möbelstücken – freilich in Eigenregie geplant und gebaut. Alte Hölzer verleihen so etwa der Sitzecke in der Küche einen ganz besonderen Charme.

Noch viel Arbeit

Doch auch nach vier Jahren ist das Haus noch nicht fertig. Am Giebel sind Arbeiten ausständig, und auch die Erhaltung des Kellers mit gemauerten Rundsteinen wird den Bregenzerwälder noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Bewohnt wird das Haus von Helmut Kohler, seiner Lebensgefährtin und ihrem Kind aber bereits seit vergangenem Jahr. „Das Raumklima und die Atmosphäre sind fantastisch“, schwärmt er und ist sich sicher: „Man fühlt die Seele und Geschichte des Hauses.“

Wissenswertes

Förderungen. Wohnhaussanierungen werden in Vorarlberg mit Barzuschüssen von zehn bis 30 Prozent der anrechenbaren Sanierungskosten gefördert – oder mit Darlehen über 20 Jahre mit einem Prozent Fixzinssatz von 40 bis 85 Prozent der Sanierungskosten.

Zufriedenheit. Laut einer Umfrage der Deutschen Energie-Agentur unter Eigentümern energetisch sanierter Häuser empfehlen 98 Prozent Freunden und Bekannten eine energetische Sanierung, 97 Prozent wollen nie wieder in unsanierten Gebäuden wohnen.

„Best Practice“ ist eine redaktionell unabhängige Serie der VN mit Unterstützung der Landesregierung.