„Ich sehe mich als Teamplayer“

Vorarlberg / 22.05.2015 • 20:59 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
„Verzichte zugunsten meiner Gemeinderäte auf 20 Prozent meines Bezugs“: Gemeindechef Steurer.  Fotos: MK
„Verzichte zugunsten meiner Gemeinderäte auf 20 Prozent meines Bezugs“: Gemeindechef Steurer. Fotos: MK

In Bezau sitzt mit Gerhard Steurer ein einstiger Casino-Direktor im Bürgermeistersessel.

Bezau. Steurer, dreifacher Familienvater und derzeit noch Geschäftsführer des Sozialzentrums Bezau-Mellau-Reuthe, trat damit das Erbe von Georg Fröwis an. Fröwis hatte, wie in den VN mehrfach berichtet, im Vorfeld der Gemeindewahlen auf seine abermalige Kandidatur verzichtet.

Im Rathaus besitzt die Bezauer Liste des neuen Gemeindeoberhauptes mit fünfzehn Mandaten eine satte Absolute. Die Bezaubernden Demokraten mit Gottfried Winkel, der als „überaus kritischer Kommunaloppositioneller“ gilt, konnten bei den Gemeindewahlen drei Mandate erringen.

Herr Bürgermeister, was geht Ihnen manchmal auf die Nerven und kann Sie aus der Ruhe bringen?

Steurer: Wenn Menschen nicht offen sind oder ich das Gefühl habe, dass nicht mit offenen Karten gespielt wird. Darüber hinaus habe ich mit unsachlichen Argumentationen ein Problem und persönliche Angriffe können mich aus der Ruhe bringen.

Wie gehen Sie persönlich mit Kritik um?

Steurer: Ich kann Kritik sehr gut annehmen – wenn sie berechtigt ist.

Worüber können Sie einmal herzhaft lachen?

Steurer: Ich hoffe, dann wieder herzhaft lachen zu können, wenn ich mich auf das Bürgermeisteramt konzentrieren kann und nach Feierabend wieder einmal ein Glas Wein im Kreise meiner Familie oder Freunde genießen kann. Ich bin derzeit nämlich nebenher noch als Geschäftsführer des Sozialzentrums tätig und bin einer beruflichen Doppelbelastung ausgesetzt. Die Nachfolge als Geschäftsführer ist aber bereits ausgeschrieben.

Sie sehen sich einer überaus kritischen Opposition gegenüber. Wie würden Sie den Umgang mit der Liste Bezaubernde Demokraten umschreiben?

Steurer: Wenn sachlich argumentiert und eine entsprechend sachliche Oppositionspolitik gemacht wird, kann man mit mir über alles reden. Von einer ablehnenden Haltung kann jedenfalls nicht die Rede sein. Wir wollen in der Gemeinde Bezau etwas vorwärtsbringen und hoffen, dabei keine Fehler zu machen und Angriffsfläche zu bieten. Die Gesprächsbereitschaft gegenüber den drei Vertretern der Bezaubernden Demokraten ist derzeit jedenfalls gegeben. Mit Gottfried Winkel, der übrigens auch Mitarbeiter in der Gemeinde ist, pflege ich einen sachlichen Umgang.

Darf man als Gemeindeoberhaupt Fehler eingestehen?

Steurer: Natürlich darf man das. Jeder Bürgermeister ist ein Mensch, und jeder Mensch hat Schwächen und darf sie zeigen. Natürlich sollte ein Gemeindechef auch Entscheidungsstärke besitzen. Ich habe das Glück, im Vorstand drei Fachleute zu haben und kann mich mit Fragen an sie wenden.

Welches Thema werden Sie in Bezau als Erstes angehen?

Steurer: Es gibt zwei große Themen. Die in acht Bereiche aufgeteilte Dorfentwicklung von Bezau und das Projekt Betreutes Wohnen mit neun Einheiten, mit dessen Bau wir 2016 beginnen wollen. Investiert werden dabei rund drei Millionen Euro.

Sind Sie mit Ihrem Monatsbezug zufrieden und wie viel bleibt Ihnen monatlich netto?

Steurer: Ich bin zufrieden, mein Bezug wird bei rund 2500 Euro netto liegen. Ich wollte in Sachen Gehalt als Teamarbeiter ein Zeichen setzen: Weil sich die Gemeinderäte wöchentlich mit mir zu einem Jour Fixe treffen, trete ich 20 Prozent meines Bruttobezugs an die drei Personen ab. Dieser Betrag wird unter den Vorstandsmitgliedern aufgeteilt. Die Regelung wurde in einer Rathaussitzung beschlossen.

Kurz gesagt . . .

Absolute Mehrheit: macht’s leichter, sollte nicht missbraucht werden

Freunderlwirtschaft: ist zu verabscheuen

Lebensglück: glückliche Familie und Gesundheit

Politikverdrossenheit: oft durchaus verständlich

Parteifreund: es ist immer gut, Freunde zu haben

Freizeit: Mangelware, versuche die wenige Freizeit sinnvoll zu gestalten

Erstwähler: sollte unbedingt von der Möglichkeit der Mitbestimmung Gebrauch machen

Lebensqualität: bewusst genießen

Netzwerke: Austausch ist wichtig, privat wie im Beruf

Lebensabend: Gesundheit im Kreise der Familie

Zahlen zu Bezau

» Gemeindegröße: 34,4 km²

» Einwohner: ca. 2000

» Jahresbudget: 5,7 Millionen Euro

» Pro-Kopf-Verschuldung:
1581 Euro

» Betriebe: 136 Unternehmen

» Beschäftigte: rund 360

Zur Person

Gerhard Steurer

Geboren: 27. Mai 1955

Familie: verheiratet, drei Töchter

Erlernter Beruf: Croupier, Direktor Casinos Austria, Geschäftsführer der Seilbahnen Bezau sowie des Sozialzentrums Bezau-Mellau-Reuthe

Hobbys: Skifahren, Wandern, Fußball (passiv)

Lebensmotto: Carpe Diem