Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Nun wollen alle dabei sein

Kultur / 22.05.2015 • 22:54 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Das war vorauszusehen: Kaum hat eine Stadt aufgezeigt und gesagt, dass sie sich konkret Gedanken um eine Bewerbung als Kulturhauptstadt machen werde, so wollen schon die anderen den Blumentopf für sich. Und zwar für sich allein. So ist es jetzt Bregenz gegangen. Nachdem Bürgermeister Markus Linhart eine ernsthafte Prüfung einer Bewerbung angekündigt hat, da meldet sich schon Feldkirchs Vizebürgermeisterin Barbara Schöbi-Fink und meint: Bewerben können sich alle Städte in Vorarlberg, auch gemeinsam, der Titel „Europäische Kulturhauptstadt“ gebühre aber natürlich Feldkirch allein. Da wird wohl das Fell des Bären verteilt, bevor erlegt ist.

Die Idee ist ja nicht neu. Angefangen hat Dornbirn, das in seinem neuen Kulturleitbild vom Rektor der Kunstuniversität Linz, Reinhard Kannonier, davon gesprochen hat, dass eine Bewerbung um die Kulturhauptstadt zu überlegen wäre. Dann gab es die Kulturenquete des Landes Vorarlberg in Feldkirch, bei der in einer Diskussion Ulrich Fuchs, Jury-Mitglied zur Auswahl künftiger Kulturhauptstädte, zu diesem Thema befragt wurde. Bis dahin aber alles unverbindlich. Erste dezidierte Erklärungen gab es am Mittwoch beim Bregenzer Unternehmerfrühstück, bei dem Linhart erklärte, man wolle über eine Kandidatur nachdenken. Nämlich nachdenken darüber, ob „wir so etwas brauchen, ob wir so etwas können und auch ob wir so etwas wollen“. Gast war der Kulturpolitiker und Kulturmanager Oliver Scheytt, der 2010 Essen als Kulturhauptstadt vorbereitet und dann auch geführt hat. Scheytt gab Bregenz durchaus Chancen auf eine erfolgreiche Bewerbung, wenn man nicht nur die Kulturstadt, sondern auch die Natur mit ins Treffen führe. Drei Punkte waren es für Scheytt, die erfolgversprechend wären: Der Bodensee, durchaus auch als Region verstanden, der Wald, womit vor allem der Bregenzerwald gemeint war, und schließlich der Rhein als verbindender europäischer Strom. Und das, so meine ich, waren die bisher klügsten Äußerungen, die es in Sachen Kulturhauptstadt in Vorarlberg bisher gab.

Eines aber ist klar: Wenn man schon jetzt, wo man von einer Bewerbung noch weit entfernt ist, unter den Vorarlberger Städten zu streiten beginnt, dann wird für alle nichts draus werden. Klug wäre es, zuerst gemeinsam reden, einen Weg suchen, und dann möglicherweise eine Bewerbung starten. Aber auch dann nur möglicherweise.

Klug wäre es, zuerst gemeinsam reden, einen Weg suchen, und dann möglicherweise eine Bewerbung starten.

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.