Erstrebenswerte Alternative?

Leserbriefe / 22.05.2015 • 19:00 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Nun sind sie da, die spannungsvoll erwarteten Empfehlungen der Experten aus dem Forschungsprojekt zur Schule der Zehn- bis 14-Jährigen. Die Aussagen geben das wieder, was An- und Betreiber dieser umfangreichen Befragung schon längst beschlossen haben: Die Unterstufe des Gymnasiums muss weg! Und: Eine gemeinsame Schule, vorerst liebevoll Modellregion genannt, muss her. Dem nicht mehr zu bewältigenden Zustrom aufs Gymnasium soll Einhalt geboten werden, der aber nichts anderes ist als das Resultat des jahrelangen Trommelfeuers von Medien, Politik und Bildungsexperten auf die Eltern, dem Kind ja nur die bestmögliche Bildung zukommen zu lassen. Nebenbei eine Folge: Für viele besteht – was allerdings kaum jemand zugeben würde – die Bildungslaufbahn vor allem aus zwei Schnittstellen, einmal bei zehn und dann bei 14 Jahren, welche eine tolle Möglichkeit bieten, schlechte Einflüsse durch Problem-Mitschüler und Ausländerkinder loszuwerden. Eine Modellregion unter dem Label „Gleiche Chancen für alle Schüler“ soll nun die jahrelang befeuerte Bildungspanik unter den Eltern beseitigen, indem man einfach einen noch funktionierenden Schultyp abschafft und mit dem Ersatz allen eine strahlende Schulkarriere verspricht. Wie sagte ein finnischer Schriftsteller vor einigen Jahren über das eigene Schulsystem: Bei uns wird in der Grundschule alles schöngeredet, die Selektion erfolgt dann knallhart in den höheren Schulen, den Rest erledigt die Berufswelt. Eine erstrebenswerte Alternative!

Herwig Orgler,

Dr.-A.-Heinzle-straße 17, Götzis