Ärzte ohne Grenzen rettet Flüchtlinge im Mittelmeer

Politik / 22.05.2015 • 22:48 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Bisher 1800 Menschen von zwei Rettungsschiffen geborgen.

wien, rom. Die internationale Hilfsorganisation Médecins Sans Frontières/Ärzte ohne Grenzen (MSF) ist mit zwei Schiffen im Mittelmeer südlich von Sizilien im Einsatz, um in Seenot geratene Bootsflüchtlinge zu bergen und medizinisch zu versorgen. Seit 2. Mai wurden 1800 Menschen gerettet.

„Die Flucht über das Mittelmeer stellt eine tödliche Gefahr dar“, sagt der Präsident von Ärzte ohne Grenzen Österreich, Reinhard Dörflinger. „Wir können nicht an der Küste stehen und zusehen, wie die Leichen an Land gebracht werden.“ Es sei deutlich ersichtlich, dass die restriktive Flüchtlingspolitik der EuropäischenUnion die Menschen auf immer gefährlichere Fluchtrouten treibt. „Derzeit gibt es für Menschen, die vor Krieg und Bedrohung flüchten, keinen legalen Weg, in Europa um Schutz anzusuchen“, stellt Dörflinger klar.

Im vergangenen Jahr wurden von Ärzte ohne Grenzen insgesamt 26.000 Flüchtlinge bei ihrer Ankunft medizinisch erstuntersucht. Auch der psychologische Status würde erhoben.

Viele der Ankommenden seien durch die Zustände in ihrem Herkunftsland und die Überfahrt traumatisiert. „Das ist ein neuer und ungewöhnlicher Einsatz für uns“, kommentierte Irene Jancsy, Leiterin der Kommunikationsabteilung der Hilfsorganisation. Stefano Di Carlo, Leiter der MSF-Mission in Italien, kritisiert, dass bei der aktuellen politischen Debatte der Sicherheitsaspekt stark im Vordergrund stehe. Es brauche jedoch einen „humaneren Zugang“. Die Standards müssten verbessert werden.

Einsatz bis Oktober

Di Carlo zufolge löse der EU-Militäreinsatz gegen Flüchtlingsboote nicht das Hauptproblem, sondern verschiebe lediglich die Entscheidung über eine politische Lösung. Ärzte ohne Grenzen fordert humane Aufnahmebedingungen an den Grenzen Europas sowie sichere und legale Wege für die Asylstellung. Der lebensrettende Einsatz zwischen Afrika und Europa, der gemeinsam mit MOAS (Migrant Offshore Aid Station) durchgeführt wird, ist bis Oktober geplant.