Freudenhaus in Richterhand

Vorarlberg / 21.05.2015 • 19:13 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Bordell in Hohenems: Es bleibt spannend.  Foto: VN/Paulitsch
Bordell in Hohenems: Es bleibt spannend. Foto: VN/Paulitsch

Verhandlung über Bordell am Verwaltungsgericht. Neue Beweisanträge abgelehnt.

Bregenz. Ein Urteil über die Beschwerde gegen den abschlägigen Bescheid der Stadt Hohenems auf den Antrag zur Errichtung eines Bordells gibt es noch nicht. „Das ergeht schriftlich“, sagte Richter Dr. Wilfried Schneider am Ende der nur circa eineinhalb Stunden dauernden Verhandlung am Vorarlberger Verwaltungsgericht. Den Beweisantrag der klagenden Partei zu weiteren Ermittlungen im Zusammenhang mit illegaler Prostitution in Vorarlberg lehnte er ab.

Harter Kampf

Dabei drehte sich in der Verhandlung alles um eine umstrittene Fragestellung: Kann ein Bordell illegale Prostitution verhindern? So stellte sich die Frage offensichtlich für die Ermittler. Kann ein Bordell illegale Prostitution reduzieren? Darauf wollten Antragsteller Hermann Hahn (57) und sein Anwalt Sanjay Doshi (37) eine Antwort bekommen. Sie beziehen sich dabei auf das Vorarlberger Sittenpolizeigesetz, wonach ein Bordell dann zu bewilligen ist, wenn dieses durch gewerbsmäßige Unzucht hervorgerufene Störungen einschränkt. Seit vier Jahren kämpft der Bürserberger Unternehmer um die Bewilligung für ein Freudenhaus – für ihn ein Slalom zwischen Hoffnung und Rückschlägen bei Behörden und Gerichten. Die Stadt Hohenems ihrerseits wehrt sich mit Kräften gegen ein Bordell, das an der Peripherie der Kommune nahe dem Flugplatz errichtet würde.

Polizist im Mittelpunkt

Im Mittelpunkt der von Richter Schneider geführten Verhandlung stand die Befragung des Vertreters der Landespolizeidirektion Mario Breuss (37) über die getätigten Ermittlungen. Er wisse nicht, ob es illegale Prostitution durch Haus- und Hotelbesuche in Hohenems gebe, sagte Breuss. Darauf Anwalt Doshi: „Wir haben aus Beweisgründen einschlägige Telefonnummern, die in Zeitschriften zu finden sind, angerufen. Dort erklärten sich Damen bereit, sofort nach Hohenems zu kommen. Haben Sie bei Ihren Ermittlungen nie solche Nummern angerufen?“ Breus: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Nummern angerufen wurden. Im Übrigen verraten die ja nicht, ob die Prostituierte auch in Vorarlberg wohnt.“ Daraufhin Doshi: „Sie glauben also, dass etwa Prostituierte aus Tirol in Vorarlberger Zeitschriften Anzeigen schalten?“ Breuss: „Vom Oberland wäre es ja nicht weit ins Tirol.“

Das Geschäftsmodell

Markus Pinggera (41), Anwalt der Stadt Hohenems, wollte vom Polizei-Sprecher wissen, ob ein legales Bordell in Hohenems zu einem Bordelltourismus führen würde. „Davon ist auszugehen“, antwortete Mario Breuss. Von Antragsteller Hermann Hahn wollte Pinggera Informationen über dessen Geschäftsmodell, sollte er ein Bordell betreiben. Darauf dieser: „Geplant ist eine Kontaktbar im Erdgeschoß. Dort können Freier mit den Prostituierten anbahnen. Der Freier zahlt einen Eintritt fürs Haus. Darin inkludiert ist Essen und Trinken. Das Übrige macht er mit der Dame aus.“ Hahn betonte, dass die Liebesdienerinnen eine Anstellung bekommen würden. „Sie könnten auch im Haus wohnen.“ Zwischen 35 und 40 Personen würde der Antragsteller laut eigener Aussage im Bordell anstellen wollen.

Keine Antwort

Anwalt Doshi wollte vom aussagenden Polizeibeamten wissen, ob im Zusammenhang mit illegaler Prostitution über Erfahrungen der Polizei in anderen Bundesländern und in der benachbarten Ostschweiz Erkundigungen eingezogen wurden. Konkret darüber, ob es Hinweise darauf gibt, dass illegale Prostitution durch legale Bordelle eingeschränkt würde. Breuss konnte darauf keine Antwort geben. Der Anwalt des Bordell-Werbers stellte darauf den Antrag auf Ausweitung der Ermittlungen in diese Richtung. Richter Schneider lehnte das ab.

Das Urteil an die Parteien ergeht schriftlich. Hermann Hahn und Sanjay Doshi geben sich schon jetzt kämpferisch. Sollte es ein für sie negatives Ergebnis geben, wollen sie dieses erneut mit allen Mitteln bekämpfen.

Es geht hier darum, die richtige Frage zu beantworten.

Sanjay Doshi