„Marktbereinigungen haben Druck erhöht“

Markt / 22.05.2015 • 19:21 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Claudius Bereuter führt den Hülsenproduzenten in vierter Generation. Im Familienbetrieb sind mehrere Familienmitglieder beschäftigt. Insgesamt arbeiten 30 Mitarbeiter am Standort in Wolfurt. Fotos: VN/Steurer
Claudius Bereuter führt den Hülsenproduzenten in vierter Generation. Im Familienbetrieb sind mehrere Familienmitglieder beschäftigt. Insgesamt arbeiten 30 Mitarbeiter am Standort in Wolfurt. Fotos: VN/Steurer

Wolfurt. Claudius Bereuter führt in bereits vierter Generation den Hülsenproduzenten Fidel Gmeiner in Wolfurt. Im Interview spricht er über Innovationen und Patente, den starken Wettbewerbsdruck in der Branche, wieso man sich spezialisieren muss und wie hoch der Erfolgsdruck in einem Familienunternehmen ist.

Sie produzieren als mittlerweile einzige mitteleuropäische Firma verschiedene Hülsen unter einem Dach. Warum sind Sie die Einzigen?

Bereuter: Das hängt mit der Marktentwicklung zusammen. Wir sind gewachsen mit der Textilindustrie, und etliche unserer Mitbewerber haben die Produktion von Textilhülsen eingestellt. 1995 haben wir von einem Mitbewerber die Produktion von konischen Hülsen übernommen, 1999 die Produktion von parallel gewickelten Rohren. Darum sind wir mittlerweile die Einzigen im mitteleuropäischen Raum, die die vier Produktionsverfahren unter einem Dach vereinen.

Wo kommen diese Hülsen zum Einsatz?

Bereuter: Der Hauptanwendungsbereich ist heute, dass die Hülsen zum Aufwickeln von bandförmigen Materialien verwendet werden. Also beispielsweise für Kunststofffolien, Aluminium- und Frischhaltefolien, Verpackungsklebebänder, Etiketten, Pyrotechnik, die Papierindustrie, Stoffe und Garne, Bauvlies oder Trittschalldämmmatten. Genauso produzieren wir auch Kartonpaletten oder Steckhülsen und haben mittlerweile sehr viele Sonderlösungen. Ganz neu ist der Fusselroller mit Kartongriff. So sind wir mittlerweile sehr breit aufgestellt.

Sie haben in den vergangenen Jahren Ihr Produktportfolio erweitert und auch Patente angemeldet; welche Entwicklungen dürfen wir von Ihnen noch erwarten?

Bereuter: Das erste Patent war unser modulares Präsentationssystem für Ausstellungen, Messen oder mehr, das ohne Schrauben oder Kleb auskommt. Beim Kunststoffgriffersatz haben wir den Gebrauchsmusterschutz bekommen, das liegt beim Patentamt. Wobei es in der Branche insgesamt nicht eine Masse an Patenten gibt.

Wie stark ist der Wettbewerbsdruck in Ihrer Branche?

Bereuter: Er ist leider sehr hoch, weil mit dem starken Rückgang der Textilindustrie eine große Branche fehlt, die früher 80 Prozent der Produktionsmenge abgenommen hat. Zudem geht in den letzten Jahren auch die Zahl der Papierfabriken merklich zurück. Diese Entwicklungen bzw. Marktbereinigungen haben den Wettbewerbsdruck stark erhöht. Man könnte zwar meinen, bei den vielfältigen Verwendungszwecken gäbe es genügend Bedarf. Es gibt in Euopa auch etliche Hersteller von Kunststoff- und Reifungsbändern, aber in Mitteleuropa wiederum nur wenige. Und wir haben eine Wegstrecke von 400 Kilometer, die sinnvoll ist. Darum können wir nicht überall hin. Ein Problem ist auch die Verlagerung von Produktionsstandorten an Billigstandorte. Auch da tun wir uns von der Entfernung her schwer. Und wir verlieren Kunden durch Stilllegungen von Produktionen. Alles Gründe für uns, neue Lösungen und Anwendungen zu finden, um so diesen Entwicklungen entgegenzuwirken.

