„Wehren uns gegen Monsanto & Co“

Vorarlberg / 21.05.2015 • 21:22 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Vertreter von SÖPPS, Kurt Walser und Wolfgang Waldner, laden auch heuer wieder ein, auf die Straße gegen Monsanto mitzugehen.  MK
Die Vertreter von SÖPPS, Kurt Walser und Wolfgang Waldner, laden auch heuer wieder ein, auf die Straße gegen Monsanto mitzugehen. MK

Gewarnt wird vor der Macht der Konzerne und den Auswirkungen von Freihandelsab­kommen wie TTIP.

schwarzach. (VN-vdk, hrj) Wolfgang Waldner und Kurt Walser studieren Soziale Arbeit an der Fachhochschule Vorarlberg. Beide gehören SÖPPS – der sozialpolitischen und ökonomischen Plattform von Studenten der FH Vorarlberg – an und organisieren den March against Monsanto mit, der am Samstag um 14 Uhr in Bregenz beim Seeparkplatz loszieht.

Was hat euch bewogen, den March against Monsanto heuer wieder zu veranstalten?

WALDNER: Der Erfolg vom letzten Jahr gab uns Recht, dass es Bedarf an dieser Veranstaltung gibt. Über 3500 Menschen nahmen teil. Wir hoffen, dass heuer über 5000 dabei sein werden.

Worum geht es euch konkret bei der Demonstration?

WALDNER: In erster Linie wollen wir Bewusstsein schaffen. Wir wollen vor der Macht von Konzernen wie Monsanto und vor den Auswirkungen von Freihandelsabkommen wie TTIP und CETA sowie von Fracking warnen. Monsanto ist der größte Saatguthersteller der Welt und will mittels TTIP durch die Hintertüre gentechnisch verändertes Saatgut nach Europa importieren. Zudem wollen wir darauf aufmerksam machen, was falsch läuft, was verändert werden müsste. Werden beispielsweise Handelsabkommen wie TTIP und CETA abgeschlossen, werden börsennotierten Weltkonzernen und der Finanzindustrie Tür und Tor geöffnet.

WALSER: Wichtig ist, dass die Menschen informiert sind. Dabei geht es auch um die Kennzeichnungspflicht. Konzerne wie Monsanto wollen sie abschaffen, weil zukünftige Gewinne geschmälert werden. In der Folge können die Konzerne klagen. Dabei geht es um enorme Summen. Die Prozesse finden vor privaten Schiedsgerichten statt, die nicht anfechtbar sind. Und das darf hier nicht passieren. Ich frage mich, wieso Politiker so etwas zulassen. Also müssen wir anfangen unangenehme Fragen zu stellen, wie: Wem nützt es? Wem schadet es? Wir müssen jetzt über die Kompetenzen der Politiker neu nachdenken. Das heißt, ich habe bei keiner Wahl zugestimmt, dass wir in Zukunft jene Risiken eingehen, über die unsere Politiker jetzt bestimmen. Ihnen geht es um kurzfristige Erfolge. Und da ich als Bürger von Österreich beziehungsweise der EU die Rechnung zahle, möchte ich auch mitbestimmen können – schon um der nachfolgenden Generationen willen.

In Europa und auch in den USA steigt die Zahl der Kritiker und Gegner des geplanten EU-USA-Freihandelsabkommens TTIP. Spürt ihr das als Aktivisten?

WALSER: Ja. Und zu erleben, wie die Front gegen TTIP
und andere Freihandelsabkommen sowie Fracking immer breiter wird, macht uns Mut.

Die Verhandlungen zu TTIP werden trotz Gegenwind unbeirrt weitergeführt, wenn auch stockend. Wie seht ihr die Chancen auf einen Abschluss?

WALDNER: Es hängt von uns ab, welchen Druck wir aufbauen können. Wenn wir still sind, wird TTIP beschlossen. Wenn wir die Politiker in die Verantwortung nehmen, schaffen wir es.

WALSER: Ich denke schon, dass wir eine Chance haben. Wir müssen nur den Druck aufrechterhalten. Jetzt entscheiden wir wesentliche Dinge, die nicht mehr rückgängig gemacht werden können. Also müssen wir aufpassen. Im Übrigen betone ich: Wir sind weder Gegner der EU noch der
USA noch der Wirtschaft. Es geht um die Frage, wie viel globale Wirtschaft und wie viel Eigenständigkeit. Es
geht auch darum, dass wir gemeinsam Kraft sammeln, indem wir uns vernetzen. Das passiert jetzt mit Söpps Plus. Dort behandeln wir Themen im Rahmen eines Forums für ethisches Wirtschaften.

Was wollt ihr den jungen Menschen mit eurer Warnung, „in unserem System ist etwas faul“ mitteilen?

WALSER: Die Art, wie wir denken, wird von unserem System beeinflusst. Wir lernten beispielsweise von unseren Eltern erfolgreich zu sein. Widerstand leisten ist hingegen seit der Nachkriegsgeneration nicht mehr so gefragt. Junge Leute können das jedoch lernen.

Auf die Straße

. . . gegen Monsanto – March against Monsanto

Samstag, 23. Mai 2015, 14 Uhr, Bahnhofstraße beim Seeparkplatz

» Organisatoren: SÖPPS, attac, Initiative Gentechnikfreie Bodenseeregion, vbds etc.

» Forderungen: Gesunde Lebensmittel ohne Gentechnik, Schutz des Grundrechts auf Austausch, Erhaltung, Nachbau, Weiterentwicklung und Verkauf von Saatgut, Förderung regionaler kleiner Landwirtschaft, aktiver Widerstand der Politik gegen Patente auf Leben sowie gegen Freihandelsabkommen wie TTIP, TISA, CETA.