Hannes Androsch

Kommentar

Hannes Androsch

Brauchen wir die Forschung?

Markt / 22.05.2015 • 22:28 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Wir geben in Österreich jährlich 2,8 Prozent unserer Wirtschaftsleistung für Forschung aus. Das ist viel Geld, aber bei Weitem nicht genug!

 In früheren Jahren sind wir noch mit weit geringeren Beträgen ganz gut ausgekommen, indem neue technologische Entwicklungen ganz einfach nachgeahmt wurden. Auch andere Länder wie Japan, Südkorea und China sind damit lange Zeit sehr gut gefahren. Also billige Imitation statt Kreativität und teure Innovation. Dieser Weg funktioniert aber nur, solange die Löhne niedrig und die sozialen Leistungen gering sind. Hoher Massenwohlstand und ein geräumiger Wohlfahrtsstaat erfordern entsprechende Wettbewerbsfähigkeit und benötigen hohe Produktivität zur Erzielung großer Wertschöpfung, um im globalen Konkurrenzkampf erfolgreich bestehen zu können. Dafür ist vor allem die Entwicklung neuer Produkte, Leistungen oder Verfahren notwendig. Samt einer personellen Infrastruktur, die die bestmögliche Bildung und Ausbildung gewährleistet.

 

Die Bundesregierung hat sich daher 2011 den Aufstieg Österreichs vom Innovations-Follower zum Innovations-Leader zum Ziel gesetzt. Dafür wurde bis 2020 eine Forschungsquote von 3,8 Prozent angepeilt. Diesem Ziel ist man nach der ersten Halbzeit keinen Schritt nähergekommen. Statt aufzuschließen, sind wir im Mittelfeld weiter abgerutscht. Es ist durchaus anzuerkennen, dass trotz der prekären Lage der öffentlichen Haushalte derzeit einige positive Schritte für mehr Mittel für Wissenschaft und Forschung gesetzt werden. Es wird aber noch beträchtlich größerer Anstrengungen bedürfen. Die dafür notwendigen Mittel können im Hochsteuerland Österreich auch ohne neue Belastungen durch Umsetzung der Vorschläge von Rechnungshof, IHS und WIFO aufgebracht werden. Dazu wird es notwendig sein, auf weniger wichtige oder oft auch völlig entbehrliche Ausgaben zu verzichten. Zugleich müssen wir viel mehr in die Gestaltung der Zukunft investieren und die entsprechenden Prioritäten setzen.
Nur dann werden wir unseren Wohlstand erhalten und unsere Wohlfahrt bei einer alternden Gesellschaft für die kommenden Generationen sichern können. Man kann nur verteilen, was man vorher erwirtschaftet hat. Wer nicht sät, wird auch nicht ernten!

Statt bei der Forschung aufzuschließen, sind wir im Mittelfeld weiter abgerutscht.

markt@vorarlbergernachrichten.at
Dr. Hannes Androsch ist Finanzminister a. D. und Unternehmer.