Kein Zusammenprall, ein erfreuliches Treffen

Kultur / 22.05.2015 • 22:54 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Hubert Lampert und Franz Türtscher: Ihre Arbeiten liegen nicht allzu weit auseinander.  Foto: A. Grabher  
Hubert Lampert und Franz Türtscher: Ihre Arbeiten liegen nicht allzu weit auseinander. Foto: A. Grabher  

Die Vorarlberger Künstler Hubert Lampert und Franz Türtscher teilen sich in „Karambolage“ das Künstlerhaus.

BREGENZ. (VN-ag) Man hat es vielleicht schon geahnt – trotz ihrer offenkundigen Ungleichheit liegen die Arbeiten von Hubert Lampert und Franz Türtscher nicht allzu weit auseinander. Dass sie gut miteinander können, haben auch die beiden Vorarlberger Künstler bei der Konzeption der Ausstellung im Künstlerhaus festgestellt und ihr Aufeinandertreffen als „Karambolage“ inszeniert.

Tüftler und falscher Hase

Diese „Karambolage“ hat nichts von einer Unfallkollision, sondern eher von einem Gipfeltreffen zweier stark konzeptionell und konstruktiv arbeitender Künstler. Während sie sich auf drei Stockwerken in angemessener Distanz vis-à-vis begegnen, kommt es im Dachgeschoß in einer labyrinthartigen Sockellandschaft, die mit Miniaturen und Modellen besetzt ist, zur völligen Durchmischung in einem gemeinsamen Bild. „Fortlaufende Werkgruppen“ untertitelt der Götzner Hubert Lampert (1953) seine als Rückblick angelegte Auswahl von Skulpturen und Objekten, wohingegen der in Wien lebende Franz Türtscher (1953) mit eigens auf die Ausstellung hin produzierten Werken aktuellstes Schaffen zeigt. So bildet die Installation „Rieseln“ aus Gewindestangen mit Beilagscheiben, die der Besucher bespielen kann, eine Reminiszenz an die allererste Werkgruppe der Mobiles und Klangmaschinen Lamperts und auch das Thema der semantisch-konzeptionellen Informationsbänder als chiffrierte Botschaften taucht in unterschiedlichen Ausformungen über die Jahre immer wieder im Werk auf.

Aufstand und Revolution

Das Spielerische, die (Nicht-)Entschlüsselbarkeit von Codes, die Suche nach dem richtigen Blick- und Standpunkt liegen vielen Arbeiten zugrunde. Sie zeigen den Künstler als hintersinnigen Tüftler, als erfinderischen Düsentrieb und als humorvollen Geschichtenerzähler. Zwischen Notwendigkeit und Zufall sind Objekte angesiedelt wie der zentralperspektivische „Falsche Hase“ als ironisch-goldene Hommage an Dürer, oder aber die Formation „Aufstand verlorener Formen“. Diese künstlerische Resteverwertung versieht die angekohlten Rest- bzw. Negativformen einer Figurengruppe mit neuer Bedeutung und verweist zugleich auf eine, unsere, Zeit im offiziell zwar nicht angekündigten, aber de facto bestehenden Kriegszustand. Mit den Rahmen, bei Lampert als „Revolution“ und als Ausbrechen aus dem Vorgefassten, bei Türtscher im Rückgriff auf ein früheres Konzept, als zentrale Arbeit und als offenes, in den Raum erweiterbares Bildkonzept, gibt es doch noch ein offensichtliches, gemeinsames Thema in der Schau.

Vorläufig

„Die Ambivalenz der Form“ nennt Franz Türtscher seinen Anteil, der gewohnt clean und straight daherkommt und wo es, traditionellerweise auf Rastern und geometrischen Einteilungen fußend um das Schaffen expansiver Bildräume geht. Reduziert auf Schwarz, Weiß und Grau wird die Serie „Linien-Allianzen“ um das Element der Rundung erweitert. Störung und Ordnung, Gleichgewicht und Ungleichgewicht, Interferenzen von Linien, Streifen und Flächen, Kreuzungspunkte, Überlagerungen, räumliche Geflechte bilden nach wie vor die Ausgangspunkte und die künstlerische Domäne Türtschers. Die kalkulierten „Fehler im System“ sorgen für jene Ambivalenz und Zweideutigkeit, die im Titel antönt. Jenseits der Malerei, in der Farbe zur autonomen Qualität wird, zeichnen sich die zwischen Wand, Objekt und Raum nach oben nicht begrenzten „Offenen Rahmen“ durch eine Vorläufigkeit und Skizzenhaftigkeit aus, die nichts Beliebiges hat, aber alle Möglichkeiten inkludiert. Ähnlich verfährt Türtscher auch mit den im Raum verteilten Buchstaben, die Form und Informationsträger zugleich sind. Was wieder zu den Lampert’schen Statements zurückführt und die Karambolage perfekt macht.

Die Ausstellung ist im Künstlerhaus, Palais Thurn und Taxis, Gallusstraße 10, in Bregenz, bis 28. Juni geöffnet, Di bis Sa, 14 bis 18 Uhr, So und Feiertag, 11 bis 17 Uhr.