Der Räuber kam während der Nagelpflege

Vorarlberg / 21.05.2015 • 22:40 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Zwei Heldinnen: Isabell Tschann (r.) und Tamara Zech. privat  

Zwei Heldinnen: Isabell Tschann (r.) und Tamara Zech. privat  

Chefin und Kundin eines Nagelpflegestudios beobachteten Täter vor und nach dem Überfall.

Nüziders. 9. Juli 2014: Isabell Tschann pflegte gerade die Nägel ihrer Kundin Tamara Zech, als ihnen beim Blick aus dem Fenster etwas Sonderbares auffiel: „Da lief ein maskierter Mann mit Regenmantel und etwas Langem, Schwarzem in der Hand in die Raiffeisenbank neben uns. Sofort ist uns durch den Kopf gegangen, dass das nur ein Räuber sein kann.“ Die 37-jährige Nagelpflegerin reagierte sofort. „Ich versperrte die Geschäftstüren und warnte auch das Friseurgeschäft nebenan. Ich rief: Leute, sperrt die Bude zu, bringt eure Kundschaft in Sicherheit!“ Gleichzeitig alarmierte ihre Kundin Tamara telefonisch die Polizei.

Es währte nicht lange, bis der Unbekannte wieder aus der Bank kam. Nichts, was er dann tat, entging den wachsamen Augen der beiden Damen. „Er hatte einen Sack in der Hand, bewegte sich ganz langsam und unauffällig. Wir beobachteten, wie er sich seelenruhig umzog, in ein Fahrzeug stieg und davonfuhr.“ Tamara, die noch die Polizei an der Strippe hatte, gab den Beamten bei dieser Gelegenheit natürlich auch das Kennzeichen durch.

Anschließend wurden die beiden Zeuginnen zur Polizeiinspektion Bludenz gebeten. Auf dem Weg dorthin, es war bei einem Torbogen in Bludenz, lief ihnen der Täter zufällig über den Weg. Dabei warf er etwas in einen Blumentrog. Während Tamara die Polizei informierte, fasste sich Isabell ein Herz und verfolgte den Mann bis in ein Café.

„Immer noch verhielt er sich unauffällig und ruhig“, erinnert sich die Nagelpflegerin. Da kamen auch schon zwei Polizisten ins Lokal. Die 37-Jährige identifizierte den Verdächtigen sofort, er wurde festgenommen.

Schrotpatronen im Trog

Als anschließend der Blumentrog und das Fahrzeug untersucht wurden, war die Sache klar: Im Trog fanden sich zwei Schrotpatronen, im Pkw die gesamte Raubbeute, eine abgesägte Schrotflinte und die Tatbekleidung. Der Räuber wurde mittlerweile am Landesgericht Feldkirch zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren verurteilt.

Sofort ist uns durch den Kopf gegangen, dass das nur ein Räuber sein kann.

Isabell Tschann

KSÖ-Sicherheitspreis

Das Kuratorium Sicheres Österreich (KSÖ) verleiht wieder den Sicherheitspreis. Damit werden private Personen ausgezeichnet, die sich im Jahr 2014 um die Aufklärung von Verbrechen verdient gemacht haben. Es sind Helden des Alltags, die durch ihr couragiertes Verhalten einen besonderen Beitrag bei der Unterstützung der Polizei und damit für die Sicherheit der Bevölkerung geleistet haben. Einige von ihnen stellen wir in dieser Serie vor.