„Habe mich mit meiner Nervosität versöhnt“

Wohin / 21.05.2015 • 14:13 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Hubert von Goisern hat viele musikalischen Ideen, die er noch umsetzen möchte.  Foto: APA
Hubert von Goisern hat viele musikalischen Ideen, die er noch umsetzen möchte. Foto: APA

Hubert von Goisern präsentiert in Rankweil sein neues Album „Federn“

Schwarzach. Im Juni gastiert der österreichische Musiker beim Open Air am Marktplatz in Rankweil. Hubert von Goisern war auf Musiksuche im Süden der USA, und was er von da mitgebracht hat, ist beeindruckend. Der Künstler im VN-Interview.

Du hast schon sehr früh deine Leidenschaft für Musik entdeckt. Was gab damals den Ausschlag dafür?

Von Goisern: Als ich ein Kind war, ist zu Hause den ganzen Tag das Radio gelaufen. Viel Klassik, das Wunschkonzert, Lehár und Strauß, leichte Operettenmelodien. Das hat mich schon geprägt. Als Fünfjähriger wollte ich Dirigent werden. Später kamen die Beatles. Mit zwölf Jahren habe ich in der Blaskapelle angefangen, Trompete zu spielen, wurde aber ein paar Jahre später wegen meiner langen Haare hinausgeworfen. Mein Trompetenlehrer war trotzdem eine Inspiration für mich. Er hat mir immer vermittelt, dass Musik etwas Lässiges ist.

Was, neben der Musik, macht dir sehr viel Spaß?

Von Goisern: Ich bin gerne in der Natur. Gerne in den Bergen.

Du bist ja auch gerade im Kino zu sehen. „Brenna tuat‘s schon lang“ – ein filmisches Porträt über dich. In einem Interview hast du gesagt: „Von den schlimmsten Sachen in meiner Karriere gibt es kein Filmmaterial“. Verrätst du uns eine dieser Situationen in deiner Karriere?

Von Goisern: Sicher nicht! Ein paar schlimme kann man ja im Film schon sehen.

Und was waren deine zwei schönsten Höhepunkte als Musiker?

Von Goisern: Das bisher größte und für mich beeindruckendste Projekt war bislang die Linz-Europa-Tour, wo wir mit einem umgebauten Frachtschiff zwei Sommer lang die Donau und den Rhein/Main hinauf- und hinabgefahren sind. Vor allem in Osteuropa, wo wir viel Unvorhergesehenes erlebt haben, war es spannend. Die Zusammenarbeit mit so vielen verschiedenen Künstlern, das Reisen auf dem Schiff, die Landschaft, das enge Zusammenleben – das war schon ein besonderes Erlebnis. Ich glaube an Europa. Und ich denke, dass vielleicht doch das eine oder andere deswegen passiert, weil dieses Schiff unterwegs war.

Du hast gerade dein neues Album „Federn“ herausgebracht . . .

Von Goisern: „Federn“ ist inspiriert durch eine Reise in den Süden der USA. Ich hatte das Gefühl, diese allgemeine Ablehnung der Vereinigten Staaten hat auch auf mich übergegriffen. Ich dachte, ich kann gegensteuern, nicht nur für mich persönlich, auch darüber hinaus, Verständnis füreinander entwickeln, indem man etwas miteinander macht. Dafür bin ich da hingefahren, wo es am meisten weh tut: in den Bibelgürtel, in die Südstaaten. Abgesehen davon hat mich Countrymusik auch interessiert – sie ist ja nichts anderes als Volksmusik, die vor 200 Jahren in die USA gebracht und dort amerikanisiert wurde.

Bist du vor deinen Auftritten noch nervös oder kennst du das nicht mehr?

Von Goisern: Doch, ganz fürchterlich. Ich habe mich aber versöhnt mit meiner Nervosität. Es würde mich inzwischen noch nervöser machen, wenn ich nicht nervös wäre.

Betrachtet man dein bisheriges künstlerisches Schaffen, bist du niemand, der sich auf seinen Lorbeeren ausruht. Wie sehen deine nächsten Projekte nach der Tournee aus?

Von Goisern: Ich hoffe, dass mein „Amerika-Projekt“ weitergeht. Aber es ist kein Plan. Jetzt gehen wir erst einmal mit den Songs auf Tour. Es kommt noch ein amerikanischer Musiker dazu, Bob Bernstein, an der Pedal Steel. Steve Fishell, sein „Vorgänger“, hat nach den Konzerten im Herbst gesagt, er hat noch nie so eine geile Tour gespielt. Es war alles ganz anders, als er es sich vorgestellt hat. Das ist doch ein Anfang. Diese Leute kehren mit einer Geschichte nach Amerika zurück. Wenn er nur ein paar der Geschichten weitererzählt, die er hier erlebt hat, dann sind wir schon ein Stück weiter.

Zur Person

Hubert Achleitner
alias Hubert von Goisern

Geboren: 17. November 1952

Wohnort: Salzburg

Familienstand: verheiratet

Hubert von Goisern ist am 5. Juni beim Open Air am Marktplatz in Rankweil zu sehen. Karten: Musikladen.