Sie führen das Unternehmen in vierter Generation. Hat man in einem Familienbetrieb einen besonderen Druck, erfolgreich zu sein?

Bereuter: Den gab es eher in der Vorgängergeneration. Mein Großvater hat den Betrieb an seine Schwiegersöhne übergeben. Da waren der Druck, die Tradition und die in sie gesetzten Erwartungen zu erfüllen, sicher größer. Ich glaube, heute muss sich jeder gleich stark einsetzen. Ob er in einem Familienunternehmen ist oder ob er leitende Führungsperson in einem anderen Unternehmen ist. Wobei, wenn es so wie bei uns funktioniert, ist es schon etwas Tolles. Bedingt kann man das im Umgang miteinander beeinflussen, einen wirklichen Grund wissen wir aber nicht. Unsere Kompetenzen sind verteilt, wir können uns aufeinander verlassen. Bei Außenstehenden ist es oft so, dass man sich etwas an die eigenen Fahnen heftet, das gar nicht von einem selbst kommt. Solche Dinge kennen wir nicht. In einem Familienbetrieb richtet man sich auch längerfristig aus, nicht nur auf den kurzfristigen Profit. Und auch die nächste Generation ist bei uns schon in den Startlöchern.

Sie sind ein produzierender Betrieb, Ihr Standort ist mitten im Wohngebiet. Wie ist die Situation mit den Anrainern?

Bereuter: Es ist Baumischgebiet, wir haben also alle rechtlichen Legitimationen. Wir haben den Vorteil, dass wir mit den Nachbarn ein sehr gutes Einvernehmen haben. Dazu sind an zwei Flanken des Betriebs die eigenen Leute beheimatet. Die Lkw-Zufahrt ist umhaust, zudem sind wir ein Ein-Schicht-Betrieb und können unsere Versandtätigkeit komprimieren. Daher erfolgt keine Lärm- oder Lichtbelästigung. Aber wir schauen schon sehr drauf, dass es keine Unruhefaktoren gibt.

Wenn es in einem Familienbetrieb unter den Familienmitgliedern gut funktioniert, ist es etwas Tolles.

In der Produktion werden Hülsen in allen Stärken und Größen produziert. Genauso wie Sonderlösungen oder Kartonpaletten.
In der Produktion werden Hülsen in allen Stärken und Größen produziert. Genauso wie Sonderlösungen oder Kartonpaletten.
Ein Bild aus früheren Zeiten: Ausflugsfahrt der Gmeiner-Mitarbeiter.  
Ein Bild aus früheren Zeiten: Ausflugsfahrt der Gmeiner-Mitarbeiter.  

Kennzahlen

Fidel Gmeiner GmbH & Co KG, Wolfurt

» Gegründet: 1925

» Geschäftsführung: Claudius Bereuter, Familienbetrieb in 4. Generation

» Mitarbeiter: 30, davon 3 Lehrlinge

» Produkte: Papierkonen, Spiralhülsen, Spiralrohre, Präsentationssystem, Spiralkerne, Parallelrohre, Parallelhülsen, Kartonpaletten

» Export: 50 %

Zur Person

Claudius Bereuter

Geschäftsführer Fidel Gmeiner GmbH & Co KG und 25-Prozent-Gesellschafter Gmeiner Gesellschaft m.b.H.

Geboren: 7. 8.1965

Ausbildung: Handelsakademie, Studium der Verfahrenstechnik an der Fachhochschule München (Schwerpunkt Papier- und Kunststoffverarbeitung); Auslandssemester mit Berufspraxis

Laufbahn: 1989 Einstieg in den elterlichen Betrieb in Wolfurt, zunächst tätig in der Produktion, später im Verkauf, seit 2001 alleiniger Geschäftsführer

Familie: verheiratet, drei Töchter